„Ich bin aufgeregt wie Bolle“, gestand der 1,88 Meter große Erfolgssportler, bevor er sich den Fragen der Schüler stellte. Schon weit vor den Weltmeisterschaften hatte Schulleiter Thomas Döring ihn gefragt, ob er den Schülern der neuen siebten Klassen Strategien und Wege für Disziplin, Ausdauer, Training vermitteln könne. Dass er damit den künftigen Weltmeister eingeladen hatte, hätte Döring damals aber nicht gedacht.
Als Sportlehrerin Ingedore Bothe-Setzkorn ihren ehemaligen Schüler Stephan wiedersah, schloss sie ihn erst mal fest in die Arme. „Er ist so bescheiden“, erzählte sie. Als sie ihn kennengelernt habe, „wusste ich nicht, dass in ihm so viel Kraft und Talent steckt“. Stephan selbst kommentierte das Lob: „Ich bin eigentlich nur Ruderer.“ Ja, er könne auch Volleyball spielen und Rad fahren. „Am Boden turnen, da bin ich eine Niete.“
Auch seine einstige Tutorin, Viola Schulz, herzte den frisch gebackenen Weltmeister. Sie erinnere sich an seine Willensstärke im Unterricht und an sein vieles Training, erzählte sie.
Als Stephan dann in der Aula des Gymnasiums vor etwa 150 Siebtklässlern des Gymnasiums stand, wirkte er tatsächlich wieder aufgeregt wie ein Schuljunge. Der Schulleiter erinnerte noch einmal daran, wie er am vergangenen Sonnabend vor dem Fernseher gesessen hatte und plötzlich diese „Wahnsinnsleistung“ von Stephan Krüger gesehen habe. Er habe es nicht fassen können. „Unser Schüler – ein großer Sportler dieser Welt.“
Nun sollte Krüger darüber sprechen, wie man also Weltmeister wird. In der ersten Reihe fiel eine junge große Frau auf. Ulrike Sennewald, die ebenfalls auf dem Innerstädtischen Gymnasium Abitur machte und während der Weltmeisterschaft Platz vier im Achter erreichte, gab Stephan, wie sie sagte, moralischen Beistand. Die Schule hatte sie so nach der Sanierung noch nicht gesehen und war erstaunt, wie schön alles sei. Ihr Vater, der ehemalige Weltklasse-Ruderer und heutige Verbandspräsident, Hans Sennewald, hatte nach dem Erfolg auf Stephan Krüger eine Laudatio gehalten.
„Es ist ein langer, steiniger Weg, man muss auf Freunde verzichten, Abstriche in der Freizeit machen“, erzählte Stephan Krüger. Die Schüler hingen gebannt an seinen Lippen. Das Eis zwischen Erfolgssportler und Schülern war sofort gebrochen. Zwar zog hier und da auch mal jemand die Stirn kraus, als vorne von Fleiß und Disziplin die Rede war – und von der Bereitschaft, an die eigenen Grenzen zu gehen. Stephan erinnerte an seinen Tagesablauf, als er noch Gymnasiast war: Nach der Schule zum Training, dann bis 22 oder 23 Uhr Hausaufgaben erledigen, wieder aufstehen, zur Schule.
„Der Weltmeistertitel wird einem nicht geschenkt. Als ich ihn erhielt, musste ich ein paar Tränen vergießen.“ Dass er es einmal schaffen könnte, in diese Traumwelt habe er sich gedanklich nie begeben. Vor einem Jahr, bei den Olympischen Spielen in Peking, sei er im Doppelzweier Sechster geworden. „Das war eine Enttäuschung“, erinnerte er. Doch er habe neben den großen Sportlern der Welt gesessen. „Das ist Wahnsinn“.
Natürlich hatten die Schüler auch jede Menge Fragen an den Weltmeister – der bereitwillig verriet, dass er einen Skoda Fabia fährt. Und dass man als Ruderer auch mit Weltmeistertitel nicht unbedingt reich werde. „Da muss man Fußball oder Golf spielen.“ Wie viele Peking-Enten er bei den Olympischen Spielen in Peking gegegessen habe, wollte ein Schüler wissen. „Eine.“ Ob er überhaupt viel esse, hakte ein anderer nach. „Vor Wettkämpfen schaffe ich höchstens zwei Löffel Reis.“






