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Bad Doberan Die Region braucht Wachstum
Mecklenburg Bad Doberan Die Region braucht Wachstum
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08:00 01.08.2018
Der Wirtschaft im Landkreis Rostock geht es gut. Gewerbeflächen, wie hier in Bad Doberan, sind knapp. Quelle: Manfred Sander
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Bad Doberan/Güstrow

Die Wirtschaft floriert, mehr und mehr Menschen ziehen in die Region: Dem Landkreis Rostock geht es so gut wie lange nicht mehr. Und dennoch ist Landrat Sebastian Constien (SPD) noch nicht zufrieden. Im OZ-Interview schwört er die Region zwischen Rerik und Sanitz auf große Herausforderungen ein.

Sie haben in den vergangenen Monaten viele Betriebe im Landkreis besucht. Wie geht es der Wirtschaft?Sebastian Constien: Vielen Betrieben geht es insgesamt gut. Die Auftragsbücher sind voll, aber ihnen fehlen die Fachkräfte. Derzeit werden vor allem im Baugewerbe händeringend Leute gesucht.

Und was macht der Landkreis, um den Firmen zu helfen?Unsere Möglichkeiten sind da leider gering. Über das Jobcenter versuchen wir in erster Linie, vermehrt auch Arbeitlose für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Von den knapp 6100 Arbeitslosen im Landkreis sind aber zwei Drittel Langzeitarbeitslose, die ehrlicherweise häufig nur schwer zu vermitteln sind. Aber wir können dafür werben, dass man bei uns Landkreis gut leben und arbeiten kann.

Der Landkreis will Werbung für sich machen?Ja, wir planen 20 000 Euro für überregionale Werbung im Haushalt ein. Zudem hat unsere Wirtschaftsfördergesellschaft, die WLR, eine zusätzliche Stelle für das Marketing besetzt. Die WLR soll die Region bundesweit bekannter machen und in den Fokus rücken – um uns für Menschen interessant zu machen, die zurückkommen oder neu zu uns ziehen wollen.

Der Landkreis zum Leben im Land zum Leben?... und zum Arbeiten. Genau so!

Wie könnten Bund und Land den Landkreis denn bei der Suche nach Fachkräften unterstützen?Das ist ein schwieriges Thema. Aus meiner Sicht bräuchten wir klarere Regelungen dazu, wie wir auch mit ausländischen Fachkräften unser Defizit beheben. Aber dazu brauchen wir klare gesetzliche Vorgaben – zum Beispiel über ein Einwanderungsgesetz. Aufgrund der asylrechtlichen Vorschriften müssen wir derzeit auch viele Menschen abschieben, die sich schon gut entwickelt haben und integriert sind – und die wir perspektivisch als Arbeitskräfte brauchen. Das betrifft derzeit vor allem Albaner und Ukrainer. Aber da sind uns die Hände gebunden. Wenn das Asylverfahren für die Betroffenen negativ endet, dann müssen wir auch abschieben.

Wie viele Asylbewerber leben denn derzeit im Landkreis?Aktuell betreuen wir etwas mehr als 1000 Asylbewerber.

Der Innenminister hatte sich eine Zeit lang auf die Fahnen geschrieben, konsequenter abzuschieben … Es ist schon die Marschroute für die Ausländerbehörde, alles dafür zu tun, dass Ausreisepflichtige auch zeitnah das Land verlassen. Wenn die Abschiebung ausgeführt werden muss, setzen wir das um.

Sie sagten, der Landkreis sei eine Region zum Leben und Arbeiten. Nun fehlt es aber vielerorts an Gewerbeflächen: Reddelich ist fast voll, Bad Doberan will seine erweitern. Im Airpark Laage hingegen sind noch Flächen frei. Wieso?Die Flächen vermarktet nicht nur der Landkreis. Daran sind mehrere Partner, zum Beispiel die Stadt Laage als Eigentümer, beteiligt. Wir haben immer wieder Interessenten. Aktuell begleiten wir einen Medizin-Dienstleister, der Flächen erworben hat und bauen will. Zunächst geht es um 40 neue Arbeitsplätze, perspektivisch dürfte die Zahl dreistellig werden.

Und der Flughafen ist doch ein attraktiver Nachbar, oder?Der Flughafen ist immer ein Zugpferd. Wir müssem ihn noch stärker in den Fokus rücken, damit diese Flächen präsenter werden. Es wäre schön, wenn das Land Gesellschafter am größten und wachstumsstärksten Flughafen in Mecklenburg-Vorpommern werden würde, auch für dessen Entwicklung. Er braucht ein klares Bekenntnis des Landes.

Nicht nur Gewerbeflächen sind zum Teil knapp, Wohnraum ist noch knapper. Doch zwischen der Hansestadt und den Nachbargemeinden gibt es seit Monaten Streit um neue Baugebiete. Warum kriegen beiden Seiten das Problem nicht gelöst?Der Rostocker Oberbürgermeister sieht sich – trotz Millionen-Überschüssen – unterfinanziert. Er vermischt jetzt das Thema Regionalentwicklung mit der Finanzausstattung durch das Land. Die Hansestadt verlangt von den Gemeinden Geld für Angebote, die Rostock auch für Bürger aus dem Landkreis vorhält. Aber wenn der OB mehr Geld für diese Aufgaben haben will, ist das über das Finanzausgleichsgesetz des Landes zu regeln – und nicht über eine Blockade der Umlandgemeinden.

Rövershagen und Nienhagen hat die Hansestadt sogar verklagt ...Aus meiner Sicht haben die Klagen keine Aussicht auf Erfolg. Wir haben uns im Regionalen Planungsverband auf einen Weg geeinigt, gemeinsam zu wachsen. Es ist schon ärgerlich, wenn sich bei mir junge Familien melden, die in unsere Region ziehen und bauen wollen. Und denen will der Oberbürgermeister das Bauen verbieten. Das ist nicht gut für unseren gemeinsamen Wirtschaftsstandort.

Wird Rostock denn das Wachstum allein bewältigen können?Nein, aus meiner Sicht nicht. Wenn ich mir allein das Thema Groß Biestow anschaue: Erst ja, dann nein. Da ist keine Entwicklung. Es fehlen jetzt schon Standorte für Eigenheime. Die kriegen Sie in Rostock derzeit nicht. Den Menschen ist völlig egal, ob sie in Rostock, Bad Doberan oder Papendorf bauen. Es muss bezahlbar sein.

Die Wirtschaftsausschüsse von Bürgerschaft und Kreistag wollen nun gemeinsam die Problem von Hansestadt und Landkreis angehen. Wie stehen Sie dazu?Natürlich ist es gut, wenn sich die politischen Entscheider austauschen – und die Positionen des jeweils anderen kennenlernen. Ich habe das Gefühl, dass beide Seiten – auch der Landkreis – manchmal zu sehr ihr eigenes Ding gemacht haben.

Wie sieht es mit Zusammenarbeit auf Verwaltungsebene aus – zum Beispiel in puncto Wirtschaft? Im Gegensatz zur Hansestadt läuft bei uns Wirtschaftsförderung nicht nur über den Landkreis, sondern über jeden einzelnen Bürgermeister vor Ort. Ein gutes Beispiel für gemeinsame Kooperation ist aus meiner Sicht die gemeinsame Flächenentwicklung zwischen der Gemeinde Bentwisch und der Hansestadt Rostock. Dafür benötigt man keine gemeinsame Wirtschaftsfördergesellschaft.

Ein gemeinsames Problem ist der Nahverkehr: Rebus darf nicht mehr an allen Haltstellen in Rostock halten, die Verknüpfung mit der RSAG klappt nicht richtig. Wie kann es da weitergehen?Die Frage ist, wie organisieren wir die Verkehrsströme. Der Fahrgast darf nicht merken, wo die Hansestadt endet und der Landkreis beginnt. Wir haben mit der Arbeit an unserem Nahverkehrsplan begonnen, der an den Mobilitätsplan Zukunft Rostocks anknüpft. Wir wollen Verkehrsströme lenken und den Nahverkehr stärken. Aber derzeit streiten wir über ganze andere Dinge – über Ausgleichszahlungen zum Beispiel. Unnötig.

Andere Region haben solche Probleme gelöst, in dem sie ihre Verkehrsgesellschaften „fusioniert“ haben. Warum denken Sie nicht über eine solche Lösung nach?Rebus und RSAG zu fusionieren, brächte viele rechtliche Fallstricke mit sich. Eine verstärkte und organisierte Zusammenarbeit der Aufgabenträger – des Landkreises und der Stadt – ist aus meiner Sicht besser. Da gibt es einige Ideen. Einen Zweckverband etwa, der für beide den Verkehr plant und organisiert und in dem beide Auftragengeber als Partner mitbestimmen.

Diskussionen gibt es auch bei den Straßenausbaubeiträgen. Die Gemeinde Biendorf hat so eine Satzung abgelehnt. Überall im Landkreis werden Unterschriften gegen die Abgabe gesammelt. Wie stehen Sie dazu?Ich finde solche Beiträge gerechtfertigt. Die Erhebung darf aber nicht unverhältnismäßig sein.

Die Beiträge sind ein Instrument, um Geld in klamme Haushaltskasse zu bringen. Wie sieht es finanziell beim Landkreis aus?Grundsätzlich gut. In den letzten fünf Jahren konnten wir mit der niedrigsten Kreisumlage im Land sehr viel Geld in den Gemeinden lassen. Wir werden aber mehr investieren müssen, gerade im Bereich Straßen, Kitas, Schulen und im Nahverkehr. Wir schlagen dem Kreistag daher vor, für den nächsten Doppelhaushalt ungefähr 85 Millionen Euro Kreisumlage zu erheben und damit jährlich etwa sieben Millionen Euro mehr einzunehmen als im Vergleich zu 2018. Die Kreisumlage würde dann bei etwa 40 Prozent liegen. Aufgrund der guten Einnahmesituation bleibt den Gemeinden, ähnlich wie in den letzten Jahren, aber viel Geld über.

Andreas Meyer/ Levien Anja

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