
„Nach der Schule stellt man die Weichen für das restliche Leben.“ In dieser Binsenweisheit liegt enorm viel Wahrheit und so mancher ist mit der Weichenstellung überfordert. Woher soll man in jungen Jahren wissen, in welche Richtung man sein Leben lenken will? Und wo soll dieses Leben stattfinden? Wegziehen und ins kalte Wasser springen? Oder doch lieber die Nestwärme der Familie und des Freundeskreises auskosten?
Im Idealfall ist die persönliche Gefühlslage in der Standortfrage ausschlaggebend. Viel häufiger entscheiden junge Menschen aus wirtschaftlichen Gründen, ob sie in Mecklenburg-Vorpommern bleiben oder (erstmal) auswandern wollen.
Das passende Studienfach, ein Ausbildungsplatz in der Nähe, adäquate Karrierechancen: Wenn MV nicht das bieten kann, was einem vorschwebt, muss man Kompromisse eingehen oder die Koffer packen. Meist mit gutem Bildungsabschluss in der Tasche, versuchen junge Leute, woanders Erfahrungen zu sammeln und sich ein Leben aufzubauen. Das bedeutet aber auch, die Sehnsucht nach der Heimat nicht zu stark werden zu lassen. Oder auf den Ruf des Herzens zu hören und nach einiger Zeit wieder zurückzukehren. Laut Angaben der Rückhol-Agentur mv4you spielen mehr als 6000 „Ausgewanderte“ mit diesem Gedanken.
Im Schnitt haben in den letzten drei Jahren monatlich rund 3500 Personen Mecklenburg-Vorpommern verlassen, während 2800 hergezogen sind. Hinzu kommt, dass es pro Monat rund 300 Todesfälle mehr als Geburten gibt. Das heißt, die Einwohnerzahl in MV nimmt monatlich um mehr als 1000 ab. Im August letzten Jahres waren noch etwa 1,65 Millionen Menschen hier gemeldet.
Zu den Hauptgründen für einen Wegzug zählt, dass in MV in einigen Branchen zwischen 20 und 30 Prozent weniger Lohn gezahlt wird als in reicheren Regionen Deutschlands. Geringe Geburtenzahlen führen zusätzlich dazu, dass die Zahl der Schüler seit der Wende von rund 290 000 auf 127 000 gesunken ist.
Das klingt negativ, hat aber auch Vorteile, wie Solveig Streuer, Projektleiterin bei mv4you, sagt: „In Mecklenburg-Vorpommern gibt es mittlerweile mehr Ausbildungsplätze als Schulabgänger.“ Beste Perspektiven also für Hierbleiber und Herkommer. Hauptsächlich entscheiden sich die Leute aber wegen Ostseeküste und weiter Landschaft, wegen Freunden, Familie und der allgemeinen Heimatverbundenheit für ein Leben in MV. Letztendlich ist es aber egal, wo man ist. Wichtiger ist, wie es einem dort ergeht. Noch so eine Binsenwahrheit.
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