Fischland-Schmuck: Markenname kehrt zurück
Uta Erichson hat die Markenrechte und Modelle des Fischlandschmucks erworben. Schon bald soll in Zusammenarbeit mit der Ostsee-Schmuck GmbH mit der Herstellung begonnen werden. Foto: Edwin Sternkiker
Nach einem Beschluss des Münchner Patentgerichts im Jahre 1960 durfte in Ribnitz der Fischlandschmuck nicht mehr unter diesem Namen produziert werden. Jetzt ist das wieder möglich.
Ribnitz-Damgarten/Travemünde (OZ) - Uta Erichson, Geschäftsführerin der Ribnitzer Bernstein-Drechslerei und Inhaberin der Galerie „E“, hat die Markenrechte am Fischlandschmuck erworben. Der Vertrag schließt auch den Kauf der Modelle ein. Uta Erichson: „Ich bin sehr froh, dass ich mich mit der Firma G. Kramer jun. in Lübeck-Travemünde einigen konnte. Denn schließlich kehrt damit der Name Fischlandschmuck wieder nach Ribnitz zurück. Dorthin, wo dieser Schmuck einmal entstanden war. Damit schließt sich der Kreis.“ Angefangen hatte alles 1932. In diesem Jahr übernahm Walter Kramer, Ribnitzer Goldschmied in vierter Generation, den elterlichen Betrieb und kam auf die Idee, verschiedene Seemotive in Silber herzustellen und mit Naturbernstein zu verarbeiten.
Das neue Produkt, der Fischlandschmuck, mauserte sich sehr schnell zu einem Verkaufsschlager. Kramer hatte bereits kurze Zeit später bis zu 100 Beschäftigte. 1939 wurde die Marke „Fischlandschmuck“ patentrechtlich eingetragen.
Den Zweiten Weltkrieg konnte die Firma überstehen, bereits 1947 wurde wieder mit etwa 80 Arbeitskräften produziert. 1948 wurde Kramer in Ribnitz enteignet und floh nach Lübeck-Travemünde, wo er sich eine neue Goldschmiede aufbaute. Aus seiner Ribnitzer Firma wurde ein volkseigener Betrieb, es war der erste in Ribnitz. In den 50er Jahren kam es zum Streit zwischen Walther Kramer und dem VEB Fischland-Schmuck. Der Rechtsstreit zog sich bis 1960 hin. In diesem Jahr entschied das Münchner Patentgericht, dass der Ribnitzer Betrieb den Fischlandschmuck nicht mehr unter diesem Namen produzieren und vertreiben darf. Außerdem durfte sich der Betrieb auch nicht mehr VEB Fischland-Schmuck nennen. Deshalb firmierte er seit 1961 unter VEB Ostsee-Schmuck.
Uta Erichson ist überzeugt, dass sowohl die alten als auch neue Formen des Fischlandschmucks ihre Käufer finden werden. Der soll zunächst in Ribnitz-Damgarten und auf Fischland-Darß-Zingst angeboten werden. Produziert werden die einzelnen Teile in Zusammenarbeit mit der Ostsee-Schmuck GmbH. Zusammengefügt werden sie in den Räumen der jetzigen Bernsteingalerie „E“ in der Neuen Klosterstraße, wo ein neuer Goldschmiedearbeitsplatz entstehen wird. Die Galerie „E“ wird in ein Haus auf der anderen Straßenseite einziehen.
Das Thema Fischlandschmuck wird am 5. Februar bei einem Treffen im Café des Bernsteinmuseums eine Rolle spielen. Dazu seien alle diejenigen eingeladen, die bei der Firma Kramer und beim späteren VEB Fischland-Schmuck gelernt und gearbeitet haben, so Uta Erichson.
Wer Ringe, Ohrschmuck, Broschen, Anhänger, Colliers, Armbänder und andere Dinge, die bei Kramer in Ribnitz produziert wurden, besitzt, wird gebeten, diese als Leihgabe für eine Ausstellung zur Verfügung zu stellen (Kontakt unter ☎ 0 38 21/22 19).
HINTERGRUND
Wichtige Exportfirma
Nach der Flucht Walter Kramers aus der sowjetischen Besatzungszone wurde sein Betrieb in Ribnitz im Juli 1948 zum VEB Fischland-Schmuck. Produziert wurde in den noch von Kramer im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Walther Bachmann Flugzeugbau KG im Körkwitzer Weg eingerichteten Betriebsräumen. Neben der Buntmetallfertigung gab es dort auch eine Silberschmiede. Um von Lieferungen aus Idar-Oberstein unabhängig zu sein, wurde auch eine Bernsteinschleiferei geschaffen, wo mehrere Bernsteindrechsler, die in Danzig und Königsberg ihre Ausbildung erhielten, arbeiteten. Seit 1954 arbeitete der Betrieb mit der Fachschule für angewandte Kunst Heiligendamm zusammen mit dem Ziel, eigene Designer auszubilden. Der Ribnitzer Betrieb war ein wichtiges Exportunternehmen. 1960 wurden zum Beispiel 600 000 Valutamark erwirtschaftet. Exportländer waren u. a. Holland, Frankreich, Dänemark und Ägypten.
Quelle: Beitrag von Ulf Erichson in: 50 Jahre Stadt Ribnitz-Damgarten.
EDWIN STERNKIKER
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