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Bad Doberan Böden weiterhin unten trocken, oben feucht
Mecklenburg Bad Doberan

Bauern besorgt: Dürre in tiefen Böden hält an, Rohrleitungen veraltet

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17:02 14.02.2020
Rüdiger Barz, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes „Warnow-Beke“ Quelle: Doris Kesselring
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Ziesendorf

Auch wenn es derzeit viel regnet und die Felder nass sind – „alles nur oberflächlich“, winkt Rüdiger Barz, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes (WBV) „Warnow-Beke“, ab, „es sickert nicht ordentlich ab.“ Die Grundwasserspiegel seien längst noch nicht wieder aufgefüllt, „die Böden sind gravierend ausgetrocknet“, so Barz. Das Umweltministerium MV spricht von einer dramatischen Situation: Lediglich der Oberboden bis 25 Zentimeter Tiefe sei durch den Regen der letzten Tage durchfeuchtet. „Deutlich dramatischer sieht es im Gesamtboden bei etwa 1,8 Meter Tiefe aus: Hier liegen nach wie vor verbreitet extrem trockene Verhältnisse und in einigen Landesteilen sogar eine extreme bis ungewöhnliche Dürre vor“, erklärt Edgar Offel von der Pressestelle des Ministeriums.

Auch der nächste Sommer verspricht Dürre

Der Dürremonitor Deutschland bescheinigt dem Gesamtboden im Landkreis Rostock in der Tiefe moderate und schwere Dürre, zwischen Satow und Güstrow sogar extreme bis außergewöhnliche Dürre. „Unterstrichen wird die dramatische Situation auch von den Zahlen des Lysimeters Groß Lüsewitz“, erklärt Offel, hier sei im vergangenen hydrologischen Jahr (November 2018 bis Oktober 2019) lediglich eine Versickerung von vier statt 199 Millimetern als langjähriges Mittel festgestellt worden. „Das bedeutet, dass die Grundwasserneubildung hier in diesem Zeitraum fast vollständig ausfiel“, sagt Offel.

Der jüngste hydrologische Bericht des Landes vom 31. Januar geht davon aus, dass durch die nach wie vor viel zu hohen Temperaturen (Januar fast vier Grad Celsius mehr als normal) die Vegetationsperiode viel zu früh einsetzt und es dadurch wiederum kaum zu einer Grundwasserneubildung in diesem Winter käme. „Da sich viele Gewässer in MV aus dem Grundwasser speisen, ist auch für den nächsten Sommer mit deutlichen Problemen zu rechnen“, warnt der Bericht.

Eine schlechte Prognose für die Landwirte, die umso mehr darauf drängen, dass die Wassersysteme funktionieren: Gräben, Bäche, Kanäle – ober- wie unterirdisch. In den nächsten Wochen laden die Wasser- und Bodenverbände Anlieger, Nutzer und Eigentümer wieder zu den alljährlichen Gewässerschauen. Ziel der Begehungen ist es, den Zustand von Gewässern und wasserbaulichen Anlagen zu erkunden und kurz- und langfristige Unterhaltungsmaßnahmen festzulegen.

Gewässerschauen rund um Rostock

Der Wasser- und Bodenverband (WBV) „Warnow-Beke“ startet am 18. Februar mit den Gewässerschauen. Treff für den ersten Schaubereich ist um 8 Uhr am Verwaltungsgebäude in Satow, Heller Weg 2a. Weitere Termine unter wbv-warnow-beke.de.

Am 25. Februar findet die erste Begehung des WBV Hellbach – Conventer Niederung“ statt, um 9 Uhr ab Schöpfwerk Conventer Niederung. Alle anderen Termine bis zum 30. März unter wbv-helbach.de.

Der WBV „Untere Warnow –Küste“ führt die öffentlichen Gewässerschauen vom 2. bis 31. März. Zur ersten Begehung im Schaubezirk Rostock West mit Elmenhorst, Lambrechtshagen, Bargeshagen treffen sich die Teilnehmer am 2. März, 8 Uhr, am Parkplatz an der Wetterstation Warnemünde. Info unter wbv-untere-warnow-kueste.de.

Durch das jüngste Sturmtief haben sich Gräben und Bäche gut gefüllt. „45 Liter Wasser pro Quadratmeter in 48 Stunden, die Regenmassen müssen erst mal irgendwohin“, sagt Landwirt Thorsten von Hollen, der in Prisannewitz rund 2000 Hektar hauptsächlich Ackerland bewirtschaftet. Die Zarnow, ein Bach zur Warnow, ziehe sich diagonal durchs Betriebsgelände und stehe derzeit voll unter Wasser. Ein Großteil der Gewässerflächen sei vor sechs Wochen mit einem Mähboot beräumt worden. „Sonst wäre der Wasserstand wohl 20, 30 Zentimeter höher“, vermutet von Hollen, selbst im Vorstand des WBV „Untere Warnow – Küste“ aktiv. Die Unterhaltung und Kontrolle der Wasseranlagen sei äußerst wichtig, für Landwirte, aber auch für die Eigentümer, die Kommunen, die dafür sorgen müssen, dass der Wasserabfluss immer gegeben ist.

Verbände setzen auf Kamerabilder aus den tiefen Rohren

der Die Verbandsgebiete sind groß. Für 65 000 Hektar im Großraum Rostock bis an die Grenzen von Ribnitz-Damgarten und Schwaan ist der WBV „Untere Warnow-Küste“ zuständig. Von rund 950 Kilometern Gewässer sind 250 Kilometer durch Wiesen und Felder verrohrt. Die alten Leitungen aus Kunststoff oder Beton stammen zumeist noch aus DDR-Zeiten, sind um die 50 Jahre alt und aufgrund dessen immer für Überraschungen gut. „Kommt es zu Bruchstellen in der Leitung und dann zu einem Einbruch auf dem Acker, stehen schnell mal 30 bis 50 Hektar Land unter Wasser“, beschreibt Landwirt von Hollen. Es sei höchste Zeit, Leitungen zu erneuern, Systeme zu erweitern.

Heike Just, Geschäftsführerin Wasser- und Bodenverband „Untere Warnow-Küste“ Quelle: DBR

„Wir wollen bis 2024 ein Konzept zur Erneuerung der Verrohrung erarbeiten“, sagt Heike Just, Geschäftsführerin des WBV „Untere Warnow-Küste“, „einen 50-Jahre-Plan“. Dazu müssten zunächst 1200 Ordner mit Bestandsdaten digital eingepflegt werden. Ein Riesenaufwand für den der WBV beim Land einen Förderantrag gestellt hat. „Denn wir könnten unsere Ergebnisse, eine automatisierte Maske, dann auch anderen Verbänden zur Verfügung stellen“, erklärt Just, die in Absprache mit ihren Amtskollegen eine Arbeitsgruppe Rohrleitung gegründet hat.

Nur so könne der Investitionsstau unter der Erde planmäßig abgearbeitet werden. Der beläuft sich in der Großgemeinde Dummerstorf nach Angaben von Bürgermeister Axel Wiechmann beispielsweise auf elf Millionen Euro. In Dummerstorf hatte der WBV 2019 damit begonnen, Rohrleitungen, die tiefer als zweieinhalb Meter liegen, mit Kameras zu befahren, um den Zustand festzuhalten. „2021 werden wir damit auch in den Ämtern Gelbensande und Schwaan beginnen“, kündigt Just an.

Schwachstellen schnell erkennen und beseitigen

Auch der WBV „Warnow-Beke“ setzt verstärkt auf Kamerauntersuchungen. Der Verband ist zuständig für 985 Kilometer Gewässer, davon ist ein Drittel unter der Erde verrohrt. Fünf bis sieben Prozent dieser unterirdischen Leitungen wurden bislang mit Kameras „bereist“. Eine gute Methode, um Schwachstellen zu erkennen. Geschäftsführer Barz nennt das Beispiel eines Landwirtschaftsbetriebes in Ziesendorf. „Hier wurden 950 Meter Rohr kontrolliert. Ein Abschnitt von etwa 40 Metern drohte zusammenzukrachen“, berichtet Barz. In Abstimmung mit dem Landwirt musste die Leitung nur an dieser Stelle erneuert werden. Der Rest ist intakt.

„Sonst reagieren wir immer nur auf Schäden, mit den Kamerabildern können wir aktiv im Vorfeld agieren“, sagt Barz. 30 000 Euro seien 2020 für die Kamerabefahrungen eingestellt worden. Doch der WBV denkt auch an Beitragserhöhung, um mit dieser sich bewährenden Präventivmaßnahme den Leitungszustand im Blick zu haben. Das sei im Interesse aller. „Wir wollen den Stichtag vermeiden, wo alles zusammenbricht“, betont Barz.

Von Doris Deutsch

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