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Bad Doberan 800-Jahr-Feier: Kamin reist ins Mittelalter
Mecklenburg Bad Doberan 800-Jahr-Feier: Kamin reist ins Mittelalter
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06:00 09.07.2019
Der Kaminer Peter Hameister freut sich auf das Mittelalterfest zur 800-Jahr-Feier des Dorfes. Quelle: Sabine Hügelland
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Kamin

Das Mittelalter ist los in Kamin, das sich nahe Moitin in die Natur einschmiegt. Im Jahr 1219 wird Kamin erstmals erwähnt und das gibt nun Anlass, am 13. und 14. Juli zu feiern. „Wir laden zu einem Mittelalterfest in unser Dorf“, macht Mitorganisator Peter Hameister neugierig.

Auf der Wiese vor dem ehemaligen Jugendclub und von Neubukow kommend auf der linken Seite Ortseingang, wird an diesen beiden Tagen die Zeit bildlich gesehen zurückgedreht. Es wird Wildschwein am Spieß geben, Brot nach mittelalterlicher Art gebacken und zu erleben geben, was diese Zeit so ausmachte.

Bogenschießen und Schaukämpfe

Dazu zählt auch eine Taverne mit Met, Musik und Gaukelei. Für Kinder wird Bogenschießen angeboten. Die Erwachsenen können sich im Axtwerfen messen. „Schaukämpfe und Waffenschau finden ebenfalls statt“, so Hameister. Er selbst weiß noch nicht, zu welchem Kostüm er greifen wird, denn zuvor ziehen die Einwohner, mittelalterlich gekleidet, durch den Ort, der um die 100 Einwohner zählt.

Zum Fest sind alle eingeladen, die Lust dazu haben, auch Urlauber und natürlich gern auch Anwohner aus den umliegenden Dörfern. Durchgeführt wird es von einem aus der Region: Uwe Schirm aus Hinter Bollhagen ist Organisator von Mittelaltermärkten. „Wir, die Teilnehmer, sind wie eine riesengroße Familie.“ Den Gästen möchte er so authentisch wie möglich das Mittelalter nahebringen. „Unser Dank geht an die Gemeinde und die vielen Sponsoren, die das möglich machten“, betont Peter Hameister.

Älteste Bewohner sind Ulrich und Eugenie Hameister

Seine Eltern sind die ältesten Bewohner des Dorfes. Ulrich bringt es auf 95 Jahre und seine Frau Eugenie 93. Inzwischen sind beide 72 Jahre lang verheiratet. Das Haus, in dem Peter Hameister lebt, baute 1953 sein Großvater Hermann Hameister, ein Büdner und Zimmerman.

„Ich bin hier geboren, zur Schule gegangen wie auch mein Vater und Großvater“, sagt der 66-Jährige. Er lernte im Überseehafen und lebte daher einige Zeit nicht in Kamin. „1994 kam ich wieder her.“ Peter Hameister ist auch DJ und legt gelegentlich bei privaten Feiern auf. Ihm liegt Kamin sehr am Herzen, mit dem er sich durch seine Vorfahren verbunden fühlt.

Ortsname hat slawischen Ursprung

Kamin gehörte 1219 zum Amte Bukow und dem Kirchspiel Alt Karin. Die Ersterwähnung durch „Heinrich Borwin, Fürst von Mecklenburg gegründet und bewidmet das Kloster Sonnenkamp (Neukloster)“, steht es in der Urkunde. Der Ortsname Kamin ist slawischen Ursprungs. Er leitet sich vermutlich vom Wort Kamien – was ‚Stein‘ bedeutet – ab.

Das Dorf gehört zur Gemeinde Carinerland, die am 15. März 2004 aus den vormals eigenständigen Gemeinden Kamin, Karin, Krempin und Ravensberg gebildet wurde. 1747 wird ein Schulgehöft mit Umbauten erwähnt. Klassenräume kamen 1952 in die Scheune des Schulgebäudes. 1959 erhielt Kamin einen Schulhort mit Speisung.

1965 erfolgte der Neubau eines Schulhorts und eines Kindergartens mit moderner Einrichtung. Bis Ende 1963 konnten die Kinder bis zur zehnten Klasse in der Schule Unterricht erhalten, danach nur bis zur vierten, später nur noch erste und zweite Klasse. 1980 wurde die Schule geschlossen.

Zwei Gaststätten, Bäcker und Friseur gab es früher im Ort

1930 gab es 142 Einwohner in Kamin. Zu ihnen zählten auch neun Erbpächter, sieben Büdner, zwölf Häusler, zwei Krüger, ein Bäcker, ein Friseur, zwei Maurer, zwei Schmiede, ein Schuster, drei Gastarbeiter, zwei Straßenmeister, ein Dorfschulze und ein Lehrer. „Noch in den 50er Jahren hatten wir zwei Gaststätten – Schwarck und Mann –, einen Bäcker, Friseur, den Schneider Medlin, den Gärtner Marzahl und Schumacher Bobsin hier“, sagt Peter Hameister.

Die Verkaufsstelle in Kamin wurde in den 70er Jahren gebaut, blieb bis 1990 in Betrieb und schloss aus wirtschaftlichen Gründen. 80 Prozent der Einwohner arbeiteten zur DDR-Zeit im Ort, vor allem in der Landwirtschaft. Nach der Wende gingen die Arbeitsplätze verloren. Mittlerweile sind wieder alle Häuser im Dorf bewohnt. „Viele standen lange leer, weil die Inhaber verstarben“, so Hameister.

„Nun hoffe ich, dass alle Freude daran haben, das 800. Jubiläum von Kamin mittelalterlich zu begehen“, sagt er. „Wir würden uns sehr freuen, wenn das Fest auch eins für Gäste der Region würde, denn wir haben viel Herzblut reingesteckt.“

Sabine Hügelland

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