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Bad Doberan Ernte 2020: So gemischt fällt die Bilanz der Bauern in Mecklenburg aus
Mecklenburg Bad Doberan

Bauern in Mecklenburg mit Ernte zufrieden: Mehr Auflagen, weniger Raps

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09:55 14.08.2020
Volker Bredenkamp, Vorsitzender des Bauernverbandes Bad Doberan, hat auf seinem Hof in Bastorf unter anderem Weizen und Triticale, eine Roggen-Weizen-Kreuzung, geerntet.
Volker Bredenkamp, Vorsitzender des Bauernverbandes Bad Doberan, hat auf seinem Hof in Bastorf unter anderem Weizen und Triticale, eine Roggen-Weizen-Kreuzung, geerntet. Quelle: Cora Meyer
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Bastorf

Es ist keine Frage: „Es muss dringend regnen“, sagt Volker Bredenkamp, Vorsitzender des Bauernverbandes Bad Doberan. Dabei denkt er schon an das nächste Jahr. Die diesjährige Ernte sei bei den meisten Landwirten in der Region gerade zu Ende gegangen. Volker Bredenkamp ist mit den Erträgen zufrieden: „Wir haben im Juli mit der Wintergerste begonnen, da waren sie mit 90 Doppelzentnern überdurchschnittlich gut.“

Auch der Ertrag beim Raps sei sehr erfreulich gewesen: „45 Doppelzentner, so viel hatten wir das letzte Mal 2015.“ Auch mit der Weizenernte seien die Landwirte sehr zufrieden. Ebenfalls im Bereich um die 90 Doppelzentner. „Wir haben gutes Wetter gehabt, jetzt darf es regnen“, sagt Volker Bredenkamp. „Denn damit alle Samen auflaufen und auskeimen können brauchen sie Feuchtigkeit.“

Den letzten Tropfen retten

Aber auch auf den Fall, dass kein Regen kommt, müsse man sich vorbereiten. „Deshalb werden gerade die Stoppeln bearbeitet. Wir schneiden sie ab und tragen die oberste Bodenschicht ab, damit die Kapillaren nicht austrocknen“, sagt der Landwirt. „Denn unter fünf Zentimeter ist noch Feuchtigkeit im Boden und die möchten wir natürlich behalten. Wir können mit dem Restwasser in der Krume die Saat in Gang bekommen. Wir hoffen, dass es reicht.“

Insgesamt sei es ein gutes Jahr gewesen. „Aber wir müssen handeln, sonst geht es auf Dauer nicht“, sagt er. „Die Natur schläft nicht.“ Weil die Verwendung vieler Wirkstoffe und Insektizide inzwischen verboten sei, müssten die Landwirte mehr über die Fruchtfolge, also die Reihenfolge der Getreidearten, die sie auf ihre Felder pflanzen, nachdenken. „Das tun wir ohnehin, aber es wird immer wichtiger. Wir lockern die Fruchtfolge immer mehr auf.“

Rapsanbau geht zurück

So werde etwa Raps nicht mehr alle drei, sondern nur noch alle fünf oder sechs Jahre angebaut. „Es waren früher ökonomische Gründe, Raps hatte mal den höchsten Ertrag“, sagt der Vorsitzende des Bad Doberaner Bauernverbandes. „Das ist heute nicht mehr so. In den letzten Jahren waren die Erträge mager.“ Allerdings habe man wenig Alternativen dazu: „Der Zuckeranbau ist stark zurückgegangen. Es gibt noch die Möglichkeit, Leguminosen anzubauen, etwa Erbsen oder weiße Lupinen. Aber die muss man auch verwerten können.“

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Oft gebe es dafür keinen Markt mehr. Auf Hof Bredenkamp werden beispielsweise Ackerbohnen als Schweinefutter für den Eigenbedarf angebaut. Damit Ersetzen die Bredenkamps Soja.

Keine Wetterextreme

Dass die Ernte trotz der Trockenheit relativ zufriedenstellend ausgefallen sei, läge nach Ansicht von Volker Bredenkamp an der besseren Niederschlagsverteilung. „Es kam immer noch rechtzeitig Regen. Wir hatten Glück.“

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Das sei jedoch nicht überall so gewesen. Beispielsweise in den südlichen und südöstlichen Landesteilen hätten die Landwirte bereits mehrere trockene Jahre hinter sich. „Außerdem hatten wir keine Extremniederschläge wie beispielsweise in Wismar“, sagt der Vorsitzende des Bauernverbandes der Region Bad Doberan. Er betont: „Wir hatten wirklich sehr viel Glück, aber das braucht man mal.“

Erdflöhe und Feuchtigkeit in Nordwestmecklenburg

In Nordwestmecklenburg hat die Ernte mit der Wintergerste begonnen. „Die verlief ganz gut“, sagt Petra Böttcher. „Landwirte hatten teilweise fünf bis zehn Prozent mehr Ertrag im Vergleich zum Vorjahr.“ Wegen der Niederschläge sei die Gerste aber noch sehr feucht gewesen. „Es musste viel getrocknet werden, das ist mit zusätzlichen Kosten verbunden.“ Die Qualität sei aber sehr gut, da war man zufrieden.“

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Beim Raps gab es im Bereich des Bauernverbandes Nordwestmecklenburg sehr große Ertragsunterschiede. „Teilweise waren die Landwirte sehr zufrieden, andernorts hat jedoch der Erdfloh massiv zugeschlagen.“ Bedingt durch den milden Winter hätten sich ungewöhnlich viele Generationen des Schädlings entwickeln können.

Das ist der Bauernverband

Der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern ist flächendeckend in 15 selbstständigen Regionalverbänden organisiert.

Der Bad Doberaner erstreckt sich von Alt Bukow bis hinter Tessin, von Elmenhorst bis kurz vor Schwaan und umfasst auch die Hansestadt Rostock. Der Regionalverband Bad Doberan hatte Ende 2016 130 Mitglieder. Davon sind 94 Landwirte im Haupt- und 21 im Nebenerwerb. Zudem gibt es 15 fördernde Mitglieder.

Vom Rand Lübecks im Westen bis nach Warin im Osten und vom Klützer Winkel im Norden bis zur Stadtgrenze Schwerins im Süden reicht das Gebiet des Kreisbauernverbandes Nordwestmecklenburg. Er ist das größte Mitglied im Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern und hat 267 Mitglieder. Sie bewirtschaften insgesamt 99.812 Hektar Land und 30 840 Großvieheinheiten.

 

„Landwirte berichteten teilweise von bis zu 200 Erdflöhen pro Pflanze.“ Der Floh schädigt die jungen Rapspflanzen im Herbst durch Lochfraß an den Blättern. Seine Larven entwickeln sich im Fruchtfleisch des Stengels und schädigen diesen nachhaltig. Der Erdfloh sei bis vor wenigen Jahren sehr gezielt per Saatgutbeize bekämpft worden, sagt Petra Böttcher. Das sei jetzt jedoch verboten.

Bis Monatsende muss Raps im Boden sein

Wie in der Region Bad Doberan hätten deshalb auch viele Betriebe in Nordwestmecklenburg den Umfang des Rapsanbaus verringert – weil das Risiko von Ertragsausfällen zu groß sei. „Zurzeit ist es zu trocken und zu warm, um Raps zu säen. Aufgrund der Trockenheit würde der Raps sehr verzettelt auflaufen. Bis zum Monatsende sollte jedoch der Raps im Boden sein“, sagt Petra Böttcher.

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In der stabilen Hochdruckwetterphase der vergangenen Woche habe ein Großteil des Weizens trocken und in guter Qualität eingefahren werden können, sagt sie. Die Ernte war insgesamt zufriedenstellend, der Ertrag sei bodenbedingt aber sehr unterschiedlich ausgefallen. „Entscheidend war, insbesondere in der langen Trockenphase im April, die Bodengüte und damit das Wasserhaltevermögen des Bodens.“

Letzte Ernte in MV für viel Brotgetreide?

Ein wichtiges Merkmal bei der Beurteilung der Ernte ist nach Ansicht von Petra Böttcher auch die Qualität. „Nur wenn der Proteingehalt hoch genug ist, erntet man Brotweizen, sonst ist es nur noch Futtergetreide – mit entsprechendem Preisabschlag.“

Das wichtigste Werkzeug im Bezug auf den Proteingehalt des Weizens sei der Stickstoffdünger. Doch dessen Verwendung soll bald begrenzt werden. „Möglicherweise war diese Ernte 2020 die letzte in Mecklenburg-Vorpommern, in der in großem Umfang Brotgetreide geerntet werden konnte“, sagt die Geschäftsführerin des Bauernverbandes Nordwestmecklenburg. „Ab dem 1. Januar 2021 gibt es eine Verschärfung der Nitrat-Richtlinie. Dann dürfen Landwirte ihr Feldfrüchte nur noch mit bis zu 80 Prozent des Bedarfs an Stickstoff düngen. Gerade hier in Nordwestmecklenburg als Hochertragsstandort wird es dann schwierig, Brotweizen zu produzieren.“

Landwirte beklagen zunehmende Auflagen

Die Landwirte haben es zunehmend mit Auflagen und Vorschriften zu tun. „Wir haben immer weniger Mittel, die uns bleiben, und immer mehr Regeln“, sagt Volker Bredenkamp. „Das ist demotivierend, das macht keinen Spaß mehr. Da kann ich verstehen, dass viele an Aufgabe denken und es auch tun“, sagt der Landwirt, der seinen Hof bei Bastorf gerade an seine Tochter und seinen Schwiegersohn übergeben hat.

Das ist auch für Petra Böttcher, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Nordwestmecklenburg, nachvollziehbar: „Selbst in der Ernte stehen Kontrolleure unangemeldet auf dem Hof und kontrollieren die Dokumentation und auch die Felder stundenlang. Wenn Fristen nicht eingehalten wurden, hat das hohe Einbußen zur Folge – da genügt schon eine fehlende Ohrmarke bei einem Kalb.“ Das alles führe zu erheblichem Unmut bei den Landwirten.

„Und wenn dann auch noch die Ernte immer nur schlecht ist“, sagt Volker Bredenkamp, „kann es sein, dass die Lust der Landwirte verloren geht. Dabei ist es der schönste Beruf der Welt.“

Von Cora Meyer