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Bad Doberan A-20-Chaos: Rostocker Seehafen fürchtet Einbußen
Mecklenburg Bad Doberan A-20-Chaos: Rostocker Seehafen fürchtet Einbußen
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00:00 11.10.2017
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Rostock

Das Chaos auf den Straßen im Land – es wird auch für die Wirtschaft in der Hansestadt zum Problem: Rostock Port, Betreiber des größten Hafen des Landes, fürchtet bereits Umschlageinbußen – weil der Seehafen immer schlechter zu erreichen ist. Vor allem die überraschende Sperrung der A 20 bei Tribsees bereitet den Verantwortlichen Kopfzerbrechen: „Eine Vollsperrung der Autobahn wäre für uns eine Katastrophe. Das hätte schwerwiegende Folgen für den gesamten Hafen“, warnt Gernot Tesch, Geschäftsführer des Hafenbetreibers.

„So weit darf es nicht kommen.“

Dass die Fahrbahn der wichtigsten Ost-West-Verbindung in MV bei Tribsees metertief abgesackt ist und zumindest gen Westen gesperrt werden muss – Tesch hat davon aus den Medien erfahren: „In welchem Maße sich das auf den Seehafen auswirken wird, können wir noch nicht einschätzen. Aber wir gehen davon aus, dass die Sperrung sich vor allem auf das Fährgeschäft und den Getreide-Umschlag negativ auswirken wird.“ Denn: Seit Scandlines auf der Route nach Gedser die neuen Fähren einsetzt, sei es gelungen, viel Verkehr aus Polen nach Rostock zu holen. „Viele Speditionen aus dem Westen des Nachbarlandes nutzen die Verbindung, um schnell nach Dänemark und Skandinavien zu kommen. Für die sind Sperrungen auf der A 20 ein echtes Problem.“ Das bestätigt auch Scandlines: „Polen ist für uns ein wichtiger Markt“, sagt Reederei-Sprecherin Anette Ustrup Svendsen. Am Tag nach der Sperrung habe es noch keine Auswirkungen gegeben: „Bisher waren alle Speditionen pünktlich im Hafen und auf den Fähren. Aber wir wissen nicht, wie sich die Lage in den kommenden Tagen und Wochen entwickeln wird.“

„Die A 20 ist zur Lebensader des Straßenverkehrs entlang der Küste geworden und für die Ost-West- Verbindungen in unserem Land unverzichtbar“, sagt Rostocks Ordnungssenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD). „Die jetzt leider notwendige Sperrung wird nicht nur die Zu- und Abfahrten unserer Häfen beeinträchtigen. Die B 105 östlich von Rostock wird damit weiter zum Nadelöhr werden.“

Besorgt ist deshalb auch Johannes Hänschke, Prokurist bei der Euroports Getreide Service GmbH. Ein großer Teil des Getreides, das von Rostock verschifft wird, stammt aus dem Osten des Landes – und auch aus den Nachbarstaaten. „Natürlich bedeuten die Probleme an der Autobahn Einschränkungen für uns und unsere Kunden.“ Zumal auch die beiden möglichen Ausweichstrecken für die A 20 – die B

105 in Richtung Ribnitz-Damgarten und die B 110 nach Sanitz – derzeit wegen Bauarbeiten gesperrt seien. Beziffern kann Hänschke das noch nicht. „Im Notfall disponieren die Kunden aber um, holen sich dann ihr Getreide aus dem Westen.“

Rostock Port hat für die kommenden Tage Krisengespräche im Hafen angesetzt: „Wir werden die Lage dann neu bewerten müssen“, sagt Hafen-Chef Tesch. Wichtiger noch als die A 20 sei für den Hafen die A 19. „Doch auch dort wird an der Petersdorfer Brücke gebaut, auch dort gibt es Behinderungen für den Warenverkehr.“ Wenn die Lage auf den Straßen sich nicht bald entspanne, bedeute das einen klaren Nachteil im harten Konkurrenzkampf der Häfen: „Wir brauchen gute Straßenanbindungen, um wettbewerbsfähig zu sein.“ Für Tesch kommt deshalb eine Vollsperrung der A 20 – möglicherweise über Monate oder gar Jahre – nicht in Frage: Bund und Land seien dann in der Pflicht, eine provisorische Umgehung zu schaffen. „Dann muss im Zweifel eine Behelfsbrücke über das Trebeltal gebaut werden.

Anders geht es nicht.“ Das sieht auch Rolf Kroeger als Präsident vom Landesverband des Verkehrsgewerbes MV so.

Die Hinterlandanbindungen sowohl in Nord-Süd- als auch in Ost-West-Richtung seien für den Hafen elementar. „Da können Anteile im Güterverkehr verloren gehen“, fürchtet Kroeger. Die vielen Baustellen brächten die Branche aktuell in eine schwierige Situation. Die Auswirkungen der A 20-Sperrung bekommt der Rostocker Spediteuer Stephan Gustke eher am Rande mit: „Das ist für uns im Nahverkehr nicht so spürbar.“ Viel stärker wirken sich da die Arbeiten an der Perersdorfer Brücke und die Sperrungen der Bundesstraßen rund um die Hansestadt aus, speziell die der B 105 in Richtung Rövershagen. „Da sind die Fahrzeuge eine Stunde länger als üblich unterwegs“, sagt Gustke. Jede zusätzliche Stunde koste 50 bis 60 Euro. Um die Kunden wie gewohnt beliefern zu können, müssten zum Teil zusätzliche Wagen fahren. Stephan Gustke weiß trotz aller Probleme für sein Unternehmen um die Notwendigkeit, die Straßen vernünftig in Schuss zu halten und dazu gehörten eben Bauarbeiten.

Thomas Niebuhr und Andreas Meyer

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