Rostock (OZ) - Das Quietschen der Kreide auf der Tafel vergisst man nicht so schnell. An Musik würde dabei allerdings wohl kaum jemand denken. Mal abgesehen von den Schülern und Lehrern der Christophorus-Schule (CJD), die aus dem Klangteppich ihres Alltags gerade ein Musikvideo gemacht haben. Und daher wissen, wie viel Rhythmus in Reißverschlüssen, Treppenstufen und Papierkörben stecken kann.
Die Idee zu dem „Hörpunkt“-Projekt hatte Lateinlehrer Leif Berling. Inspiriert habe ihn das Video „Musik for one apartment and six drummers“, erzählt Berling. „Darin brechen Musiker in eine Wohnung ein und machen dort spontan Musik.“ Das müsste sich doch auf die Schule übertragen lassen, dachte er sich. Ohne Einbruch natürlich.
Eine Idee, die auch den Schulverein und Schlagzeuger Martin Pollok (33) überzeugte. Im Herbst 2008 verschaffte sich der Absolvent der Hochschule für Musik und Theater einen ersten Überblick über das Geräusch-Orchester am CJD. „Ich bin mit dem Diktiergerät losgezogen und habe alles aufgenommen.“ Abschiedsküsse am Eingang, der Schlag auf einen Heizkörper — schon kam das Stück in Gang. Und eine kleine Geschichte gleich mit. „In einer Szene gibt es zum Beispiel einen Schüler, der von seiner Liebsten träumt — während um ihn herum die Musik entsteht.“ Ein Lineal schlägt aufs Pult, vom Papierkorb kommt ein dumpfer Ton — und der Lehrer schreibt im Rhythmus an die Tafel.
Regisseur Thomas Wüstemann (28), Geschäftsführer von morphium-film in Berlin, drehte die große Schulmusik an vier Tagen Anfang Juni ab. Das zehnminütige Video, das beim CJD-Sommerfest am Mittwochabend Premiere hat, sei „großartig“ geworden, verrät er schon mal. „Ich glaube, so was hat es auch noch nie gegeben.“ Schließlich haben an die 300 Geräuschmacher vor der Kamera gestanden:
Schüler und Lehrer, aber auch der Hausmeister und das Küchenpersonal. Die gemeinsame Arbeit an dem Film sei schon Teil des Projektes gewesen, erklärt Berling.
„Das waren herrliche Szenen“, erinnert sich Pollok. Manche hätte er auch ohne Nachbearbeitung übernehmen können, „so gut haben alle mitgespielt“. Und mit großer Geduld: Wie die Mutter, die ihre Tochter zum Abschied rhythmisch küssen musste. Oder die Reinigungsfrau, die auf dem Flur die groovenden Schüler beobachtet. „Das haben wir bestimmt sieben Mal gedreht.“ Mulmig sei ihm nur kurz beim ersten Probedreh geworden, „als wir versucht haben, 50 Grundschüler zu bändigen“, erzählt Regisseur Wüstemann. Nicht nur wegen solcher Szenen sei das „Making-of“ zum Film mindestens ebenso sehenswert wie dieser selbst. Ein Lob, das Neuntklässler Eric Markus, der Letzteres gedreht hat, sehr freuen dürfte. „Film und Musik sind meine größten Hobbys“, sagt der 15-Jährige.
Oft habe er schon während des Drehs das Gefühl gehabt: „Wow, das war wirklich gut.“ Beim bassartigen Sound aus dem Mülleimer beispielsweise. Ganz nebenbei sei die Schule beim Filmdreh mehr zusammengewachsen, meint Markus. Und die Musik wird auch bleiben: „Die Hälfte der Leute wollte sich Drummerstöcke kaufen, um irgendwo drauf rumzuschlagen.“
Info: Beim Sommerfest am CJD, Groß Schwaßer Weg 11, gibt es Mittwoch ab 19.30 Uhr zunächst das Making-of zum Hörpunkt-Projekt zu sehen, anschließend den Film.




