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Bad Doberan Bad Doberaner Schüler lernen mit Sokrates und Athene
Mecklenburg Bad Doberan Bad Doberaner Schüler lernen mit Sokrates und Athene
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18:01 20.11.2019
Die Lehrerin Ulrike Naß (v.l.), die Göttin Athene, Schülerin Emily Haensch und Philosoph Sokrates sprechen dieselbe Sprache: Griechisch. Quelle: Cora Meyer
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Bad Doberan

Das Auto, die Demokratie und der Chirurg haben eines gemeinsam: Sie alle lassen sich aus dem Griechischen herleiten. „Die Sprache ist sehr vielfältig“, sagt Emily Haensch. Die Zwölftklässlerin am Friderico-Francisceum in Bad Doberan lernt Griechisch in der Schule. Vor Kurzem durfte sie mit ihrer Mitschülerin Michèle Ehlert und Lehrerin Ulrike Naß nach Griechenland reisen.

„Wir haben an einem Wettbewerb der griechischen Botschaft teilgenommen“, sagt die Schülerin. „Die Aufgabe war es, Werbung für das Fach Griechisch zu machen.“ Gemeinsam haben die Mädchen eine Präsentation erstellt, in der sie zeigen, „welche Kompetenzen man durch das Fach erreichen kann.“ So sei Griechisch beispielsweise in Mathematik, Philosophie und Dramatik hilfreich. Mit ihrem Projekt gewannen die beiden Mädchen den ersten Preis: Sie durften mit ihrer Lehrerin eine Woche nach Athen fahren. Mit dabei waren auch drei Schüler vom Fridericianum in Schwerin. „Die Jury konnte sich nicht entscheiden, wer besser war“, sagt Emily Haensch. „Deshalb durften wir alle fünf fahren.“

Die jungen Leute besuchten unter anderem die Akropolis, die römische und griechische Agora und ein Musikinstrumentenmuseum. „Das war sehr eindrucksvoll“, sagt Emily Haensch. Beeindruckt hat sie auch eine junge Griechin, die sie dort kennen lernten: Anna. „Sie sprach fantastisch Deutsch und hat uns viel über Griechenland erzählt.“ Auf griechisch konnten sie sich allerdings nicht unterhalten: Das Altgriechisch, das die Schüler lernen, hat mit der aktuellen Sprache nur noch entfernt zu tun.

Alte Sprachen im Profil

Seit über 3000 Jahren wird Griechisch gesprochen, seit vier Jahren auch am Friderico-Francisceum in Bad Doberan. „Seit 2016/2017 sind wir Profilschule für humanistische Bildung“, sagt Lehrerin Ulrike Naß. Insgesamt vier gibt es davon in Mecklenburg-Vorpommern. Außer in Schwerin wird Griechisch noch in Neustrelitz und Greifswald unterrichtet.

Die Klassen in Bad Doberan sind klein. Momentan lernen in der 8. und 9. Klasse jeweils vier Schüler und in der zehnten zwei. „Dadurch, dass es so wenig Schüler sind, können wir sehr individuell arbeiten“, sagt Ulrike Naß, die außerdem Latein und Englisch unterrichtet. Neben der Sprache müssen die Schüler zunächst einmal die griechischen Buchstaben lernen. „Am Anfang ist das wie in der ersten Klasse.“ Später lesen sie im Unterricht altgriechische Texte. „Die Buchstaben selbst gingen relativ schnell rein“, sagt Emily Haensch. „Aber das Vorlesen in Versform fällt mir schwer. Da werden viele unterschiedlich betont.“ Kurzzeitig hatte sie überlegt, Griechisch als Prüfungsfach zu wählen, sich dann aber eines besseren belehren lassen: Es ist verdammt schwer, das muss man sagen.“

Mit Gleichgesinnten im Altertums-Camp

Griechisch ist am Friderico-Francisceum eine ganz normale Fremdsprache. „Wir mache Exkursionen und arbeiten fächerübergreifend“, sagt Ulrike Naß. Sie entdeckte ihre Liebe für das Griechische während des Lateinstudiums. „Da habe ich mich entschlossen, es als drittes Fach zu machen.“ Nach dem Studium in Rostock kehrte sie als Lehrerin an ihre alte Schule zurück und machte sich auf die Suche nach Griechisch-Schülern. „Unsere Klasse war die erste, die Frau Naß angesprochen hat“, sagt Emily Haensch. Die heutige Zwölftklässlerin war sofort dabei. „Die Sprache ist für meinen Berufswunsch förderlich: Altertumswissenschaftlerin.“

Die Griechisch-Schüler aller Profilschulen in Mecklenburg-Vorpommern treffen sich regelmäßig zum „Altertums-Camp“. In diesem Jahr soll es in Neustrelitz stattfinden. „Wir wollen das Alltagsleben und die griechische Komödie in den Fokus rücken“, sagt Ulrike Naß. An diesem Wochenende, sagt Emily Haensch, bemerke sie: „So verrückt bin ich gar nicht, dass ich mich für Griechisch entschieden habe.“

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Von Cora Meyer

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