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Bad Doberan Der Sprung ins kalte Wasser
Mecklenburg Bad Doberan Der Sprung ins kalte Wasser
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20:46 06.11.2019
Soll in den kommenden Jahren mit Blick auf Wohnbebauung und Gewerbe sukzessive weiterentwickelt werden: die Gemeinde Bartenshagen-Parkentin. Quelle: Manfred Sander
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Parkentin

Seit gut 100 Tagen ist Tobias Priem neuer Bürgermeister in der Gemeinde Bartenshagen-Parkentin. Für den 38-Jährigen ein Start von Null auf Hundert: Denn der Familienvater hatte gleich zu Beginn seiner Amtszeit größere Probleme zu lösen.

Herr Priem, wie bewerten Sie die ­ersten 100 Tage Ihrer Amtszeit?

Tobias Priem: Ich wurde ja gleich ins kalte Wasser geworfen. Im Sommer gab es die große Aufgabe, eine Lösung für die vom Landkreis Rostock geschlossene Kita „Wichtelhausen“ zu finden. Normalerweise möchte man sich ja möglichst in Ruhe in seine neue Aufgabe einarbeiten – das war aber in meinem Fall nicht möglich. Ich musste mich intensiv in das Kindertagesförderungsgesetz einlesen, viele Gespräche mit dem Landkreis und dem Jugendamt führen – das hat sich alles drei, vier Wochen hingezogen.

Die Bemühungen haben aber letztlich zum Erfolg geführt.

Ich bin froh, dass es dann doch zu einer positiven Entscheidung gekommen ist – vor allem mit Blick auf die Kinder und Eltern. Aber die Sache hatte auch für mich ihr Gutes: Ich kenne mich jetzt ziemlich gut in der Materie aus und weiß etwa bei künftigen Entgeltverhandlungen, worauf es ankommt.

„Es gab Momente, in denen man denkt: Mensch, das ist jetzt schon eine ganze Menge. Ich musste lernen, Dinge auch mal zurückzustellen.“ Tobias Priem, Bürgermeister Bartenshagen-Parkentin Quelle: Lennart Plottke

Was haben Sie in den vergangenen Wochen noch angepackt?

Wenn auch in dieser Zeit sicher viele andere Themen ein bisschen hinten runtergefallen sind: Vor allem die Entwicklung des Flächennutzungsplanes beschäftigt uns in der Gemeinde schon eine ganze Weile. In diesem Zusammenhang gibt es ­aktuell eine Bürgerbeteiligung zur Innenbereichssatzung – ich hoffe, dass die 2020 in Kraft treten kann. Darüber hinaus wollen wir im kommenden Jahr auch die Gründung von Senioren- und Jugendbeiräten in Angriff nehmen. Denn glücklicherweise haben wir hier viele junge Leute – die wollen wir stärker mit einbeziehen.

Was heißt das konkret?

Gerade für die Zehn- bis 18-Jährigen gibt es bislang in unserer Gemeinde kaum Angebote. Wir wollen wissen, ob sich die Jugendlichen vielleicht einen Club oder ein Zentrum wünschen, in dem sie sich treffen und gemeinsam ihre Freizeit gestalten können. Es muss doch noch etwas anderes geben als nur die Buswartehäuschen.

Wie soll der Beirat künftig eingebunden werden?

Der jeweilige Sprecher kann an den Sitzungen der Gemeindevertretung teilnehmen und bekommt hier auch ein Vorspracherecht. Zudem sollte sich der Beirat auch um die Freizeitaktivitäten kümmern und der Gemeinde so auch Arbeit abnehmen – denn wir wollen ja nicht an den Festivitäten vorbei­planen.

Welche weiteren Pläne gibt es für 2020?

Der Flächennutzungsplan wird uns auch das kommende Jahr hindurch beschäftigen. Denn daraus entwickeln sich dann ja auch mögliche Bebauungspläne. Dazu würden mir noch Hundert weitere Sachen einfallen: Weiterführung des Fußweges in Bartenshagen, auch in Parkentin gibt es bei einigen Gehwegen Handlungsbedarf, wir wollen endlich unsere gemeindeeigene Internetseite an den Start bringen – aber für alle Ideen braucht man ­natürlich auch finanzielle Mittel.

Apropos: Das Internetportal wollten Sie doch so schnell wie möglich an den Start bringen.

Die Entwicklung der Seite ist auch schon gut vorangeschritten – leider braucht man für gewisse Dinge eben auch Gelder. Im Haushalt für 2019 sind dafür aber keine Mittel eingeplant – und wir reden hier auch nicht von ein paar Hundert  Euro. Ziel ist es, die Internet­seite im ersten Quartal 2020 zu veröffentlichen – damit sich die Bürger künftig noch besser informieren können.

Ein weiteres Vorhaben: größere Einbeziehung der Einwohner...

Ich denke, das habe ich schon umgesetzt: Die Leute haben jetzt in Sitzungen der Gemeindevertretung oder in den Ausschüssen mehr Mitspracherecht. Wenn jemand eine Frage oder Idee hat, ist es wichtig, auch mal das Wort zu erteilen und zuzuhören. Darüber hinaus biete ich auch eine Bürgersprechstunde an: Eine Stunde vor den jeweiligen Ausschuss-Sitzungen bin ich für die Leute da und höre mir ihre Anliegen an.

Einige Mitglieder der vorherigen Gemeindevertretung haben sich hin und wieder öffentlich und manchmal auch unter der Gürtellinie gestritten. Wie schätzen Sie die Zusammenarbeit im aktuellen Gremium ein?

Ich denke, dass wir hier jetzt ganz fruchtbar arbeiten. Einer Meinung ist man natürlich nicht immer – das wäre auch schlecht. Dann könnte die Gemeinde nicht wachsen. Die Zusammenarbeit ist nach meiner Wahrnehmung angenehmer als früher – auch zwischen den einzelnen Wählergruppen. Die Diskussionen haben schon ein anderes Niveau.

Und wie fügt sich da Gabriele Kalweit ein? Immerhin war sie fast 30 Jahre lang Bürgermeisterin.

Wir arbeiten ganz gut zusammen, reden über viele Dinge. Sie bringt sich natürlich aktiv in die Gemeindevertretung ein. Aktuell übernimmt sie speziell für die neue Schul-Lehrküche die Baubesprechung – dieses Projekt hat sie ja selbst initiiert. Es ist gut, wenn jemand da ist, der sich auskennt und das begleitet.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Amt Bad Doberan-Land gemacht?

Die Zuarbeit funktioniert wirklich gut. Ob Bauamt, Kämmerei oder Ordnungsamt: Ich bekomme immer eine kompetente Antwort. Und dann gibt es ja noch einen Engel in der Gemeinde. . .

Nämlich?

Ohne Sabine Pett, meine rechte Hand, würde nichts wirklich klappen. Sie ist für mich eine große Unterstützung.

Im Rückblick auf die vergangenen Monate: Haben Sie Ihre Kandidatur zum Bürgermeister schon mal bereut?

Ich hatte mir für den Anfang ganz schön viel vorgenommen. Da gab es auch Momente, in denen man denkt: Mensch, das ist jetzt schon eine ganze Menge. Ich musste lernen, Dinge auch mal zurückzustellen – aufgrund der endlichen Zeit oder auch begrenzter Haushaltsmittel. Aber nein: Bereut habe ich meine Entscheidung nie.

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