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Freizeit Reisen und Erleben Auf den Spuren von Karl Marx durch Westeuropa
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04:39 20.02.2018
Februar 2018: Das Geburtshaus von Karl Marx in der Brückenstraße in Trier. Heute befindet sich hier das Karl-Marx-Museum.
Februar 2018: Das Geburtshaus von Karl Marx in der Brückenstraße in Trier. Heute befindet sich hier das Karl-Marx-Museum. Quelle: Christoph Driessen/dpa-Tmn
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London

Karl Marx und Friedrich Engels waren ziemlich beste Freunde. In ihrem gemeinsamen Londoner Exil trafen sie sich täglich, wohnten nur zehn Fußminuten voneinander entfernt.

Touristen können den genauen Weg noch heute nachgehen - und dabei das Wohlstandsgefälle erleben, das den meist erwerbslosen Philosophen von dem reichen Industriellensohn trennte.

Das perfekt erhaltene Haus von Engels befindet sich in der Regents Park Road 122 im superteuren Stadtteil Primrose Hill. Hippe Läden und Cafés reihen sich aneinander, und der gleichnamige Park Primrose Hill lockt mit einer fantastischen Aussicht über London.

Der Weg zu Marx führt über eine alte Eisenbrücke und quer über den steil ansteigenden Haverstock Hill, der die Londoner Innenstadt mit Hampstead verbindet. Ein kurzer Weg, nur wenige Straßen, und doch sind es unterschiedliche Welten: Marx' Adresse, die Maitland Park Road, ist geradezu trist. Das vierstöckige Haus, in dem der Autor des „Kapitals“ seine letzten acht Lebensjahre verbrachte, steht nicht mehr, stattdessen ist hier sozialer Wohnungsbau entstanden. Viele Bewohner sind Migranten - wie Marx es war.

Geburtshaus

Das Haus in der Brückenstraße beherbergt heute ein Museum, das aber nicht mehr über die ursprüngliche Einrichtung verfügt und bisher hauptsächlich textlastige Schautafeln bot. Am 5. Mai 2018 - Marx' 200. Geburtstag - soll es neu gestaltet wiedereröffnen. Marx selbst hatte nie Erinnerungen an das Haus, denn schon ein Jahr nach seiner Geburt zog die Familie in die Simeongasse um.

Universitätsmuseum

Da ihm seine Veröffentlichungen bald Probleme mit den preußischen Behörden brachten, setzte sich Marx 1845 nach Brüssel ab. Auch hier muss man sich nicht in die einstigen Arbeiterviertel begeben, um dem Autor des „Kommunistischen Manifests“ nachzuspüren. Nein, der Weg führt geradewegs zum Grand Place. Hier befindet sich die Kneipe, in der er mit anderen Exilanten aus Deutschland zu debattieren pflegte. Das prächtige Zunfthaus mit der Nummer 9 ist leicht an dem barocken Schwan über der Eingangstür zu erkennen.

Das Revolutionsjahr 1848 verbrachte er dann überwiegend im liberalen Köln. Dort verlegte er die einflussreiche „Neue Rheinische Zeitung“. Leider sind die Redaktionsräume am Heumarkt im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges untergegangen.

Als der Elan der Revolution 1849 verpuffte, verließ Marx seine Heimat, um nie mehr zurückzukehren. Er zog mit seiner Frau Jenny von Westphalen - eine echte Adelige, worauf er ungemein stolz war - und drei kleinen Kindern nach London. Genauer: ins Ausgehviertel Soho. In der Dean Street 28 erinnert an ihn eine der blauen Plaketten, mit denen die Stadt auf berühmte Bewohner hinweist.

1856 konnte es sich Marx dank einer kleinen Erbschaft von Jenny erlauben, in eine bessere Gegend im Norden Londons zu ziehen, nach Hampstead. Zunächst wohnte er im Haus Grafton Terrace 46, das von außen unverändert erhalten ist. Nach weiteren Erbschaften mieteten sie 1864 sogar ein frei stehendes Haus mit großem Garten ganz in der Nähe: Modenas Villas Nr. 1, in der Maitland Park Road. Dieses Haus ist schon lange zu Staub zerbröselt. Schließlich zog das Ehepaar 1875 in ein kleineres Haus mit der Adresse Maitland Park Road 41. 

Mit dem Bus, damals noch von Pferden gezogen, fuhr Marx jeden Tag zur British Library, wo er von morgens bis abends im Lesesaal anzutreffen war. Er arbeitete dort an der „ökonomischen Scheiße“, wie er es nannte. Gemeint war „Das Kapital“. Sonntags entspannte sich Marx mit seiner Familie auf Hampstead Heath, einem Wald- und Wiesengebiet, auch heute noch eines der beliebtesten Ausflugsziele der Londoner.

Marx lebte von 1849 bis zu seinem Tod 1883 in London, aber er bewegte sich dort fast ausschließlich unter Landsleuten und verlor nie seinen starken deutschen Akzent. Anfang der 1880er Jahre ging es mit seiner Gesundheit bergab. Als Engels am Nachmittag des 14. März 1883 zu seinem üblichen Besuch bei ihm in der Maitland Park Road eintraf, fand er ihn tot in seinem Lieblingssessel am Kamin vor. Drei Tage später, am 17. März, wurde Marx im benachbarten Highgate neben der 15 Monate zuvor verstorbenen Jenny bestattet.

Friedhof

London

Anreise und Formalitäten: Nonstop-Flüge gibt es von den meisten deutschen Flughäfen. Per Zug fährt man mit dem Eurostar zentral im Hauptbahnhof St Pancras ein. Deutsche Staatsangehörige brauchen für die Einreise nur einen gültigen Personalausweis.

Währung: Das britische Pfund ist nach der Brexit-Entscheidung deutlich billiger geworden und kostet jetzt noch 1,12 Euro.

Informationen: Visit Britain, Alexanderplatz 1, 10178 Berlin, Tel.: 030/315 71 90.

dpa/tmn

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