Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan Auf Denkmalhof wird Zeitgeschichte lebendig
Mecklenburg Bad Doberan Auf Denkmalhof wird Zeitgeschichte lebendig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:05 09.11.2018
Holger und Rita Pentzin auf ihrem Denkmalhof in Retschow: Spinnen gehört zu den Hobbys der 60-Jährigen. Quelle: Wilma Welzel
Anzeige
Retschow

„Ich lebe schon immer hier“, sagt lachend Rita Pentzin (60). „Hier bin ich zu Hause. Meine Heimat ist aber auch die Ostsee, Heiligendamm sowie Rostock.“ Mit Bruder Holger Pentzin (63) lebt sie auf dem ehemaligen Bauernhof ihrer Eltern, dem heutigen Denkmalhof Pentzin, der das Dorf mittlerweile weit über die Region hinaus bekannt gemacht hat. „Nicht nur aus der Region kommen die Besucher, sondern auch aus der Schweiz, Österreich und aus den alten Bundesländern. Sie staunen über die vielen alten Schätze der früheren bäuerlichen Alltagskultur, die wir hier aufbewahren: beispielsweise Pferdeschlitten, Dreschmaschine, Schrotmühle, Butterfässer, Eissäge, Strohschneider, Feuerlöscheimer, Scheffel, Däsen - das ist eine Waage“, lässt Holger Pentzin wissen, dann zeigt er auf einen Hemmschuh. „Was ist das wohl“, fragt er schmunzelnd und erklärt dann: „Das ist ein Stück Eisen, das an einem der vier Räder des Wagens befestigt und bei Straßengefälle angezogen wurde, so wirkte es als Bremse.“

Rita und Holger Pentzin führen die Besucher durch ihren privaten Denkmalhof, der noch heute die originalgetreue vorhandene Dreiteilung eines Bauernhofes in Wohnhaus, Scheune und Katen aufweist. Hier fühlt sich der Besucher in frühere Zeiten zurückversetzt. „Ja, unser Leben ist der Hof“, meint Rita Pentzin lächelnd und zeigt auf die Fotos der Urgroßeltern im Wohnhaus. „Seit 1906 ist der Hof im Besitz unserer Familie. Aber bereits 1787 wurde das Haupthaus errichtet, die Scheune dann 1826 und der Katen als Altenteilerkaten 1842. Heute fehlen nur der Wagenschauer, der schon vor Jahren in sich zusammengebrochen war und nicht wieder aufgebaut wurde, sowie das Backhaus, das vollständig abbrannte.“

Einzige komplette Hofanlage in MV

Zur Geschichte der Einrichtung des Denkmalhofes erzählt sie: „Der Bauernhausforscher Dr. Baumgarten, der schon mit Bauer Heinrich Peters auf dessen Hof in Klockenhagen ein Freilichtmuseum einrichtete, war auch bei unserem Vater Günter Pentzin, hat sich hier alles angeschaut, vermessen und festgestellt: Hier ist die einzige komplette Hofanlage in M-V.“ So stand der Hof ab 1976 unter Denkmalschutz. Das Privatmuseum wurde 1983 anlässlich der 750-Jahrfeier Retschows als Denkmalhof eröffnet. Hier wird Zeitgeschichte lebendig, die in den Räumen liebevoll aufbereitet wurde. „Auf unserem Hof haben die Mühlsteine der 1972 zusammengefallenen Holländermühle ihren Platz gefunden“, so die Retschowerin.

Bei Rita und Holger Pentzin ist die Freude an allem hier zu spüren, die Arbeit und das Bewahren früheren bäuerlichen Lebens ist für sie eine Lebensaufgabe, die sie voll ausfüllt. „Es macht einfach Spaß, die Besucher herumzuführen, ihnen alles aus damaliger Zeit zu zeigen, zu erklären und dabei ihr Interesse zu erleben“, sagt der 63-Jährige. Vieles aus früheren Zeiten kennen er und seine Schwester noch aus eigener Erinnerung, können davon erzählen, sind sie doch auf dem ehemaligen Schulzenhof aufgewachsen. „Unser Dorf war damals viel kleiner als heute. Hier lebten viele Bauern. Auch wir Kinder mussten auf dem Hof zupacken beim Versorgen des Viehs sowie auf den Feldern. Das war ganz normal“, so Holger Pentzin. „Trotzdem hatten wir eine wunderbare Kindheit mit allen Freiheiten. Teich, Wald und Wiesen waren für uns Abenteuerplätze. Mit Beil und Nägeln bewaffnet ging es dorthin nach der Schule, die wir noch im Dorf bis zur 8. Klasse besuchten, die Schultasche landete in der Ecke. Und jeder hatte einen Hund, der natürlich immer dabei war. Wir lebten eine Kindheit so wie im Buch ,Die Heiden von Kummerow’ von Ehm Welk“, sagt schmunzelnd der Senior zurückblickend. Heute habe der Ort seinen dörflichen Charakter verändert durch viele Zugezogene, wodurch sich die Einwohnerzahl fast verdoppelte. Heute sei das Dorf vorwiegend Wohnort, nicht mehr Bauerndorf. Die Erinnerung daran halten Rita und Holger Pentzin jedoch in beeindruckender Weise wach.

Wilma Welzel

Herbert und Wiltraut Bog leben seit 22 Jahren in Retschow. Sie engagieren sich im Verein und der Gemeindevertretung.

09.11.2018

Die Kindertagesstätte soll teilsaniert und ein Neubau angeschlossen werden. Ein Investor möchte in altersgerechtes Wohnen investieren.

09.11.2018

Etwa 180 Interessierte haben das Bürgerforum der Ministerpräsidentin in Bad Doberan besucht. Themen waren unter anderem die Beiträge für den Straßenausbau und der Internetanschluss auf den Dörfern.

09.11.2018