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Bad Doberan Anwohner beklagen: Kröpeliner Strandstraße ist zu gefährlich
Mecklenburg Bad Doberan

Anwohner beklagen: Kröpeliner Strandstraße ist zu gefährlich

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12:09 12.08.2020
Sind um ihre Sicherheit besorgt: die Anwohner (v. l.) Alexander Böhnke mit Gabriel, Hans-Joachim Davids, Heinz Dinse, Rainer Bockholt und Kirsten Staff an der Kröpeliner Strandstraße Quelle: Henrietta Hartl
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Kröpelin

Auf dem schmalen Gehweg an der Kröpeliner Strandstraße entlangzulaufen, kann ziemlich Nerven kosten. Der riesige Außenspiegel eines Lastwagens zischt in Kopfhöhe vorbei, starker Fahrtwind zerrt an der Kleidung. Die Strandstraße ist Teil der Landstraße 11, und hier führen die Navis die Urlauber von der A 20 hoch nach Kühlungsborn und Rerik. Außerdem gibt es eine Menge lokalen Traktor- und Lastwagenverkehr.

So beherrschen von frühmorgens bis spät in die Nacht Lärm, Schmutz und gefährliche Geschwindigkeiten das Leben der Anwohner vor allem im nördlichen Teil. Dort geht es bergab geradeaus in den Ort – „da hält sich kaum einer an die 50“, ist die Erfahrung von Rainer Bockholt.

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Leider würde auch von den lokalen Unternehmen die vorhandene Umgehungsstraße oft nicht genutzt. Hans-Joachim Davids erinnert sich traurig: „Vor zwei Jahren haben sie mir hier meinen Hund totgefahren.“ Gegen einen viel zu schnell fahrenden Lastwagen hatte der kleine Vierbeiner keine Chance. „Der Gehweg ist ja so schmal, man macht die Haustür auf und steht fast schon mittendrin im Verkehr“, meint Rainer Bockholt.

Sogwirkung durch schnelle Lkw

Alexander Böhnke und Kirsten Staff sind vor fünf Jahren hierhergezogen. Sie haben vor allem Angst um ihren zweijährigen Sohn Gabriel. Die Eltern müssen immer die Haustür abschließen, weil er sie inzwischen sonst aufmachen kann. Draußen müssen sie aufpassen, dass der muntere Kleine keinen Schritt vorausläuft. Durch die oft mit hohem Tempo durchdonnernden riesigen Lastwagen und Traktoren entsteht eine gefährliche Sogwirkung. „Wenn ich Gabriel zur Kita bringe, muss ich immer darauf schauen, dass ich auf der Straßenseite bleibe, damit es ihn nicht mitreißt“, erklärt Böhnke.

Die Anwohner sorgen sich auch um die Sicherheit der Kinder an der Bushaltestelle direkt an der Straße, die sich zu Schulzeiten hier morgens drängeln. Heinz Dinse ist hier geboren und aufgewachsen. Über die vergangenen Jahrzehnte hat der 65-Jährige beobachtet: „Der Verkehr ist viel mehr geworden, die Fahrzeuge sind größer und fahren auch viel schneller.“ Früher seien zum Beispiel Traktoren deutlich kleiner und langsamer gewesen.

Schallschutzfenster bringen kaum Besserung

Praktisch alle Anwohner in diesem Teil der Strandstraße haben Schallschutzfenster eingebaut, die sie selbst an heißen Sommertagen nicht öffnen können. Und sie müssen mit dem Schmutz leben, den vor allem landwirtschaftlicher Verkehr hier ständig vor ihrer Haustür hinterlässt. Für dessen Beseitigung sind die Anwohner verantwortlich.

Kirsten Staff ärgert sich, dass die Stadt schnell dabei sei, hierfür Mahnungen zu verschicken. Dabei werden die Säuberungen durch den vorbeidonnernden Verkehr zur gefährlichen Angelegenheit. In ihrer Verzweiflung haben die Anwohner schon versucht, während der Säuberungsarbeiten am Straßenrand ihr Auto mit angeschalteter Warnblinkanlage neben sich zu stellen, um sich so zu schützen. Doch das dürfen sie nicht, deshalb kam da die Polizei.

Die Anwohner versuchen seit Jahren, eine Besserung der Situation zu erreichen. 2016 begannen sie mit Unterstützung mehrerer regionaler Grünen-Politiker eine Kampagne für Tempo 30, ein Jahr später überreichten sie Bürgermeister Thomas Gutteck eine Liste mit 360 Unterschriften hierzu. Doch die Kommune ist gar nicht zuständig, da es sich um eine Landesstraße handelt.

Verkehrsinseln durch begrenzten Raum nicht möglich

Kathrein Gohr, Sachgebietsleiterin Instandsetzung Bundes- und Landesstraßen beim Straßenbauamt Stralsund, kennt die Probleme in der Kröpeliner Strandstraße. Sie erklärt, dass verkehrsberuhigende Maßnahmen wie Verkehrsinseln durch den begrenzten Raum zwischen den Häuserzeilen nicht möglich seien. Sie hat jedoch einen Rat: „Sinnvoll wäre, wenn die Stadt einen Lärmaktionsplan erstellen lässt, so dass sämtliche Punkte in Bezug auf Lärmschutz für die Anwohner umfassend untersucht werden. In diesem Rahmen werden schalltechnische Untersuchungen veranlasst und ermittelt, welche Schallimmissionen aufgrund der tatsächlichen Verkehre bei Tag und Nacht auftreten und welche Verbesserungen durch die Reduzierung der Geschwindigkeit erreicht werden können.“

Bei einem positiven Ergebnis könnte die Straßenverkehrsbehörde des Landkreises Rostock auf dieser Grundlage eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h anordnen, so Gohr: „Für die Installation und den Unterhalt von Blitzern ist dann nicht das Straßenbauamt, sondern der Landkreis zuständig.“ Vielleicht kommt man so ja dem Wunsch der geplagten Anwohner näher, den Rainer Bockholt benennt: „Wir wollen mehr Sicherheit und Wohnqualität für unsere Straße.“

Von Henrietta Hartl