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Bad Doberan Die Doberaner Tafel kämpft ums Überleben
Mecklenburg Bad Doberan Die Doberaner Tafel kämpft ums Überleben
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15:53 29.01.2019
Rüdiger Rossmann (v.l.), Kathrin Stracke, Sylvia Stracke und Hartmut Scharpenorp bereiten die Lebensmittelausgabe vor. Quelle: Moritz Naumann
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Bad Doberan

Drei Mal die Woche kümmern sich bis zu 30 Ehrenamtliche der Tafel Bad Doberan darum, dass Lebensmittel für Bedürftige in Bad Doberan und Kröpelin zur Verfügung stehen. Jetzt muss die Koordinatorin, Katrin Stracke, gehen: Die Fördermittel und Spenden reichen nicht aus, um ihre Stelle weiter zu finanzieren.

„Man muss Monate vorausschauen können, um so eine Initiative am Leben zu halten“, sagt Sylvia Stracke. Die 70-Jährige verwaltet die Finanzen und kümmert sich darum, dass Anträge den richtigen Postkasten und Spenden das richtige Konto finden. Zudem macht sie viel Werbung für den Verein. „Bei der Spendenakquise muss man auch mal frech sein. Das kann ich“, sagt Sylvia Stracke und lacht.

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Koordinatorin muss gehen

Auch ihre Tochter Katrin arbeitet für die Tafel: Sie verwaltet die Koordination der Ehrenämter und sorgt für einen reibungslosen Ablauf – jedenfalls noch bis April. Denn dann läuft die Förderung des EU-Leader-Programms aus und kann nicht verlängert werden. „Dadurch hatten wir im Jahr 24 000 Euro mehr zur Verfügung, mit denen wir auch Katrin noch bezahlen konnten“, sagt Sylvia Stracke. Sollte nicht noch ein Wunder geschehen, will die Mutter die Aufgaben ihrer Tochter übernehmen.

Die Finanzierung sei immer ein Drahtseilakt gewesen. Seitdem der Verein am 20. Dezember 2016 das erste Mal Lebensmittel gesammelt und verteilt hat, habe Sylvia Stracke, neben einer Vielzahl von Arbeitsstunden, aus ihrem persönlichen Vermögen 7000 Euro in die Tafel investiert. Hinzu kommt der bürokratische Aufwand. „Wir müssen Lohnjournale und Stundenaufzeichnungen führen, Nebenkosten- und Krankenkassenabrechnungen machen und verwalten.“ Alleine die Arbeitsstunden zur Beantragung der EU-Leader-Fördermittel beziffert Sylvia Stracke auf ca. 10 000 Euro: „Da braucht es Rechtsanwälte, Steuerberater und Teamarbeit.Das ist alles sehr teuer.“

Auf Hilfe angewiesen

Bei all den Herausforderungen sei es dem jungen Verein nicht immer gelungen, alle Fördermöglichkeiten auszuschöpfen. So habe es die Tafel verpasst, sich für den Vereinsfördertopf der Stadt Bad Doberan zu bewerben. „Das ist uns mal durch die Lappen gegangen. Wird aber nicht wieder passieren“, sagt Sylvia Stracke.

Für die Zukunft sei es wichtig, dass man die laufenden Kosten gedeckt bekommt. „Wir können mehr Dauerspenden gebrauchen“, sagt Katrin Stracke. Ihre Mutter Sylvia weist außerdem darauf hin, dass die Tafel noch Helfer benötigt. „Wir brauchen noch drei Ehrenamtliche für ein Waschteam. Jeden Dienstag werden in zwei Stunden die Kisten und Autos gewaschen“, sagt Sylvia Stracke, deren Engagement vor allem eines zum Ziel hat: „Es geht ums Überleben dieser guten Sache.“

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Moritz Naumann