Darum bekommt die Retschower Kita einen neuen Träger
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Bad Doberan Darum bekommt die Retschower Kita einen neuen Träger
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Darum bekommt die Retschower Kita einen neuen Träger

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09:00 29.08.2020
Sichtbare Veränderung: Der alte Gebäude-Teil der Retschower Kita ist abgerissen, das Fundament für den Neubau wurde bereits abgesteckt.
Sichtbare Veränderung: Der alte Gebäude-Teil der Retschower Kita ist abgerissen, das Fundament für den Neubau wurde bereits abgesteckt. Quelle: Lennart Plottke
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Retschow

Die Kita „Feldmäuse“ in Retschow bekommt spätestens zum 1. Juli 2021 einen neuen Träger. Die Gemeindevertreter beschlossen auf ihrer Sitzung am Donnerstagabend, den Vertrag mit der JUL gGmbH zum 30. Juni 2021 zu kündigen. „Es sind in den vergangenen Monaten vermehrt Probleme in der Zusammenarbeit sowie auch in der Arbeit des Trägers aufgetreten“, erklärt Retschows Bürgermeister Thomas Schubert. „Und trotz mehrerer Gespräche hat sich die Lage nicht wesentlich verbessert – wir mussten jetzt handeln.“

„Vieles wird jetzt auf Corona geschoben – nach meiner Auffassung hat die Pandemie aber nur bereits vorhandene Probleme ans Tageslicht gebracht.“ Thomas Schubert, Bürgermeister Retschow Quelle: Lennart Plottke

Vor allem mit Blick auf die Personalabdeckung und die Betreuung der Kinder hätten sich deutliche Mängel offenbart, so Schubert: „Die Krönung war, dass Eltern ihre Kinder morgens wieder mit nach Hause nehmen mussten, weil es in der Krippe nicht genügend Erzieherinnen gab.“ Auf Nachfrage habe der Träger auf die insgesamt schwierige Personalsituation verwiesen – gerade auch in Corona-Zeiten. „Vieles wird jetzt auf Corona geschoben“, meint Schubert. „Nach meiner Auffassung hat die Pandemie aber nur bereits vorhandene Probleme ans Tageslicht gebracht.“ Denn allein im Ortsteil Retschow lebten acht ausgebildete Erzieherinnen: „Aber nur eine arbeitet auch in unserer Kita – warum ist das so?“

Aktueller Träger von Wechselabsichten überrascht

Der Bürgermeister habe dem noch aktuellen Träger Ende Juli den geplanten Wechsel mitgeteilt, sagt Norbert Dawel, JUL-Bereichsleiter Nord: „Das hat uns sehr überrascht.“ Denn man habe in den vergangenen neun Jahren sehr viel Engagement gezeigt: „Es wurde viel Positives bewegt – der Kita wurden erst kürzlich bei einer externen Qualitätsüberprüfung sehr gute Ergebnisse bescheinigt, eine Elternbefragung war im übrigen Teil dieser Überprüfung.“ Die Kita sei also „wirklich gut aufgestellt“, ist Dawel überzeugt: „Auch unser Träger hat bei der Überprüfung sehr gute Noten erhalten – notwendige Fachkräfte wurden gewonnen.“

Für Einschränkungen in der Betreuung während der Pandemiezeit sei die JUL gGmbH nur zu einem kleinen Teil verantwortlich, meint Dawel: „Wir wissen aber auch, dass diese Zeit für sehr viele Eltern eine harte Belastung war.“ Der Träger wolle sich weiterhin in Retschow engagieren, stellt der Bereichsleiter klar: „Dazu haben wir der Gemeinde geschrieben und sind gesprächsbereit.

Doch diese Tür ist jetzt offenbar zu. „Wir brauchen einen Kita-Träger, der in der Region stark ist“, erklärt Bürgermeister Thomas Schubert. „Deshalb haben wir die Fühler ausgestreckt, bei anderen Gemeinden nachgefragt und schließlich Verhandlungen mit der Arbeiterwohlfahrt geführt – es uns vor allem wichtig, dass Personal flexibel einsetzbar ist.“ Der Awo-Regionalverband Bad Doberan habe seinen Sitz in Neubukow und betreue acht Kitas in Trägerschaft: „Wir brauchen Planungssicherheit – und einen starken Partner vor Ort.“

Awo punktet mit regionalem Netzwerk

„Wir sind gut angebunden, haben ein funktionierendes Netzwerk, Kollegen können bei Bedarf in anderen Kitas aushelfen.“ André Träder, Geschäftsführer Awo-Regionalverband Bad Doberan Quelle: Sabine Hügelland

Das könne die Awo bieten, erklärt André Träder, Geschäftsführer des Doberaner Regionalverbandes: „Wir sind gut angebunden, haben ein funktionierendes Netzwerk, Kollegen können bei Bedarf in anderen Kitas aushelfen – wir haben uns gefreut, dass wir angefragt wurden.“ Bei einem Vor-Ort-Termin habe sich die Awo ein Bild von den Gegebenheiten machen können, so Träder: „Die Kita in Retschow ist eine kleine, feine Einrichtung, das hat gepasst.“ Für die Awo besonders interessant: „Die Gemeinde baut die Kindertagesstätte gerade komplett um – das Engagement von dieser Seite ist also auch da.“

Ein Gebäudeteil des Kita-Komplexes am Kirchweg 2 ist bereits abgerissen, das Fundament für einen Neubau ist abgesteckt. Der zweite Bereich, in dem sich unter anderem noch ein großer Küchenbereich befand, wird umgestaltet. Aktuell werden rund 35 der knapp 70 Kita-Kinder übergangsweise in einem Container auf dem Grundstück betreut. Wenn weiter alles nach Plan läuft, soll die gesamte Baumaßnahme Ende 2021 abgeschlossen sein.

„Das ist auch so ein Punkt“, sagt Thomas Schubert. „Vonseiten der JUL GmbH war so gar kein Interesse am Bau, den Bedingungen im Ersatzcontainer, dem Bauablauf oder der künftigen Ausstattung da.“ Für den aktuellen Träger sei der jetzt beschlossene Wechsel „natürlich nicht so toll – denn er verliert ein Geschäftsfeld“, sagt Retschows Bürgermeister. „Aber es haben eben letztlich viele Dinge nicht mehr gepasst.“

Von Lennart Plottke