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Bad Doberan Boom am Kreuzfahrtkai – Chaos am Bahnsteig
Mecklenburg Bad Doberan Boom am Kreuzfahrtkai – Chaos am Bahnsteig
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00:00 08.09.2017
Die Kreuzschifffahrt boomt – im Kalender 2017 stehen allein 14 Anläufe von drei Kreuzfahrtschiffen gleichzeitig. Quelle: Foto: Rostock Port
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Rostock

Mit dem Fahrplan-Wechsel im Dezember kehren die Flaggschiffe der Bahn nach Rostock zurück: Die schnellen ICE-Züge machen wieder Halt in der Hansestadt. Ja, das kommt auch im Rathaus gut an. Doch zufrieden mit den Planungen der Bahn ist Rostocks Verkehrssenator Holger Matthäus (Grüne) dennoch nicht: Die Bahn ignoriere weiterhin den Kreuzfahrt-Boom in der Hansestadt, biete nach wie vor zu wenig Verbindungen nach Warnemünde an. Das sieht der Fahrgast-Verband „Pro Bahn“ ganz genau so: „Rostock wird gegenüber anderen deutschen Kreuzfahrt-Häfen benachteiligt“, so „Pro Bahn“-Sprecher Karl-Peter Naumann.

Hafen, Touristiker und Stadt fordern mehr Verbindungen für Kreuzfahrt-Gäste

Genau 192 Anläufe von Kreuzfahrt-Schiffen verzeichneten Rostock und Warnemünde in diesem Jahr. Die Hansestadt bleibt damit die Nummer eins im Kreuzfahrt- Geschäft an der deutschen Ostsee. „Für viele Reedereien ist Warnemünde mittlerweile der Ausgangshafen“, sagt Christian Hardt. Er ist bei der städtischen Hafen-Gesellschaft „Rostock Port“ für das Geschäft mit den Luxuslinern verantwortlich.

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Ausgangshafen – das heißt Tausende Passagiere gehen in Warnemünde von Bord, ebenso viele gehen wieder auf die Schiffe. Während Costa, MSC und auch Pullmantur ihre Passagiere aus Spanien und Italien über den Flughafen Laage einfliegen und mit Bussen zu den Schiffen bringen, kommen die meisten deutschen Kreuzfahrt-Touristen mit dem Auto nach Warnemünde: „In keinem anderen Kreuzfahrt- Hafen in Deutschland ist der Anteil derjenigen, die mit dem Auto anreisen so hoch wie bei uns“, sagt Hardt. „Und natürlich hat das auch mit den Bahn-Verbindungen zu tun.“ Mit denen könnten Rostock und Warnemünde aber nicht zufrieden sein, ergänzt Tourismuschef Matthias Fromm. Die neuen Verbindungen ans Meer könnten nur der Anfang sein. „Es muss doch möglich sein, von Süddeutschland aus, schnell und unkompliziert zu uns an die Küste zu kommen.“

Fromm wünscht sich „eine höhere Frequenz, was überregionale Verbindungen angeht“ – insbesondere für Kreuzfahrtgäste. Verkehrssenator Matthäus wird in dem Punkt deutlicher: „Auf dem Warnemünder Bahnhof und auf dem Rostocker Hauptbahnhof spielen sich bei Passagierwechsel dramatische Szenen ab! Die Platzkapazität in den Zügen von und nach Rostock ist einfach zu gering. Oft stehen die Gäste mit Gepäck bis Berlin oder Hamburg.“ Das sei eine „extreme Negativwerbung für die Deutsche Bahn, aber auch für den Kreuzfahrtstandort Warnemünde“, klagt Matthäus. Die Bahn müsse dringend „nachsteuern“ und auf den Kreuzfahrt-Boom reagieren.

Dass die Hansestadt auch weiterhin deutlich schlechter an das Fernbahn-Netz angebunden sei als Städte vergleichbarer Größe – „ja, das sei ein Wettwerbsnachteil“, sagt „Pro Bahn“-Sprecher Naumann.

„Ich habe das in Kiel selbst erlebt: Da hält ein langer ICE mit zwölf Wagen und Hunderte Kreuzfahrt-Passagiere mit Koffern steigen aus, werden am Bahnhof abgeholt und zum Schiff gebracht. Das fehlt in Rostock.“ Die Bahn müsse mehr Angebote in Richtung Berlin und Hamburg, „aber auch weiterhin bis ins Ruhrgebiet und nach Köln“ schaffen.

Genau das wünschen sich auch die Reedereien: „Eine gute Bahn- Anbindung ist extrem wichtig für den Kreuzfahrt-Standort Warnemünde“, sagt Aida-Sprecherin Kathrin Heitmann. Und „Rostock Port“-Manager Hardt ergänzt: „Je mehr Menschen mit der Bahn zu ihrem Schiff fahren können, desto mehr entlasten wir Warnemünde und die Warnemünder. Und wie die Verkehrslage in der Sommerzeit in unserem Ostseebad aussieht, weiß in Rostock doch mittlerweile jeder.“

Aus der Bahn-Zentrale in Berlin kommen nun aber erste Signale, dass der Boom in Warnemünde erkannt wurde: „Für nächstes Jahr rechnen wir in Folge steigender Anlandungen von Kreuzfahrtschiffen mit einer Zunahme des Shuttleverkehrs von Warnemünde nach Berlin“, sagt Bahn-Sprecherin Karin Schwelgin. Allerdings sind damit nicht etwa reguläre“ Züge oder neue, fahrplänmäßige Verbindungen gemeint:

„Hierbei handelt es sich um einen bestellten Verkehr der Kreuzfahrtgesellschaft. Neue Verbindungen werden auf deren Wunsch organisiert.“ Nach OZ-Informationen haben große, amerikanische Reedereien die Züge angefordert, um ihre Gäste zum Tagesflug nach Berlin bringen zu können. Alle anderen Reisenden haben davon aber nichts.

Andreas Meyer

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