Während in Deutschland die Unfallzahlen mit Radfahrerbeteiligung in den letzten Jahren leicht sanken, sind sie in der Studentenstadt Greifswald gestiegen. „Bundesweit ist etwa die Hälfte der bei Unfällen getöteten Radfahrer älter als 65 Jahre“, räumt Uli Schmucker mit der Vorstellung auf, dass nur „junge Raser“ betroffen sind. Drei Viertel der Unfälle mit Personenschäden gehen auf Zusammenstöße mit Pkw zurück. Die Schuldfrage ist annähernd paritätisch verteilt. „Die Dunkelziffer ist sehr hoch“, sagt Schmucker. „Wir gehen davon aus, dass es zehn Mal mehr Unfälle gibt, als bei der Polizei gemeldet werden.“ Um etwas mehr Klarheit zu gewinnen, haben die Unimediziner vor kurzem eine Untersuchung gestartet, in der vor allem Langzeitfolgen und die Vermeidbarkeit von Unfällen überprüft wird. „Derzeit ist de facto unbekannt, wie viele Radunfälle es gibt“, stellt Uli Schmucker fest.
Als Unfallforscher ist er ganz klar pro Helm — aber freiwillig. „Zwar kann durch Tragen des Helms etwa die Hälfte der schweren Kopfverletzungen vermieden werden“, begründet er. „Aber in Ländern mit Helmpflicht nahm die Zahl der Radfahrer stark ab.“ Wer nicht mehr radelt, dem fehlt ein Stück gesunder Tätigkeit, und er steigt womöglich aufs Auto oder andere Verkehrsmittel um. Das bringt andere Gefahren mit sich.“ Schmucker ist optimistisch, dass sich durch Präventionsarbeit mit der jüngeren Generation etwas bewegen lässt. Dass heute schon jedes zweite Kind mit Helm unterwegs ist, stimmt ihn hoffnungsvoll.
Das sozialistische Vietnam und die dortigen Forschungspartner der Greifswalder sind auf ähnlichem Gebiet aktiv. „Seit zwei Jahren ist Vietnam sehr erfolgreich bei der Verringerung der Unfälle mit Zweirädern“, erzählt der Forscher. „Alarmierung und Notfallversorgung wurden verbessert, die Helmpflicht für Mopeds und Motorräder verschärft.“ Dazu kommen häufige und „scharfe“ Kontrollen der Polizei, die mehr Personal erhielt. „Auch in unserem hochentwickelten Land fehlen engmaschigere Kontrollen. So ist es leider immer noch höchst schwierig, Raser und Drängler rechtzeitig zu stoppen“, meint Schmucker.













