Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan Biendorf: Kräuterküche in altem Pfarrhaus
Mecklenburg Bad Doberan Biendorf: Kräuterküche in altem Pfarrhaus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:20 30.05.2019
Annett und Dieter Gode leben im Pfarrhaus. Annett Gode stellt ihre Hausapotheke zum Teil selbst her. Quelle: Sabine Hügelland
Anzeige
Biendorf

Einige hundert Jahre Geschichte stecken in den Mauern des Pfarrhauses des 151 Einwohner großen Dorfes Biendorf. Der Ort ist jedoch schon weitaus früher bewohnt gewesen. Das Pastorenhaus, in dem Annett und Dieter Gode heute leben, wurde 1776 errichtet, nachdem das alte durch ein Feuer vernichtet wurde. Mit dem Brand gingen leider auch wichtige Kirchendokumente verloren.

Heilpflanzen wachsen im großen Garten hinterm Haus

2001 modernisierte das Paar das Pfarrhaus. „Unsere ehemalige Pastorin Karen Siegert machte uns auf das damals leerstehende Gebäude aufmerksam“, sagt Annett Gode. „Uns gefiel es hier und wir schätzen die ländliche Abgeschiedenheit von Biendorf.“ Vor zwölf Jahren zog sie mit ihrem Mann dort ein. Dass sich die Kirche mit dem Friedhof in unmittelbarer Nachbarschaft befindet, stört die beiden nicht. Annett Gode schätzt ihr Zuhause vor allem wegen des romantischen Gartens hinter dem Haus. Nicht nur der schöne Blick über das Torfmoor ist reizvoll, verschiedene Blumen und Heilpflanzen wachsen hier in großer Zahl. Die Hausherrin stellt daraus Essenzen, Tees, Marmeladen und Säfte her. Schon als Kind sammelte sie Blüten und trocknete sie. Die Liebe zur Natur ist geblieben. Inzwischen kennt Annett Gode viele Kräuter, die ihr früher kaum geläufig waren und besitzt ausreichend Fachlektüre, um notfalls nachschlagen zu können. „Schon als Kind habe ich Pflanzen gemocht. Ich war immer gern in der Natur, weil es viel zu entdecken gab. Es war und ist für mich spannend, welche Heilwirkung in Pflanzen steckt.“

Chronik

Rund 1300 Einwohner leben in der Gemeinde Biendorf, die sich über eine Fläche von 40,86 Quadratkilometern erstreckt. Davon 151 in Biendorf selbst. 1249 wird der Ort erstmals urkundlich erwähnt und im Laufe der Zeit als Bigendorp, Bydendorpe und Byndorp bezeichnet. Eine Legende besagt, dass in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts in der Nähe ein Dorf stand, das aus unbekannten Gründen „wüst“ wurde, wahrscheinlich durch einen Brand. Zum neuen Dorf sagte man „bien Dörp“ wie Byndorp also heute Biendorf.

Die Backsteinkirche entstand 1300 und wurde erstmals 1324 erwähnt. Es ist davon abzuleiten, dass auch der Ort damit erwähnt wird. Die heutige Kanzel stammt aus dem Jahr 1665. Eine umfassende Sanierung erfolgte 1907. 1999 wurde ein Verein gegründet, weil eine Sanierung der Kirche notwendig war und das Geld dafür fehlte. Viele Sicherungsmaßnahmen wie am Turm und dem Dach konnten durchgeführt werden. Den Verein gibt es nicht mehr, er hat seinen Zweck erfüllt.

Der große Brand 1776 im Pfarrhaus zerstörte die Kirchenbücher, so dass nur noch wenig über die Kirche bekannt ist. Seit dem 13. Jahrhundert war Biendorf im Besitz des Schweriner Domkapitels. Ab 1550 stand die Kirche unter dem Patronat des Landes Mecklenburg. Die Kirche und ihre Gemeinde befinden sich seit vielen Jahren im Verbund mit Rerik und Russow. 2016 wurde das Glockengeläut von manuell auf elektrisch umgestellt.

Jedes Jahr ein anderes Lieblingskraut

Annett Gode legt ihren Fokus auf Wildkräuter. „So wie der Beinwell, der in diesem Jahr meine Lieblingspflanze ist. Wie der Name schon sagt, hilft sie bei Beinproblemen, Knochenbrüchen, Schmerzen des Bewegungsapparats im Allgemeinen“, erklärt die 55-Jährige. Jedes Jahr würde sie ein anderes Kraut favorisieren. „Meist lasse ich mich intuitiv zu den jeweiligen Pflanzen hinführen. Die brauche ich dann gerade meist selbst zur Heilung.“ Beeindruckend sei auch die heilende Wirkung für die Seele. „Das funktioniert so enorm bei den Blütenessenzen.“ Gerade die Kräuterauszüge benötigen viel Zeit in der Herstellung, bei der nur die Blüten genutzt werden. „Unsere Hausapotheke stelle ich zum großen Teil selbst her und auch Freunde kommen zu mir und holen sich, was sie benötigen.“

Kräuterküche als Ausgleich zum Beruf

Einige Jahre hat Annett Gode Kräuterseminare bei dem Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt Bad Doberan gegeben. Denn mit ihrem mittlerweile großen Wissen und ihrer einfühlsamen Art, kann sie gut beraten und unterstützen. Von Beruf ist Kräuterfrau Gode eigentlich Kosmetikerin. In Rerik besitzt die selbstständige Unternehmerin in der Strandstraße ein Studio, das ihren Namen trägt. Annett Gode hat ihre Ausbildung in Rostock absolviert und dann in der Kühlungsborner Schwimmhalle gearbeitet, die es heute nicht mehr gibt. Durch ihren Beruf ist die zweifache Mutter immer erst spät abends zu Hause und dann froh, wenn sie sich ihren Pflanzen widmen kann.

Seit einigen Jahren fotografiert Annett Gode auch ihre Blumen und Kräuter. „Das ist Zeit für mich und das gibt mir neue Kraft“, sagt sie. Deshalb sei sie auch nicht traurig gewesen, als Reriks „Theatersanisbar“ eine Pause einlegte. Annett Gode gehört zu den Gründungsmitgliedern des Ensembles. Ihr Mann Dieter Gode arbeitet in der Erwachsenenbildung und pflegt eine guten Kontakt zu den Nachbarn und anderen Dorfbewohnern, man hilft sich. Im Moment kümmert der 57-Jährige sich gerade um das Flottmachen des eigenen Segelbootes.

Sabine Hügelland

Kamele, Stiere und Pferde sind vom 30. Mai bis 9. Juni an der Galopprennbahn zwischen Bad Doberan und Heiligendamm zu Gast. Der Zirkus Humberto zeigt hier sein Programm aus Tiershow und Akrobatik. Gino Ortmann ist der Sohn des Gründers und mit dem Zirkus aufgewachsen.

30.05.2019

Die CDU verliert zwei Sitze, FDP und NPD gewinnen einen dazu. Vorhaben der Gewählten in den nächsten fünf Jahren: altersgerechtes Wohnen, bessere Präsentation der Gemeinde nach außen, Breitbandausbau und Spielplätze.

29.05.2019

Ein Lkw-Fahrer parkte seinen Lkw auf der A 20 bei Satow (Landkreis Rostock) und war danach nicht mehr zu Erreichen. Seine Firma ortete sein Telefon. Die Polizei fand den Mann leblos vor.

29.05.2019