„Elf Prozent unserer Tagesgäste stammen inzwischen aus dem Ausland“, nennt Geschäftsführer Falk Morgenstern die aktuelle Zahl, die für sein Unternehmen einen neuen Rekord darstellt. Sie entspricht 1700 Urlaubern ohne deutschen Pass, die 2009 nach Kröslin kamen — vorwiegend aus Skandinavien, Holland, Polen und der Schweiz. Aber auch die Zahl der Finnen, Esten und Letten nahm zu. 2008 hatte der Anteil der ausländischen Touristen noch bei neun Prozent gelegen. Gründe für den positiven Trend sieht Morgenstern im international ausgerichteten Marketing der Marina — dem größten Urlaubermagneten des Ortes — und in der Tatsache, dass der Ostseeraum im Bereich Wassersport schon sehr gut vernetzt ist.
Insgesamt muss die Branche in der Region allerdings gesunkenes internationales Interesse konstatieren, wie der Geschäftsführer der Usedom Tourismus GmbH (UTG), Bert Balke, bestätigt. Er wirbt derzeit mit Vertretern der Insel für den Standort um mehr weltweite Aufmerksamkeit. 2009 nahm die Zahl der ausländischen Urlauber auf niedrigem Niveau ab — um 6,3 Prozent auf rund 7500 Gäste.
Hauptgrund sei die Wirtschaftskrise gewesen und die dadurch noch stärkere Fokussierung auf den touristischen Binnenmarkt. Allerdings, so betont Balke, unternehme die UTG nun verstärkte Anstrengungen, um nach dem Flautenjahr das internationale Publikum verstärkt anzusprechen. Erste konkrete Maßnahme: Ab April wird das Unternehmen den Engländer Chris Gray als Verantwortlichen für spezielles Auslandsmarketing einstellen: „Wir wollen verstärkt den englischsprachigen Raum ansprechen, da wir mit Peenemünde und dem Wirken Lyonel Feiningers auf Usedom Schätze vorweisen können, die für diesen Markt sehr interessant sind und die wir noch besser darstellen müssen“, meint Balke. Der Fakt, dass es hier zwei Staaten auf einer Insel gebe, verlange ebenfalls mehr internationaler Vermarktung. Es gehe mit dieser Ansprache also auch um ein Image, das Weltoffenheit signalisiere. Der Anteil an der Gesamturlauberzahl (derzeit kommt knapp 1 Prozent aus dem Ausland) sei auf Usedom mittelfristig hingegen kaum über die Marke von drei Prozent zu heben.
Dennoch, so schätzt der Pressesprecher des Landestourismusverbandes Tobias Woitendorf, ein, werde die internationale Klientel auf Sicht auch zu einem wirtschaftlichen Faktor für die Region: „Mit dem demographischen Wandel wird es in etwa 15 bis 20 Jahren deutlich weniger deutsche Urlauber geben, die wir ansprechen können. Deshalb lohnt es sich, in Marketing bei den Nachbarn zu investieren.“ Ganz M-V habe zwar ebenfalls einen Rückgang bei ausländischen Gästen um 3,6 Prozent hinnehmen müssen auf nun etwa 2,8 Prozent beim Gesamturlauberanteil. „Aber nach dem Abflauen der Krise wird es wieder aufwärts gehen, wenn wir am Ball bleiben“, ist sich Woitendorf sicher.
An weiteren Zuwächsen arbeitet auch die Marina Kröslin, wie Morgenstern betont. Zum 1. April hat er ebenfalls eine neue Kraft eingestellt, die sich auf Auslandsmarketing spezialisiert und fünf Sprachen spricht. Die Internetseite der Marina wird nach Deutsch, Englisch und Polnisch in dieser Saison auch auf Schwedisch übersetzt. In einigen Jahren soll die Zahl der ausländischen Gäste im Hafen schon bei 20 Prozent liegen, skizziert der Marinachef sein Ziel.
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