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Bad Doberan Neubukow: Sechsjähriger darf nicht auf seine Wunschschule
Mecklenburg Bad Doberan Neubukow: Sechsjähriger darf nicht auf seine Wunschschule
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13:53 24.06.2019
Nadine und Michael Kern aus Steinhagen mit ihren Kindern und Hündchen Daisy. Quelle: Thomas Hoppe
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Neubukow

„Liebes OZ-Team, wir haben Probleme mit der Einschulung unseres Sohnes“, meldete sich dieser Tage Familie Kern aus Steinhagen und erläuterte ihren Fall.

Da die Kerns bis vor etwa zwei Jahren nahe Neuburg wohnten, geht dort ihre heute zehnjährige Tochter in die Schule am Rietberg und der Sohn hat in derweil „stark ausgeprägte persönliche Bindungen“ zu seinen Kindergarten-Freunden in Neuburg entwickelt. Im August ist der Sechsjährige Abc-Schütze und möchte dann auf seinen Wunsch hin, auf Wunsch seiner Schwester („Es besteht eine stark ausgeprägte familiäre Bindung“) und auch nach den Vorstellungen seiner Eltern, ebenfalls in die Neuburger Grundschule gehen.

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Grundschule „Am Hellbach“ ist zuständig

„Wir als Eltern sind in erster Linie bestrebt, dem Wunsch unseres Sohnes zu entsprechen, dort zur Schule gehen zu dürfen, wo er sich wohlfühlt“, schrieben Nadine und Michael Kern an Neubukows Bürgermeister Roland Dethloff (parteilos). Denn die für die Steinhäger „örtlich zuständige Schule“ ist die Grundschule „Am Hellbach“ in der Schliemannstadt. Deshalb schickten die Kerns einen Antrag an den zuständigen Schulträger, die Stadt Neubukow, dass ihr Sohn trotzdem in der „nicht ortszuständigen“ Neuburger Grundschule, im Kreis Nordwestmecklenburg, in die 1. Klasse starten darf.

Sie begründeten das unter anderem damit, dass sonst ihr Kind „aus seinem langjährigen sozialen Umfeld gerissen“ würde, dass der Schulweg nach Neuburg um 3,2 Kilometer kürzer sei, ihr Sohn nicht bis zur Abfahrt des Schulbusses um 13.30 Uhr in den Hort gehen müsse: Insgesamt zwei Stunden und 35 Minuten würde der Junge sonst „unnötigerweise nach der Schule im Hort und auf dem Heimweg verbringen“. Seine Eltern wollen ihn lieber gemeinsam mit seiner Schwester zur Neuburger Schule bringen und dort auch wieder abholen.

Stadt weist Antrag zurück

Aber ihr Antrag wurde abgelehnt, ihr erster Widerspruch wegen eines Formfehlers zurückgewiesen. „Wir haben schon gekämpft. Wir mussten damit zum Anwalt“, sagt Nadine Kern – die 35-Jährige ist derzeit arbeitslos.

Die Stadt Neubukow hatte dem Antrag der Kerns vom 6. Juni nicht stattgegeben, da „nach Prüfung und Abwägung“ der von ihnen vorgebrachten Gründe „keine Ausnahmesituation“ nach Paragraf 46 Absatz 3 des Landesschulgesetzes vorliege, die den Besuch der örtlich zuständigen Schule als „unverhältnismäßig“ erscheinen lasse, wie es in einem zweiseitigen Antwortschreiben vom 12. Juni zusammenfassend heißt. „Es liegt nur am Geld“, meint dazu Michael Kern enttäuscht – der 41-Jährige ist Rentner.

„Es geht hier nicht darum, was etwas kostet, es geht hier um Grundsätzliches“, reagiert Neubukows Bürgermeister Roland Dethloff gegenüber der OZ. „Der Schuleinzugsbereich ist festgelegt – danach hat die Stadt zu verfahren“, betont der Rathauschef weiter und ergänzt: „Dabei gibt es auch Ausnahmetatbestände, wenn diese erfüllt sind, lässt man das Kind ziehen. Doch solche Tatbestände, so sieht es auch das Bildungsministerium, liegen hier nicht vor. Das tut mir leid, denn ich kann das Anliegen der Familie verstehen.“ Es könne jedoch nicht ein Kind vorziehen, wenn das vier anderen in ähnlichen Fällen auch nicht zugestanden wurde.

Ausnahmen wären möglich

In besagtem Absatz 3 des Schulgesetzparagrafen 46 werden drei Gründe aufgeführt, die dem Träger einer zuständigen Schule ermöglichen, den Besuch einer anderen Grundschule zu gestatten: Wenn die zuständige Schule aufgrund der Verkehrsverhältnisse nur unter erheblichen Schwierigkeiten zu erreichen ist, wenn der Besuch einer anderen Schule die Förderung spezieller Interessen oder Fähigkeiten erheblich erleichtern würde oder wenn besondere soziale Umstände vorliegen.

Thomas Hoppe

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