Unglaublich ist es auch immer noch für den Piloten Andreas Seyfert, der sich aus der Maschine zusammen mit seinem Co-Piloten allein befreien konnte. Dann seien sie durch den tiefen Schnee über den Segelflugplatz gelaufen. Wenig später wäre ihnen dann auch schon Hilfe entgegen gekommen.
Die OZ besuchte Andreas Seyfert gestern im Hanse-Klinikum. Der Tag ist für den bekannten Stralsunder Geschäftsmann, der drei Firmen besitzt, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des Vereins „Die Region Vorpommern“ ist, „wie ein zweiter Geburtstag“.
Was genau passierte und zu dem Unglück am Sonnabendnachmittag führte, das müsse jetzt erst gründlich untersucht werden. Dunst habe über der Stadt gelegen. Nichts mit schönen Fotos. Deshalb sei man umgekehrt...
Das Wichtigste für Seyfert bleibt: „Dass dem Jungen nichts passiert ist“. Der 19-jährige Flugschüler, der mit ihm beim Rundflug über der Hansestadt an Bord war, konnte bereits am Sonnabend mit leichten Verletzungen aus dem Krankenhaus nach Hause entlassen werden. Und dass er selbst überlebt hat. Sein Rücken fühle sich an „wie beim Hexenschuss“, sagt Seyfert. An der Hand trug er Schnittwunden davon.
„Die Kiste ist nur Material“, sagt er zum Verlust seines Helikopters, von dem nichts als Schrott übrig ist. „Es geht um unser Leben.“ Und da hatten die Männer einen ganz großen Schutzengel.
Das wird deutlich, als die Kriminalbeamten bis in die Nacht die Unfallstelle sichern. Gegen 14.30 Uhr war der HU 300 beim Landeanflug ins Trudeln geraten, hatte zweimal auf dem Erdboden aufgesetzt und war aus geringer Höhe abgestürzt, so die Polizei. Den Einsatzkräften bietet sich ein gespenstisches Bild. Der Heli ist nur noch ein Klumpen Metall und Plastik. Überall an der Absturzstelle liegen Einzelteile des Hubschraubers verstreut.
15 Mitarbeiter des THW — seit Tagen im Dauereinsatz gegen Schnee und Frost — rücken gegen 20 Uhr mit schwerer Technik an, leuchten die Unfallstelle aus und bereiten die Bergung vor. Doch noch müssen sie auf den Gutachter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) Braunschweig warten. Reinhard Krüger aus Kyritz ist selbst Pilot. Der Beauftragte der Bundesbehörde wird seit 1984 zu Unfällen mit Flugzeugen gerufen. Auch er kann nur sagen, dass die beiden Stralsunder „wirklich riesiges Glück“ hatten.
Spezialisten würden sich jetzt mit den weiteren Untersuchungen des Absturzes befassen. Andreas Seyfert ist ein erfahrener Pilot, der seit zehn Jahren seinen Hubschrauber lenkt — mit Erfolg auf Weltmeisterschafts- und Medaillenkurs. So nahm er 2008 an der WM in Eisenach teil. 2006 hatte das Heli-Team-Nord zum ersten Mal den deutschen Meistertitel geholt. Den verpasste die Crew im vergangenen Jahr in Mengen am Bodensee nur um Haaresbreite und wurde Vizemeister.
„Gesund werden“ ist jetzt erst einmal die Hauptsache für den 52-Jährigen. Wird er sich wieder in einen Hubschrauber setzen? „Kein Problem“, bleibt Seyfert zuversichtlich.
Und mit Galgenhumor kann er auch schon wieder Späße machen: Rein statistisch gesehen, hat er ausgerechnet, müsse man 74 Jahre fliegen, um einen Unfall zu bauen. Und da sei er nun wohl durch. Hofft er.
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