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Bad Doberan Bekommt Nienhagen Edeka-Markt?
Mecklenburg Bad Doberan Bekommt Nienhagen Edeka-Markt?
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18:48 07.08.2019
Einzelhandel: In Nienhagen wird über die Ansiedlung eines Edeka-Marktes diskutiert.
Einzelhandel: In Nienhagen wird über die Ansiedlung eines Edeka-Marktes diskutiert. Quelle: Frank Söllner
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Nienhagen

Dass dem Ostseebad Nienhagen ein Supermarkt gut zu Gesicht stehen würde – darüber herrscht bei vielen Einwohnern Einigkeit. Und auch der mögliche Bau einer neuen Mehrzweckhalle ist bereits seit Jahren im Gespräch. Voraussetzung: ein gültiger Bebauungsplan. Diesen hat der Bauausschuss auf seiner Sitzung am Dienstagabend nun mit einem Aufstellungsbeschluss auf den Weg gebracht.

Demnach sollen die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Errichtung von Nahversorgungseinrichtungen südlich der Doberaner Straße mit einer Verkaufsfläche von maximal 2000 Quadratmetern geschaffen werden – insbesondere für einen sogenannten Lebensmittel-Vollsortimenter.

Ebenfalls im Plan: die Errichtung einer Mehrzweckhalle. Über die Empfehlung des Bauausschusses muss die Gemeindevertretung auf ihrer Sitzung am 29. August beraten.

Diskussion um geplanten Kreisverkehr

Dem Beschluss war eine lebhafte Debatte vorausgegangen, in der es vor allem um die verkehrliche Anbindung an den Supermarkt und die Mehrzweckhalle ging. „Wir sollten uns hier zuerst Gedanken über ein städtebauliches Konzept machen“, sagte der Ausschussvorsitzende Haie-Jann Krause. „Wichtig ist die Anbindung an die Landesstraße und hier an den geplanten Kreisel in Höhe Landhaus Brückner.“

„Mein persönlicher Wunsch ist ein Markt mit einem höherwertigen Sortiment wie Edeka oder Rewe, in den ,Tante Emma’ integriert wird.“ Martin Staemmler, Einwohner Quelle: Thomas Hoppe

Denn dass an der Kliffstraße ein Kreisel gebaut werden soll, sei auch ein wesentlicher Bestandteil des im vergangenen Jahr vorgestellten Gemeindeentwicklungskonzeptes, betonte Volker Zielke, Mitarbeiter im Büro für Stadt- und Regionalplanung in Wismar: „Es ist der Wille der Gemeinde, damit eine klar erkennbare Ortseinfahrt zu schaffen – im Moment gibt es hier noch ein Defizit.“

Ein Aspekt, der Projektentwickler Frank Wichmann offenbar nicht ins Konzept passte: „Ich habe eine Vereinbarung mit der Firma Edeka – wenn der Aufstellungsbeschluss für den entsprechenden Bebauungsplan da ist, kann ein Vertrag für einen Lebensmittelmarkt geschlossen werden.“ Das Problem: „Unsere Planungen sehen aktuell keine Zufahrt über einen Kreisverkehr an der Kliffstraße vor“, machte Wichmann deutlich. „Und ich bin auch nicht bereit, einen Kreisverkehr für Edeka zu bauen und zu bezahlen.“

Gemeinde pocht auf Entscheidungsgewalt

Im Übrigen würde eine Kreiselplanung mindestens zwei weitere Jahre in Anspruch nehmen, so Wichmann: „Denn es handelt sich hier um eine Landesstraße – und wir wissen alle, wie schwerfällig das Landesamt sein kann.“ Das sei aber nicht der Punkt, betonte Haie-Jann Krause: „Die Gemeinde hat hier die Hoheit – und wenn sie festlegt, dass sie an dieser Stelle einen Kreisel haben will, dann ist das so. Egal, wie lange das dauert oder wer das bezahlt.“

„Viele Kunden schätzen das gemütliche Ambiente, empfinden das als sehr angenehm – so etwas kann ein Supermarkt nicht bieten.“ Kerstin Hoffmann, Angestellte Tante-Emma-Laden Quelle: Sabine Hügelland

Er sei nicht gekommen, um den Ausschussmitgliedern seine Auffassung einzureden, betonte Frank Wichmann: „Aber ringsherum entstehen gerade neue Märkte, in Bargeshagen gibt es bereits den Entwurf für einen Bebauungsplan, und diese Gemeinde redet auch mit Edeka – ob das Unternehmen in ein paar Jahren immer noch Interesse hat, in Nienhagen einen Supermarkt zu bauen, weiß ich nicht.“

Darüber hinaus sei der Grundstückeigentümer an der Doberaner Straße nach vielen Gesprächen bereit, statt der ursprünglich avisierten ein Hektar großen Fläche jetzt zwei Hektar zu verkaufen: „Vorausgesetzt, im Bebauungsplan werden ein ,Sondergebiet Gemeindebedarfsfläche‘ sowie ein ,Sondergebiet Einzelhandel‘ festgeschrieben – wir haben jetzt die Chance, den Markt zusammen mit der Mehrzweckhalle zu realisieren.“ Genau das sei auch im Interesse der Gemeinde, betonte Ausschusschef Krause: „Aber wir wollen auch die Rahmenparameter setzen.“

„Einen Supermarkt würde ich gut finden. Ältere Nienhäger müssten dann nicht mehr so weit fahren. Der Anbieter ist mir eigentlich egal.“ Martina Schröter, Einwohnerin Quelle: privat

Im Übrigen seien weder ein möglicher Edeka-Markt noch Zufahrten Bestandteil eines Aufstellungsbeschlusses, betonte Planer Volker Zielke: „Dieser Beschluss befasst sich lediglich mit den allgemeinen Zielen der Gemeinde und ist eine Art Anstoßfunktion für die Öffentlichkeit, dass hier etwas passieren soll – ohne wirkliche Rechtswirkung.“

Von Lennart Plottke