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Bad Doberan Caffier in Kühlungsborn: Debatte um Polizei im Ostseebad
Mecklenburg Bad Doberan Caffier in Kühlungsborn: Debatte um Polizei im Ostseebad
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17:34 29.03.2019
Lorenz Caffier (Mitte) stellte sich den Fragen der etwa 60 Zuhörer. Unterstützt wurde er durch den Rostocker Polizeipräsidenten Peter Mainka (v.l.), Kühlungsborns Bürgermeister Rüdiger Kozian und Jörg Hochheim, Chef der Kommunalaufsicht im Innenministerium. Quelle: Foto: Cora Meyer
Kühlungsborn

Wo es mehr Urlauber gibt, sollte es auch mehr Polizisten geben. Das war eine der Forderungen, die die Kühlungsborner am Donnerstagabend im Schulzentrum an Innenminister Lorenz Caffier richteten. Der CDU-Politiker war im Rahmen der Reihe „Landesregierung vor Ort“ in das Ostseebad gekommen, um mit den etwa 60 anwesenden Bürgern zu diskutieren.

Mehr Polizeibeamte werde es vorerst nicht geben, sagte der Politiker. „Denkbar ist aber eine Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt.“ Darüber habe man mit der Stadt bereits erste Gespräche geführt. Allerdings solle die Präsenz der Polizei in Kühlungsborn verbessert werden. Beispielsweise seien gemeinsame Streifen denkbar. „Hilfspolizisten wird es aber nicht geben“, sagte Lorenz Caffier. Es sei nicht umsonst eine jahrelange Ausbildung für Polizisten notwendig, der Beruf sei sehr komplex.

Auf andere Maßnahmen setzt der Rostocker Polizeipräsident Peter Mainka. Er saß mit Bürgermeister Rüdiger Kozian (parteilos) und Jörg Hochheim, dem Chef der Kommunalaufsicht im Innenministerium, neben Lorenz Caffier auf dem Podium. „Wir suchen nach neuen Räumlichkeiten für eine Station, damit sie besser sichtbar ist. Außerdem wollen wir in Saisonzeiten die Dienstzeiten der Kontaktbeamten erweitern.“ Ständig besetzt sein werde die Polizeistation aber nicht. Das hatte Hubertus von Storch gefordert, der neben weiteren Kommunalpolitikern im Publikum saß. „Dadurch verhindern wir keine Straftaten.“ Es gebe einen Unterschied zwischen dem Sicherheitsempfinden und den Zahlen, sagte der Polizeipräsident.

Pflegekräfte wollen bessere Bedingungen

Aber auch andere Themen brannten den Kühlungsbornern unter den Nägeln. So beklagte Landwirt Günter Garbe, dass viele Landwirte in der Region aufgäben – auch weil Land immer teurer werde. „Landwirtschaft wird immer ein wichtiges Standbein für unsere Region bleiben“, sagte Lorenz Caffier. Deshalb müsse man auch dafür sorgen, diesen Beruf attraktiver für junge Leute zu gestalten. Das gleiche gilt für soziale Berufe. „In diesem Bereich gibt es keine Nachrücker“, sagte Zuhörerin Heike Fischer, selbst ehemals in der Pflege tätig. „Wir werden uns über Angebot und Bezahlung austauschen müssen“, sagte der Minister. Wegen der immer älter werdenden Gesellschaft werde das Thema in den nächsten Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnen. Eine Frage des Geldes sei auch der Betreuungsschlüssel in Kindertagesstätten. „Neben der kostenfreien Kita soll auch die Qualität verbessert werden“, sagte der Minister.

Schüler wollen einheitliches Abitur

Personal ist dabei immer ein Thema. „Wir haben es versäumt, dafür zu sorgen, dass die jungen Leute in unserem Land bleiben“, sagte Lorenz Caffier. „Das fällt uns jetzt auf die Füße“. Zumindest zum Studium wollen viele das Bundesland verlassen, sagt Tim Bachnick. Der stellvertretende Schülersprecher brachte die Anliegen seiner Mitschüler mit in die Veranstaltung. „Warum wird das Abitur bei uns von Universitäten nicht so wertgeschätzt wie das in anderen Bundesländern?“, fragte er. Deshalb fände er eine Anpassung vernünftig. Das findet auch Lorenz Caffier. „Wir sind dabei, ein einheitliches Abitur zu vereinbaren. Es ist nicht zeitgemäß, dass Abschlüsse aus bestimmten Bundesländern nicht in gleichem Maße anerkannt werden.“

Wichtig für die Schüler ist auch die EU-Urheberrechtsreform. Caffier verteidigte diese. Man wolle keine Zensur wie in China, sagte er. Allerdings müsse man in der Lage sein, beispielsweise auf Kinderpornografie im Netz zu reagieren. Die Diskussion sei „hochsensibel“, aber: „Freiheit braucht einen bestimmten Rahmen.“ Der Innenminister schränkt aber ein, dass die Diskussion um die Urheberrechtsreform aus seiner Generation heraus anders geführt würde, wie aus der der Schüler.

Innenminister will mehr Eigeninitiative

Konservativ ist Caffier nach eigenen Angaben auch in einem anderen Punkt. Er stellte sich damit auf die Seite von Matthias Borchert: „Auch wegen der Sonntagsöffnung haben Familien immer weniger Zeit füreinander“, beklagte der Pastor der evangelischen Gemeinde in Kühlungsborn. Der Innenminister sagte aber, in Zeiten, in denen Einkaufen rund um die Uhr im Internet möglich sei, müsse man eine gewissen Infrastruktur vor Ort gewährleisten. Ob die Bürger diese in Anspruch nähmen, „ist aber zum Teil auch eine individuelle Entscheidung.“

Grundsätzlich rief der Innenminister die Zuhörer zur Eigeninitiative auf. „Jeder kann sich einbringen“, sagte er. „Davon lebt unsere Demokratie.“

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