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Bad Doberan Ausstellung in Rerik behandelt Flucht von Sklaven
Mecklenburg Bad Doberan Ausstellung in Rerik behandelt Flucht von Sklaven
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12:00 30.03.2019
Sabine Tunn erarbeitete eine umfangreiche Ausstellung über die Entwicklung von Kägsdorf, die im Reriker Heimatmuseum ab Ende März zu sehen sein wird. Quelle: Sabine Hügelland
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Kägsdorf

Das Thema packte sie so sehr, dass sich Sabine Tunn selbst auf den Weg machte und die Route mit dem Rad abfuhr. Die Flucht der Leibeigenen aus Kägsdorf im Jahr 1781 ist vom Thema her ihre Lieblingstafel in ihrer neuen Ausstellung. Sie wird am Sonntag, 31. März, um 15 Uhr im Reriker Heimatmuseum eröffnet. Die Medizinerin Sabine Tunn schildert unter anderem die Suche nach den Geflohenen, denn das wurde damals dokumentiert. 26 Schautafeln zum Thema „Das Leben in Kägsdorf“ und Porträts der Gutsbesitzer sind zu sehen.

Es handelt sich um eine Exposition mit drei Unterthemen, die die gesamte Entwicklung beleuchten. Dennoch dürfte die Geschichtsreise genauso spannend für Nicht-Kägsdorfer sein. Sabine Tunn wollte erfahren, wie das war, die Angst im Nacken, stets wissend, dass nach einem gesucht wird. So fuhr sie die Fluchtroute der Leibeigenen im vergangenem Jahr mit den Fahrrad ab. „Ich versuchte, anhand einer alten Karte nachzuvollziehen, wo sie entlang gegangen sein könnten“, sagt die 65-Jährige. Um die 120 Kilometer fuhr sie bis nach Lübeck, zum Teil auf Hohlwegen mitten durch den Sand. Zwei der sechs Geflohenen wurden damals gefasst. Was aus ihnen wurde ist nicht bekannt.

Dorfchronistin investierte Monate

Sabine Tunn brachte bereits vor zwei Jahren mit Klaus-Werner von Pape eine sehr umfangreich recherchierte Dorf-Chronik über Kägsdorf heraus. Einiges daraus ist nun auf den Tafeln nachvollziehbar. Jedoch recherchiert sie bis heute weiter und konnte Neues entdecken. Wie unter anderem zum Thema „Leben, Arbeiten und Feiern“, wo Fotos der 700-Jahrfeier des Dorfes zu sehen sind. Vergilbt wie eine alte Zeitung, mit blassrosa Titelschrift, sind einige der Tafeln – wie auch die über die Leibeigenschaft. Andere sind weiß oder in hellerem Sepia gehalten.

Mehrere Monate Arbeit steckt in der Vorbereitung zur Ausstellung, im denen Sabine Tunn auch Neues über sich und den Computer lernte, denn sie arbeitete ohne Grafiker und entwickelte alles selbst. Gedruckt wurden die Plakate in Bad Doberan. Sabine Tunn stammt aus Niedersachsen, hat jedoch mecklenburgische Wurzeln. Sie lebt jetzt im ehemaligen Gutshaus in Kägsdorf, das im Jahre 1855 von Heinrich Thormann für Friedrich Bobsien entworfen und gebaut wurde. Der Ort ist ein über 700 Jahre altes Bauerndorf und hieß ursprünglich Ketelhodesdorpe.

Ausstellung beginnt in der Steinzeit

Sabine Tunn beginnt ihre geschichtliche Reise in der Ausstellung mit der Steinzeit. Sie selbst fand schon viele versteinerte Seeigel und Austern, die ihren Platz auf dem heimischen Fensterbrett und in Vitrinen haben. Auf einer besonders großen Tafel fasste sie in knappen Worten das Wichtigste zum Thema zusammen und arbeitet es dann ausführlich auf den folgenden aus. So erfahren die Ausstellungs-Besucher unter anderem etwas über die zerstrittenen Gutsherren und die Rübenbahn, wie aus dem Bauernhof eine Gutsanlage wurde und welche Künstler im Gutshaus gastierten.

Karl Ewald Olszewski (1884-1965) war ein bekannter Vogelmaler. Er liebte Kägsdorf und verewigte sich im Gästebuch des Gutshauses mit einer Zeichnung“, sagt sie. Martha Nopitsch (1856-1952) war Mitglied im Altonaer Künstlerverein.“ Natürlich darf auch das Thema „Die Ära der Familie von Bülow 1318 - 1761“ nicht fehlen, denn ihr gehörte 443 Jahre lang das Dorf. Auf der Tafel zum Thema Strandurlaub im Grenzgebiet der DDR, lässt sie die Kühlungsbornerin Autorin und Zeitzeugin Christa Rachow sprechen. „Dazu erhielt ich Fotos von sächsischen Feriengästen, die sich freuten, dass auch über diese Zeit geschrieben wird.“

2004 entdeckten Sabine Tunn – die zweifache Mutter studierte Medizin und Biochemie – und ihr Mann das Gutshaus in Kägsdorf. Nur noch wenige Wohnungen im Haus standen damals zum Verkauf. Bald kam heraus, dass schon ihre Mutter kurzzeitig dort lebte. Sabine Tunn ist jetzt so oft es geht dort und plant, ein Buch zu schreiben, wo sie auf einzelne Kägsdorfer Geschichten näher eingehen möchte.

Sabine Hügelland

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