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Bad Doberan Verletzt und verwaist: Hilfe für Igel in Not in Diedrichshagen
Mecklenburg Bad Doberan Verletzt und verwaist: Hilfe für Igel in Not in Diedrichshagen
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17:00 10.10.2019
Michaela Kleinsorge betreibt die Igelhilfe Rostock-Diedrichshagen, hilft verwaisten Igel-Babys und verletzten Igeln. Quelle: Anja Levien
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Diedrichshagen

Sie verstecken sich in ihren Freigehegen, haben sich im Pappkarton im Käfig zurückgezogen, um zu wachsen oder gesund zu werden. Doch wenn Michaela Kleinsorge kommt und sie abends in ihrem Garten laufen lässt, dann beginnt die Entdeckungsreise für die Igel. Unter den hilfsbedürftigen Tieren sind auch drei der fünf Igelbabys, die Lisa Busch im August verwaist am Straßenrand gefunden hat.Im Rathaus Bad Doberan hat die Ordnungsamtsmitarbeiterin sie aufgepäppelt. Unterstützung bekam sie dabei von Michaela Kleinsorge und der Igelhilfe Rostock-Diedrichshagen.

Seit 2013 hilft Michaela Kleinsorge den Vierbeinern. Vor allem kranke Tiere sind bei ihr in der Pflege: Igel, die vom Hund gebissen wurden oder unter den Mähroboter geraten sind. Hier arbeitet sie mit der Tierärztlichen Gemeinschaftspraxis von Barbara Richter und Tido Winkler zusammen. Von September bis November sind es oft verwaiste Igelbabys, die zu ihr gebracht werden und die sie aufpäppelt – so wie die Igel aus Bad Doberan. Hier war die Mutter überfahren worden.

Gewichtszunahme in Maßen

„An die 750 Gramm sollten die Igel wiegen, bevor sie ausgewildert werden“, sagt Kleinsorge. Doch zu schnell Gewicht zunehmen dürfen die Tiere auch nicht. „In der Aufwachsphase dürfen sie fünf Gramm pro Tag zulegen, später dann zehn Gramm. Wenn sie zu schnell wachsen, kommen die Stacheln nicht mit“, erläutert die 58-Jährige. Für die Igel gibt es Katzenfutter und Katzenmilch, zwei Mal die Woche rührt die Diedrichshägerin auch Rührei unters Futter und Fleisch oder gemahlene Eierschalen für den Kalkhaushalt.

Michaela Kleinsorge wiegt die Igel regelmäßig. 750 Gramm Gewicht müssen sie haben, bevor sie ausgewildert werden. Quelle: Anja Levien

Zwischen 230 und 250 Gramm haben die Doberaner Igel gewogen, als Michaela Kleinsorge sie am 20. September übernahm. Jetzt bringen sie um die 400 Gramm auf die Waage. Doch die Gewichtszunahme ist für die Auswilderung nicht alles. „Ich kann ihnen ja nicht vermitteln, was sie fressen dürfen, deshalb müssen sie mindestens sechs bis sieben Wochen im Freigehege sein“, sagt Michaela Kleinsorge. „Damit sie von selber lernen, mal einen Regenwurm zu essen.“ Auch die Gefahren, die in der Natur lauern, könne sie als Mensch nicht vermitteln. „Das übernimmt ja sonst die Mutter.“

Bis zu sechs Stunden Arbeit täglich

400 Quadratmeter Freigehege hat sie auf ihrem Grundstück in Diedrichshagen, auch eine Futterstelle, wo wild lebende Igel hinkommen. Fünf bis sechs Stunden braucht sie täglich fürs füttern, desinfizieren der Näpfe, reinigen der Käfige und Gehege sowie fürs Geben der Medikamente. „Gerade habe ich einen Igel mit Lungenentzündung, der bekommt Dampfbäder.“

Dieser Igel lebt seit 2016 im Garten von Michaela Kleinsorge. Er ist blind, Pestizide hätten ihm das Augenlicht genommen. Quelle: Anja Levien

Durch ihre Selbstständigkeit kann sich die Tierliebhaberin um die Igel kümmern. Sie sagt aber deutlich: „Ich bin kein kostenloser Recyclinghof für Wildtiere.“ Für die Igelhilfe gebe es keine Fördergelder. „Viele Leute sind nicht bereit, Kosten zu übernehmen“, sagt Michaela Kleinsorge in Bezug auf diejenigen, die die verletzten oder verwaisten Tiere abgeben. „Die meisten Kosten bezahle ich aus eigener Tasche, 20 Prozent sind Spenden.“

Igelhilfe

50 bis 70 Igel werden pro Jahr in der Igelhilfe Rostock-Diedrichshagen abgegeben.

2018 wurde das Projekt mit dem Umweltpreis der Stadt Rostock ausgezeichnet.

Spendenkonto: IBAN: DE20 1305 0000 1040 7953 46, BIC: NOLADE21ROS

Infos: www.igelhilfe-rostock-diedrichshagen.de

Mähroboter sind Gefahr für Igel

Dieses Jahr habe sie schon sehr vielen Igeln helfen müssen. Derzeit sind alle Plätze belegt. Vor allem Mähroboter sind immer eine Gefahr. Da der Igel kein Fluchttier sei, kugelt er sich bei Gefahr ein. Der Mähroboter nimmt das nicht als Widerstand war und überrollt ihn. Michaela Kleinsorge kämpft mit einer Unterschriftenpetition daher für ein Nachtverbot für Mähroboter, da Igel nachtaktiv sind. Auch zur Nachwuchszeit zwischen August und November sollten Mähflächen vorher kontrolliert werden, denn die Igel-Babys laufen tagsüber umher.

Die Liebe und das Interesse für die Tiere hatte Michaela Kleinsorge schon als Kind. „Ich habe alles aufgenommen, was mich anguckte und Hilfe brauchte“, sagt sie und lacht. 2003 ist sie aus dem Ruhrgebiet nach Warnemünde gezogen, hat sich erst bei der Igelhilfe Mecklenburg-Vorpommern engagiert, bevor sie ihre private Initiative startete.

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