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Bad Doberan 20 Vorhaben für Hochwasserschutz in Bad Doberan
Mecklenburg Bad Doberan 20 Vorhaben für Hochwasserschutz in Bad Doberan
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19:17 28.08.2019
Das Bollhäger Fließ fließt unter der Beethovenstraße durch. Der Durchlass soll vergrößert werden, davon profitieren dann auch Markt und Goethestraße. Quelle: Anja Levien
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Bad Doberan

Der Molli fährt in der Goethestraße durch Wassermassen, auf dem Markt in Bad Doberan sprudelt das Wasser aus den Gullis, im neuen Wohngebiet Ostseewohnpark sind Wege nicht mehr erkennbar, alles steht unter Wasser: Die Videos vom 31. Juli 2019, als Bad Doberan vom Starkregen überflutet wurde, werden auf der Leinwand im Blauen Salon des Rathauses gezeigt. Hier hat sich am Mittwoch die Expertenrunde getroffen, die Bürgermeister Jochen Arenz zum Hochwasserschutz einberufen hat. Dabei wurde nicht nur das Hochwasserschutzkonzept für die Stadtbäche vorgestellt, sondern auch das weitere Vorgehen besprochen. Fazit: Gewässer können optimiert werden, aber jeder Bürger ist auch für sein Haus und Grundstück verantwortlich.

20 Maßnahmen im Konzept festgeschrieben

Etwa 20 Maßnahmen sieht das „Hochwasserschutzkonzept für die Doberaner Stadtbäche“ vor. Biota, das Institut für ökologische Forschung und Planung, hatte im Auftrag des Wasser und Bodenverbandes „Hellbach- Conventer Niederung“ vor allem die Vorfluter, also die vier Stadtbäche, die durch Bad Doberan fließen, untersucht und Defizite ermittelt. In diese münden unter anderem die Regenwasserkanäle.

Beethovenstraße: Brücke ist Schwachstelle

Eine Schwachstelle sei beispielsweise der Durchlass unter der Brücke Beethovenstraße. Wird der Durchlass wie geplant erweitert, „gibt es 70 Zentimeter weniger Wasserstand. Das heißt, die Kanalisation kann mehr Wasser aufnehmen“, erläutert Diplom-Ingenieur Marc Schneider von Biota, der das Konzept mit erarbeitet hat. Das würde Markt und Goethestraße entlasten.

Aber: „Bei intensiven, starken Niederschlag kann die Regenentwässerung nicht alles aufnehmen“, stellt er klar und bekommt Zustimmung aus der Runde, die aus Vertretern der Wasserwirtschaft, des Naturschutzes, Planern und der Politik besteht. Einen hundertprozentigen Schutz vor solchen Ausnahmeereignissen wie am 31.  Juli werde es nicht geben.

Am Mittwoch, 28. August, fand die Expertenrunde zum Thema Hochwasserschutz im Blauen Salon in Bad Doberan statt. Quelle: Anja Levien

77 Einsätze der Feuerwehr durch Starkregen

Das Bollhäger Fließ an der Goethestraße. Der Durchlass unter der Brücke ist am 31. Juli 2019 nach Starkregen voll. Quelle: Jochen Arenz

77 Einsätze hatten die freiwilligen Feuerwehren am 31. Juli ab 18 Uhr. Neben der Wehr aus Bad Doberan waren auch fünf freiwillige Wehren aus den Umlandgemeinden sowie das Technische Hilfswerk beteiligt. „Wir waren mit Pumpen unterwegs, aber das Wasser muss auch irgendwo hin“, machte Wehrführer Olaf Schulz das Problem des Abends deutlich. Schwerpunkte seien die Goethestraße, der Markt, die Rostocker Straße, Nettelbruch und Alexandrinenplatz gewesen. „Wir haben 15 000 Liter pro Minute Pumpleistung erbracht.“

„Jeder ist auch verantwortlich, sich selbst zu schützen“, sagt Bürgermeister Jochen Arenz (parteilos). Daher soll es nicht nur eine Bürgerversammlung geben, bei der das Hochwasserschutzkonzept für die Stadtbäche vorgestellt wird, sondern auch einen Workshop, bei dem sich die Bürger informieren können, wie sie ihr Haus sichern können.

Jens Tränckner, Professer für Wasserwirtschaft, Universität Rostock: Gezielter Objektschutz und Optimierung der Gewässer sind das Paket für den Hochwasserschutz.“ Quelle: Anja Levien

„Viele Sachen sind hausgemacht. Habe ich eine Souterrainwohnung mit behindertengerechter Rampe, dann passiert es, dass das Wasser da reinläuft“, sagt Jens Tränckner, Professor für Wasserwirtschaft an der Universität Rostock. Der Abfluss des Wassers könne aber durch entsprechende Gestaltung gelenkt werden. Es müssen also nicht nur die Gewässer optimiert werden, sondern auch gezielt auf den Objektschutz geachtet werden.

Darunter fällt auch die Beschaffenheit des Grundstücks. Wie viel Fläche ist versiegelt. Frank Lehmann, Geschäftsführer des Zweckverbands Kühlung (ZVK), der für die Regenentwässerung in der Stadt zuständig ist, wies darauf hin, dass beispielsweise auch Zisternen eingebaut werden könnten, die Regenwasser speichern.

Wasser außerhalb der Stadt zurückhalten

Für die Gewässeroptimierung sieht das Biota-Konzept noch einiges vor. „Wir können entweder die Kapazität der Systeme erhöhen oder außerhalb der Stadt das Wasser zurückhalten“, sagt Marc Schneider.

Das wäre beispielsweise an der Büdnereihe westlich des Krankenhauses möglich. Die Straße führt nach Retschow. Sie wird vom Glashäger Bach gekreuzt, der zum Sportplatz Stülower Weg fließt und hier in den Stülower Bach mündet. Verkleinert man den Straßendurchlass, würde das Wasser auf die Grünfläche südlich der Büdnerreihe fließen. „8000 Kubikmeter könnten da zwischengespeichert werden“, so Schneider.

Dipl- Ing. Marc Schneider, Biota Institut für ökologische Forschung und Planung: „Wir können entweder die Kapazität der Systeme erhöhen oder außerhalb der Stadt das Wasser zurückhalten.“ Quelle: Anja Levien

Auch am Jahnweg, wo der Stülower Bach fließt, gebe es immer Probleme. „Hier gibt es potenzielle Rückhaltesysteme“, sagt Schneider. Hier könnte das Wasser in den südlich gelegenen Wald abgeleitet werden. Und auch das Wasser, das über das Bollhäger Fließ in die Stadt komme, könne vorher auf den Grünflächen westlich der Dammchaussee zurückgehalten werden.

Schwachstelle in der Stadt sei auch der Mollikanal, ein verrohrtes Gewässer unterhalb der Mollistraße, das zwischen Stülower Bach im Süden und Bollhäger Fließ im Norden verläuft. Er nimmt das Regenwasser auf und gibt es in den Bollhäger Fließ ab.

Bürgermeister zufrieden mit Ergebnissen

Bürgermeister Jochen Arenz zeigte sich nach der Expertenrunde zufrieden. Vor allem, dass die Hilfe von allen Seiten käme. Rostocks Bausenator Holger Matthäus (Grüne) hat Unterstützung angeboten und von den Rostocker Erfahrungen nach dem Hochwasser 2011 berichtet. Die Hanse- und Universitätsstadt hat daraufhin ein integriertes Entwässerungskonzept erarbeitet und fertig für jeden Bebauungsplan ein hydrologisches Gutachten an. „Wir wollen gewährleisten, dass wir bestimmte Regenereignisse beherrschen können“, sagt Matthäus. Die Jahrhundertereignisse würden es aber nicht sein.

Matthäus, wie auch ZVK-Chef Frank Lehmann, machten deutlich, dass die Gewässersysteme ganzheitlich betrachtet werden müssen. „Wir werden dafür Geld in die Hand nehmen“, sagt Jochen Arenz. „Jeder Euro, der in den Hochwasserschutz investiert wird, zahlt sich fünf- und zehnfach aus.“

Hochwasser und die Folgen

Am 31. Juli verursachte Starkregen Überflutungen in Bad Doberan. 80 Keller liefen voll.

Einer davon, ist der der Filiale der Ostseesparkasse am Markt, die bis auf Weiteres geschlossen bleiben muss.

Auch am Friederico-Francisceum sind die Folgen noch zu spüren. Der Anbau des Gymnasiums ist bis voraussichtlich Februar 2020 nicht nutzbar. Hier war das Erdgeschoss mit Wasser voll gelaufen. Raummessungen haben ergeben, dass dieses mit Schimmel befallen ist. Die Schüler wurden in verschiedene Ausweich-Quartiere untergebracht.

Bad Doberans Bürgermeister Jochen Arenz hat eine Expertenrunde zum Hochwasserschutz einberufen. Die Wasserverbände machten im Vorfeld deutlich: So ein Ereignis wie am 31. Juli lässt sich nicht beherrschen.

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Von Anja Levien

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