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Bad Doberan Beißende Slogans in der Kunsthalle
Mecklenburg Bad Doberan Beißende Slogans in der Kunsthalle
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12:15 20.05.2019
Hans-Jürgen Winetzka und Cora-Ann Elfeldt diskutieren in der neuen Plakatausstellung „Politische Kunst“ über die Werke von Klaus Staeck. Quelle: Sabine Hügelland
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Kühlungsborn

Provokant und immer noch hochaktuell sind die Plakate der neuen Ausstellung „Politische Kunst“ in der Kühlungsborner Kunsthalle mit Werken von Klaus Staeck, einem deutschen Grafikdesigner, Karikaturisten und Juristen. „Klaus Staeck gilt als der bedeutendste Plakatkünstler Deutschlands“, sagte Kunsthallenchef Franz Norbert Kröger während der Vernissage. Mit seinen Arbeiten rüttelt Staeck noch heute wach, zeigt auf das, was im Argen liegt. „Seine Plakate prägten das visuelle Gedächtnis der alten Bundesrepublik. Staeck überzog die Reichen und Mächtigen mit Witz und Häme, entwarf kritische Plakate mit beißenden Slogans zu Themen wie Umweltverschmutzung, sozialer Ungleichheit oder Machtmissbrauch“, so Kröger.

Zeigt in Kühlungsborn viele ironische, immer noch topaktuelle Plakate: Kunsthallenchef Franz Norbert Kröger. Quelle: E-Mail-OZ-Lokalredaktion-DOB

„Was gehen uns die Malediven an? Dann fahren wir eben wieder nach Spanien“ steht auf einem Plakat. Viele stammen aus den 1970er- bis 1990er-Jahren. „Ich habe bewusst keine Jahresangaben dazu geschrieben, denn sie sind so aktuell wie vor 40 Jahren“, sagte Kröger und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: „Das war die preisgünstigste Ausstellung die ich je hatte – dennoch ist die Wirkung riesig. Gigantisch, was dahinter steckt.“

Kunst mit Feinsinn und viel Ironie

Der heute 81-Jährige Künstler war zur Eröffnung nicht dabei. Es wäre ihm zu beschwerlich geworden, lange Reisen sind ihm nicht mehr angenehm. „Vor zehn Jahren erlebte ich ihn in der Kunsthalle Rostock“, sagte Besucherin Cora-Ann Elfeldt. „Viele verstanden damals die Ironie hinter dem Bild nicht.“ Und meinte das Plakat mit einer Protz-Villa und dem Schriftzug „Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen in Tessin wegnehmen“. Hans-Jürgen Winetzka aus Rabenhorst hatte bereits in der DDR Kontakt zu Staecks Kunst. „Mein Favorit hier ist das Bild ‚Leitkultur‘ mit Alexander Gauland – das ist mir unangenehm bis auf die Knochen“, sagte der Vernissagegast. Zu sehen ist darauf eine Klischeefamilie alter Zeit.

Bissig: Das Plakat „Leitkultur“ mit AfD-Politiker Alexander Gauland. Quelle: E-Mail-OZ-Lokalredaktion-DOB

Klaus Staeck wurde zum engagierten Intellektuellen und Künstler – nicht zu versuchen, die Verhältnisse zu ändern, hält er für strafbar“, sagte Franz Norbert Kröger. „Staecks Kunst, das sind vor allem Plakate, Postkarten, Aufkleber und Multiples. Mit ihnen bezieht er Position – fast jeder Entwurf enthüllt einen Missstand. Er benutzt bekannte Motive aus der Kunstgeschichte oder aus Werbeanzeigen und collagiert sie mit Pressefotos und sarkastischen Slogans zu politischen Aussagen.“

Klaus Staeck erhob das Plakat zur Kunstform. „Viele seiner Arbeiten brannten sich ins kollektive Gedächtnis der alten Bundesrepublik ein“, so Kröger – etwa „Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?“ aus dem Dürer-Jahr 1971. „Es zeigt Dürers Mutter und wurde in Nürnberg anonym plakatiert, als dort eine große Dürer-Gedächtnisausstellung stattfand – zeitgleich zu einem Kongress des Haus- und Grundbesitzervereins.“

In der DDR geboren, politisch engagiert

Klaus Staeck wuchs in der Industriestadt Bitterfeld auf, wo er den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 erlebte. Nach der Flucht aus der DDR kam er 1956 nach Heidelberg und studierte Jura. „Da ich aus der DDR kam, war ich per se der politische Mensch. Ich war jemand, der sich einmischen wollte. Der sich nicht abfindet“, sagte Staeck einmal. Im Jahr 1968 begann die künstlerische Zusammenarbeit mit dem Aktionskünstler Joseph Beuys.

Fünfzehn Jahre später wird er zum Mitgründer der „Aktion für mehr Demokratie“. 2008 wurde ihm das große Bundesverdienstkreuz verliehen. Von April 2006 bis Mai 2015 war er Präsident der Akademie der Künste in Berlin und ist heute ihr Ehrenpräsident.

Die Ausstellung kann noch bis zum 23. Juni in der Kunsthalle besucht werden – Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags, 12 bis 17 Uhr.

Sabine Hügelland

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