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Bad Doberan Kein Jahr wie jedes andere: Der große Rückblick für die Region Bad Doberan
Mecklenburg Bad Doberan

2020: Der große Jahresrückblick für die Region Bad Doberan

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22:48 01.01.2021
Beliebter Jahresstart: 2020 beginnt in Kühlungsborn mit dem Anbaden in der eisigen Ostsee.
Beliebter Jahresstart: 2020 beginnt in Kühlungsborn mit dem Anbaden in der eisigen Ostsee. Quelle: Anja Levien
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Bad Doberan

Das sich nun dem Ende neigende Jahr 2020 war kein Jahr wie jedes andere – mit denselben Höhen und Tiefen, wiederkehrenden Ereignissen und gepflegten Traditionen. Auch wenn es noch mit den üblichen Highlights wie dem Anbaden in der kalten Ostsee begann, wurde es im weiteren Verlauf immer mehr von einem Thema geprägt – der Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auf unser Leben.

Hier im Rückblick eine kleine Auswahl von Themen, die in diesem Jahr in der Region für Schlagzeilen sorgten:

Januar: Bon-Pflicht nervt Händler und Kunden

Nicht selten treten zu Beginn eines neuen Jahresneue Gesetze in Kraft. An die Auswirkungen muss man sich mitunter erst mal gewöhnen. So ist es auch mit der Kassenbon-Pflicht, die seit dem 1. Januar 2020 bundesweit für alle Händler gilt. Sie müssen ihren Kunden unaufgefordert einen Beleg aushändigen. Die Regierung will damit Steuerbetrug durch manipulierte Ladenkassen bekämpfen. Aber nicht bei allen Händlern und Kunden kommt das neue Gesetz gut an.

In Bad Doberan und anderen Orten der Region halten es viele gar für überflüssig. Emelie Nahlob, Verkäuferin in der Bäckerei Sparre am Alexandrinenplatz berichtet, dass höchstens drei von 100 Kunden den Beleg überhaupt haben wollen. Andere lassen ihn gleich wegwerfen. So produziert das neue Gesetz vor allem viel Müll.

Februar: Narren lassen es wieder richtig krachen

In der GemeindeSatow soll Neues entstehen. Mit der Verabschiedung des Haushaltsplanes für 2020 macht die Vertretung unter anderem den Weg frei für einen 7,4 Millionen Euro teuren Schul-Ersatzneubau in Satow. In den Ortsteilen Radegast und Heiligenhagen wird der Weg für neue Kitas vorbereitet.

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Nicht nur dasversetzt die Satower in beste Partylaune. Ende Februar feiert der Satower Karneval-Verein seinen 50. Geburtstag mit einer großen Sause. Auch in Bad Doberan, Kühlungsborn, Kröpelin und Neubukow sind die Narren los und lassen es ordentlich krachen. Dass es für längere Zeit erst mal die letzten Partys dieser Art gewesen sind, weiß zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

März: Jetzt regiert Corona: Nichts geht mehr

Pläne der Bahn zur Taktreduzierung des Zugverkehrs zwischen Rostock und Bad Doberan sorgen Anfang März noch für „ganz normalen“ Frust in der Region, bis ein anderes Thema beginnt, die Schlagzeilen zu bestimmen, und regionale wie kommunale Alltagsprobleme klein aussehen lässt.

Die Angst vor dem Coronavirus breitet sich aus. Atemschutzmasken in Apotheken sind auch in Bad Doberan längst ausverkauft, Desinfektionsmittel und Toilettenpapier werden knapp.

Um eine weitere Ausbreitung der Pandemie zu vermeiden, folgen drastische Maßnahmen, landesweit und auch in der Region. Supermärkte, Drogerien und Apotheken dürfen weiter öffnen, alle anderen Geschäfte sowie Kneipen und Klubs machen dicht. Veranstalter sagen ihre Events ab, Urlauber werden aufgefordert abzureisen und auch Sehenswürdigkeiten wie das Doberaner Münster und Ausstellungen bleiben zu. Besucher haben auch im Sana Krankenhaus Bad Doberan und in den Reha-Kliniken keinen Zutritt mehr. Sämtliche Kinderspielplätze werden abgesperrt. Die Stadt versucht, den Händlern in Bad Doberan zu helfen.

Die Corona Pandemie hat jetzt auch das Ostseebad Kühlungsborn erreicht. Zwei Jungs stehen vor dem abgesperrten Spielplatz an der Strandpromenade. Quelle: Frank Söllner

April: Mobile Helfer kaufen ein

Im April berichtet die OZ über „mobile Einkaufshelfer“ in Kühlungsborn. Der Jugendbeirat und der Seniorenbeirat des Ostseebades haben die Einkaufshilfe für Risikogruppen organisiert. Das Kernteam besteht aus zehn jungen Leuten, die für die zumeist älteren Bürger Toilettenpapier, Küchenrollen und Lebensmittel einkaufen.

Mai: Ein bisschen Normalität kehrt zurück

Eine längst als veraltet geltende Form der Unterhaltung erlebt im Frühjahr ihre Renaissance – das Autokino! Auch auf der Bad Doberaner Rennbahn steht eine große Leinwand. Davor versammeln sich abends zahlreiche Zuschauer in ihren Autos. Den Ton zum Film empfangen sie über ihr Autoradio.

Juni: Eine ganze Region im Kreuzfahrtfieber!

In der zweiten Junihälfte dreht ein Filmteam an Standorten in Bad Doberan, Heiligendamm, Kühlungsborn und auf Gut Klein Nienhagen für die beliebte ZDF-Reihe „Kreuzfahrt ins Glück“. Einheimische entdecken ihr schauspielerisches Talent und wirken in dem Film als Komparsen mit.

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Juli: Schnelles Internet und andere Vorhaben

Im Landkreis Rostock werden im Sommer mehr als 30 000 Haushalte angeschrieben. Sie sollen entscheiden, ob sie einen kostenfreien Hausanschluss für das Breitband-Netz mit mindestens 100 Mbit/Sekunde wollen. Bis jedoch der Ausbau der Breitbandversorgung in Gemeinden wie Bad Doberan, Neubukow, Rerik, Satow abgeschlossen sein wird, ist noch Geduld erforderlich. Die Unternehmen haben 36 Monate Zeit den Ausbau umzusetzen.

August: Start ins neue Schuljahr nicht ohne Hygiene-Konzept

Endlich dürfen wieder alle Kinder zum Unterricht in die Schule, auch die Erstklässler müssen nicht auf die obligatorische Schultüte verzichten. Nur die offiziellen Einschulungsfeiern finden dieses Mal in kleinerem Rahmen und mit wenigen Besuchern statt.

Alle Schulen in der Region haben sich mit maßgeschneiderten Hygiene-Konzepten auf das Lernen unter Corona-Bedingungen vorbereitet.

Susan Küster bringt Sohn Louie zur Schule am See in Satow. Für den Sechsjährigen ist es der erste Schultag. Quelle: Anja Levien

So lernen in der Schule am See in Satow die siebten und achten Klassen in der Cafeteria, die neunten und zehnten Klassen haben Präsenzunterricht im Fachtrakt und die zweiten Klassen sind in einem Interimsgebäude am Kindergarten untergebracht. An der Heinrich-Schliemann-Schule in Neubukow herrscht für die zwölf Klassen sogar Maskenpflicht. Die gilt allerdings nur während des Aufenthaltes auf dem engen Flur. Weil sich ein Mindestabstand sonst kaum einhalten lässt. Im Klassenraum aber dürfen die Schüler ihren Mund- und Nasenschutz abnehmen.

September: Ausgebuddelt: Das Tafelsilber der Restorffs

Für eine Sensation sorgt Baggerführer Andreas Freese. Bei Tiefbauarbeiten für das neue Gutshotel-Resort in Rakow (Gemeinde Am Salzhaff) stößt er auf Teile eines vergrabenen Familienschatzes.

Bauherr Horst Podßun am Fundort des Tafelsilbers der Familie von Restorff Quelle: Thomas Hoppe

Die Familie von Restorff, früher die Besitzer des Gutes, hatte ihr Tafelsilber und andere kostbare Stücke vor ihrer Flucht in den Westen kurz nach Kriegsende, unter einer Feldscheune versteckt.

Oktober: 25 Jahre privat unter Dampf

Bei der Mecklenburgischen Bäderbahn „Molli“ gibt es Grund zum Feiern. Die Privatisierung der dampfbetriebenen Schmalspurbahn zwischen Bad Doberan und Kühlungsborn jährt sich zum 25. Mal. Allerdings fällt die große Party der Corona-Pandemie zum Opfer.

Dafür wird am 3. Oktober zur Freude der Eisenbahnfans ein historischer Güterzug als Sonderzug auf die Strecke geschickt.

November: Zum Lockdown noch die Vogelgrippe

Mitte November erreicht die Vogelgrippe den Landkreis. Von dieser Katastrophe mitten im Weihnachtsgeschäft betroffen ist auch ein Geflügelhof in Malpendorf, einem Ortsteil der Stadt Neubukow. Über 3000 Legehennen und 750 Enten werden getötet.

Dezember: Weihnachtsshoppen in der Innenstadt

Wenn noch Geschenke zum Fest benötigt werden, warum diese nicht im Laden um die Ecke kaufen? Die Stadt Bad Doberan und ihre Einzelhändler locken am Samstag vor dem 2. Advent noch einmal zum Weihnachtsshoppen in die Doberaner Innenstadt.

Für die meisten Händler ist es eine der letzten Gelegenheiten, Umsatz zu machen. Denn ab Mitte Dezember gelten wieder die Regeln des harten Corona-Lockdowns. Außer Lebensmittelhandel, Apotheken und Drogerien bleiben alle anderen Geschäfte bis ins neue Jahr hinein geschlossen.

Von Rolf Barkhorn