Davon, dass die Tiere plötzlich in Rostock oder Markgrafenheide beheimatet sind, kann zwar keine Rede sein, „doch unstrittig ist, dass sie offenbar immer öfter an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns beobachtet werden“, erklärt Christoph Herrmann vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern. Er selbst sei auch persönlich schon auf Seehunde am Strand gestoßen.
Verlangt diese Entwicklung Konsequenzen für Strandbesucher? „Nein“, sagt Herrmann. „Ich kann nur sagen, keine Sorge, liebe Leute.“ In der Regel brauchen Tiere, die am Strand liegen, keine Hilfe. Wenn ein Jungtier entdeckt wird: „Nicht die Feuerwehr alarmieren. Oft ist die Mutter ganz in der Nähe, möglicherweise nur kurz im Wasser.“ Eine Notwendigkeit, dass sich Naturschützer zusammentun und sich um die in ihrer Anzahl zunehmenden Seehunde kümmern, sieht Herrmann auch nicht. Er selbst arbeite in einem Projekt mit, das sich mit dem Nachweis von Kegelrobben und Seehunden in Mecklenburg-Vorpommern befasst, das sei zunächst ausreichend.
Die Seehunde werfen ihre Jungen in dänischen Küstengebieten. „Wenn diese Tiere bis nach Rostock schwimmen, bewegen sie sich in ihrem ganz normalen Aktionsraum“, sagt Herrmann.
Klaus Harder vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund verweist darauf, dass insbesondere im Greifswalder Bodden die Rückkehr der Kegelrobben längst fortgeschritten ist. Im Bereich Rügen werden die Urlauber über ein Merkblatt auf die Robben aufmerksam gemacht, das das Staatliche Amt für Umwelt und Natur Stralsund und das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie vor zwei Jahren gemeinsam herausgegeben haben und das jetzt neu aufgelegt wird. Der Inhalt gelte sinngemäß auch für die Bereich Rostock und Wismar mit ihren zunehmenden Seehund-Sichtungen, so Harder.
Wenn Strandspaziergänger und Seehunde einen respektvollen Abstand zueinander einhalten, gebe es keinen Grund zur Beunruhigung. Hunde sollten angeleint bleiben. Und jeder solle wissen, dass es sich um Raubtiere handelt, die sich zu wehren wissen, wenn sie sich bedroht fühlen.
Wenn es tatsächlich zu einer extremen Ausbreitung der Robben käme, könnte es aber doch Konsequenzen geben. An der Nordseeküste werden manche Strandabschnitte, an denen die Robben ihre Jungen werfen, zeitweise gesperrt.



