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Bad Doberan Andere Motive sind fürs Segeltuch tabu
Mecklenburg Bad Doberan Andere Motive sind fürs Segeltuch tabu
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15:49 30.07.2019
Die Kühlungsbornerin Jeannine Rafoth (44) malt auf ausgedienten Segeln. In ihrer Hand ein Stück Segel des Segelschulschiffes „Gorch Fock“ Quelle: Rolf Barkhorn
Kühlungsborn

Im Atelier der Kühlungsborner Künstlerin Jeannine Rafoth sind es nicht Farbtöpfe und Pinsel, die sofort ins Auge fallen, sondern Stoffe. Lose am Boden liegend, auf Holzrahmen gespannt oder in Säcken verpackt.

Ausgediente Segel als Grundmaterial für Bilder

Den Stoffen ist anzusehen, dass sie nicht neu sind, sondern schon benutzt wurden. Dabei handelt es sich um ausgediente Segel, die der Malerin von Schiffseignern überlassen wurden. Sie sind das Grundmaterial, aus dem die 44-Jährige ihre besonderen Bilder anfertigt.

Dabei hat so manches Stück Segel, das sie bemalt, eine interessante Geschichte. So wie das Baumwollsegel, dass ihr ein Kunde aus der Nähe von Hamburg für ein Auftragswerk extra gegeben hat. „Es stammte von einem Boot, dass in seiner Familie schon in der dritten Generation gesegelt wurde, welches die Eltern aber aus gesundheitlichen Gründen verkaufen mussten.“ Auf dem Stoff des Kunden malte Jeannine Rafoth die „Optima 98“ in Fahrt, ein besonderes Präsent des Auftraggebers an seine Eltern.

Ein Stück Segel von der „Gorch Fock

Einige Jahre auf dem Buckel hat auch das Baumwollsegel, das die Künstlerin kürzlich vom Kühlungsborner Segellehrer Christian Solzin geschenkt bekam. „Das stammt noch aus DDR-Zeiten“, berichtet die Segelmalerin. Die unterschiedliche Art der Nähte, die besondere Patina des Stoffes, beeinflusst von den Naturgewalten auf See, machen für sie jedes Stück besonders. Somit ist schon das Grundmaterial ihrer Bilder einmalig.

So wie der knappe Quadratmeter Segeltuch, der einst von den Rahen des Viermasters „Gorch Fock“ herunterhing. „Das hat mir jemand gegeben, dessen Sohn auf dem Schiff ausgebildet wurde. Es gehörte auf dem Schulschiff bislang zum Brauch, dass Seekadetten der ’Gorch Fock’ zum Abschied ein Stück Segel mitnehmen dürfen“, weiß Jeannine Rafoth. Dieses besondere Stück Tuch hat sie bisher noch nicht bemalt. „Ich glaube auch nicht, dass ich mich davon trennen kann“, meint sie lächelnd. Aber in der nächsten Ausstellung, Anfang September in Bad Doberan, will sie es trotzdem.

Fotografisches Gedächtnis hilft bei Realisierung

Dargestellt werden von der Kühlungsborner Künstlerin meistens Segelboote in Fahrt, ein beliebtes Motiv vor allem bei Urlaubern und Wassersportlern. Die Szenen wirken stark authentisch und auch die Proportionen passen. Dennoch verwendet die Segelmalerin keine Fotovorlagen für ihre Werke. „Ich habe ein gutes fotografisches Gedächtnis“, sagt die Künstlerin, die in Bergen auf Rügen geboren wurde und in Kühlungsborn aufwuchs. Für das Auftragswerk mit dem Tuch der Optima erhielt sie zwar Fotos vom Boot, allerdings lag es da ohne Segel im Hafen.

Der Titel des Bildes der Kühlungsborner Künstlerin Jeannine Rafoth (44), gemalt auf ausgedientem Segeltuch, heßit "ReTörn" Quelle: Rolf Barkhorn

Dass sie sich mit Segeln und maritimen Motiven auskenne und sich darauf spezialisiert habe, liege ihr auch im Blut. „Ich bin ein Küstenkind und Schiffe haben in meiner Familie seit Generationen schon immer eine Rolle gespielt“, sagt die Malerin, die als Jugendliche auch selbst das Segeln gelernt hat. Aber auch beruflich hatte sie schon mit Booten zu tun.

Jeannine Rafoth, die zunächst den Beruf der Bauzeichnerin erlernte, begann 1997 an der Fachschule für Angewandte Kunst in Heiligendamm Innenarchitektur zu studieren. In ihrer Diplomarbeit befasste sie sich mit „Raumdesign für Segelyachten“. Später entwickelte sie dann im Auftrag von Werften Raumkonzepte für Yachten.

Innenarchitektin ist Künstlerin im Nebenberuf

Als Innenarchitektin arbeitet Jeannine Rafoth auch heute noch. Die Malerei übt sie als Nebenberuf aus. „Dass das mehr als ein Hobby ist, habe ich gleich gemerkt, als ich damit angefangen habe“, sagt sie und erzählt, dass sie vor etwa zehn Jahren von einem Freund ein paar Quadratmeter Baunwollsegel bekam, das von einem älteren Segler stammte. „Ich wusste, dass ich daraus etwas machen könnte, habe auch alles erstmal gerahmt. Danach stand alles noch gut drei Jahre in meinem Keller herum.“ Als sie sich an die ersten Bilder gewagt hatte, ging alles ganz schnell. 2014 stellte sie ihre ersten Werke in der Galerie der Arztpraxis von Ralf Brau aus. „Er hatte mich auch dazu ermutigt, zu malen“, erinnert sich die Künstlerin.

Weil sich ihr Atelier nicht als Verkaufsraum eignet, und sie gern mit anderen Künstlern kooperiert unterhält die Kühlungsbornerin gemeinsam mit Katharina Sasse und Jörg Hauptmann die Galerie „MEERart“ im Alexandrinenhof in Bad Doberan. Dort kann man ihre Bilder auch kaufen. Auftragswerke führt sie auch aus, hat aber momentan damit auch gut zu tun. Und eines stellt Jeannine Rafoth auch klar: „Aufs Segeltuch kommen nur Schiffe! Andere Motive sind bei mir für dieses Material tabu“.

Nächste Ausstellung: ab 6.9. 2019 im Roten Pavillon in Bad DoberanKontakt: 017661747556

Rolf Barkhorn

Schon vor der Wende kannte Manfred Sürken das Ostseebad Kühlungsborn. Nach der Wende, im Februar 1991, übernahm der gebürtige Westfale dort den Campingplatz und machte ihn mit seinem Team zum touristischen Trendsetter.

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