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Ausbildung in MV: News und Trends Frauen beim Gehalt immer noch benachteiligt
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Frauen verdienen immer noch weniger als Männer

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11:16 08.04.2021
In vielen Berufen verdienen Frauen für den gleichen Job immer noch weniger als ihre männlichen Kollegen. 
In vielen Berufen verdienen Frauen für den gleichen Job immer noch weniger als ihre männlichen Kollegen.  Quelle: Pixabay
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Rostock

Es ist immer noch an der Tagesordnung, dass Frauen in gleichen Berufen, gleicher Position und gleicher Arbeit immer noch weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Rund 5 Prozent weniger finden Frauen in der monatlichen Lohntüte. Traurige Spitze ist der Lebensmitteleinzelhandel. Hier verdienen Frauen 12 Prozent weniger als Männer. In der Pflege beträgt die Lücke 4 Prozent. GEHALT.de und die comdirect-Initiative finanz-heldinnen haben zum Thema jetzt eine Studie veröffentlicht. 143 975 Datensätze wurden ausgewertet.

Unbereinigte Entgeltlücke beträgt rund 22,2 Prozent

Über alle Branchen, Positionen und Berufe hinweg verdienen Frauen in Deutschland rund 37 000 Euro und Männer rund 47 600 Euro im Jahr. Die unbereinigte Entgeltlücke beträgt somit rund 22,2 Prozent zu Gunsten der Männer. Ausschließlich das Einkommen von Frauen und Männern betrachtet, die unter den gleichen Voraussetzungen arbeiten, beträgt die Lücke noch immer 5,1 Prozent. Unter Führungskräften ist diese mit 7,0 Prozent größer als unter Fachkräften (5,2 Prozent).

Lücke ist in der Biotechnologie am geringsten

Vor allem im Einzelhandel haben Männer gut Lachen. Arbeitnehmerinnen verdienen, obwohl sie die gleiche Arbeit leisten, rund 12 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Geringfügig gerechter geht es im Einzelhandel für Bau und Einrichtung zu (10,4 Prozent) und in der Versicherungsbranche (10,1 Prozent) zu. Offenbar macht die Biotechnologiebranche in Sachen Gehalt zwischen Männern und Frauen gleicher Qualifikation fast keinen Unterschied.

Hoher Frauenanteil in der Pflege

Besondere Belastung erfahren in Coronazeiten Pflegekräfte. Doch in diesem Bereich, in dem überwiegend Frauen beschäftigt sind, wird die Arbeit der männlichen Kollegen mehr wertgeschätzt. Männer verdienen für die gleiche Arbeit 4,2 Prozent mehr Gehalt. In Krankenhäusern sind es sogar 8,3 Prozent weniger. Fast 8 Prozent erreichen die bereinigten Entgeltlücken in der Automobilindustrie und im Bankwesen. Da hingegen geht es im Kulturbereich mit einer 2,4 Prozent großen Entgeltlücke beinahe schon gerecht zu.

Fachärztinnen verdienen 9,3 Prozent weniger

Während Journalistinnen 3 Prozent weniger Gehalt monatlich zur Verfügung haben als ihre männlichen Kollegen, sind die 9,3 Prozent weniger Gehalt bei Fachärztinnen kaum zu erklären. Etwas niedriger ist die Entgeltlücke unter IT-Fachkräften. Hier beträgt sie 6,2 Prozent. In der IT-Leitung sind es 4,2 Prozent und bei E-Commerce-Manager*innen liegt sie bei 4,5 Prozent.

MV hat größten Nachholebedarf

In Baden-Württemberg sind die Einkommen, aber auch die Entgeltlücken am höchsten – hier liegt der bereinigte Gender-Pay-Gap bei rund 7,8 Prozent. Auch in Rheinland-Pfalz (7,2 Prozent) und Sachsen (6,1 Prozent) sind die Abweichungen vergleichsweise hoch. Am niedrigsten ist der Wert in Mecklenburg-Vorpommern mit 0,6 Prozent. „Die größte Auswirkung hat die Lohnlücke auf die Rente – und das trifft besonders uns Frauen. Wir verdienen weniger und wir sparen weniger. Uns Frauen droht Altersarmut“, sagt Katharina Brunsendorf, Projektleiterin Initiative finanz-heldinnen.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier.

Hintergrundinformationen

Die finanz-heldinnen, eine Initiative der comdirect, und das Unternehmen Gehalt.de schaffen gemeinsam Aufmerksamkeit für das Thema „Equal Pay“ in Deutschland. Verlängert wird die Kampagne unter dem Motto #ohmy_gap über reichweitenstarke Multiplikator*innen aus Politik, Gesellschaft und besonders betroffenen Berufen und Branchen. Sämtliche Daten und Angaben zur Methodik.

Von Kerstin Rathje-Wesselow