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Bad Doberan Doberan hat seit 140 Jahren Gymnasium
Mecklenburg Bad Doberan Doberan hat seit 140 Jahren Gymnasium
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19:56 28.04.2019
Von Möckel erbautes Hauptgebäude der Friderico Francisceums in Bad Doberan. Quelle: Thomas Hoppe
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Bad Doberan

 „Es begann vor 140 Jahren mit 61 Schülern und vier Lehrern – heute sind wir 930 Schüler und 80 Lehrer“, rechnete am Samstagvormittag die Direktorin des Bad Doberaner Gymnasiums, Birgit Hacker, den Teilnehmern des diesjährigen Großen Altschülertreffens im modernen Foyer der Schule am Alexandrinenplatz vor. Die einstige Schülerin des Hauses, ist erst die zweite Frau an der Spitze der Schulleitung seit 1879 und die 15. Person auf diesem Posten.

Altschülertreffen 2019 im Friderico Francisceum. Quelle: Thomas Hoppe

Am Montag, dem 21. April 1879, war in Doberans heutiger Beethovenstraße ein Progymnasium eröffnet worden – im „Puppenhaus“ (nahe des Busbahnhofs).

Das mittlerweile verschwundene Gebäude war so genannt worden, weil seine Fassade zahlreiche Skulpturen zierten. Zehn Jahre später folgte dann die Eröffnung des nagelneuen, von Gotthilf Ludwig Möckel (1838-1915) erbauten Vollgymnasiums „Friderico Francisceum“. Genau an jener Stelle, wo zuvor das Schauspielhaus von Doberan gestanden hatte: „Ein richtig schicker Severin-Bau, mit Bühne und der Eingangs-Aufschrift ,Erkenne dich selbst’. Er wurde einfach abgerissen, hatte so ähnlich ausgesehen, wie das wunderschöne Herzogliche Palais. Hier waren einst berühmte Leute aufgetreten, wie Madame Catalani – alles was damals so angesagt war“, schwärmte die Bad Doberaner Gymnasiallehrerin und ausgebildete Stadterklärerin Jutta Klein, die interessierte Altschüler rund um den Kamp führte.

Frank Deutschmann, Lehrer im Gymnasium: „Wenn es unsere Schule nicht geben würde, wäre die Stadt tot.“ Quelle: Thomas Hoppe

Im Jahr 1885 hatten die ersten Schüler in Doberan ihr Abitur abgelegt. Es sollen früher auch relativ wenige ein Reifezeugnis bekommen haben, wusste Birgit Hacker noch zu berichten. Später war es im Möckel-Hauptgebäude allerdings zu eng geworden, weshalb man unter anderem ins „Prinzenpalais“ auswich und sich im Rahmen des „Nationalen Aufbauwerks“ der DDR „das Institut“ für die naturwissenschaftlichen Fächer mit Schülern und Lehrern selbst baute.

Dessen Abbruch, nachdem Anfang der 2000er Jahre nebenan ein von einem Stuttgarter Architekten entworfener Erweiterungsbau bezugsfertig geworden war, hatte der Geografie-, Sport- und Religionslehrer Frank Deutschmann, heute hier der dienstälteste Pädagoge, in seiner Freizeit auf S-VHS-Filmkassette gebannt. Diese historischen Szenen und das Entstehen des Anbaus präsentierte der Mann am Samstag – mittlerweile digitalisiert –in einer Filmvorführung: „Der Rohbau der neuen Schule sah zunächst aus, wie ein Parkhaus.“

Bechtold Graf von Bernstorff: „Ich habe gute Erinnerungen an Doberan. Nur in Latein hatte ich Schwierigkeiten.“ Quelle: Thomas Hoppe

„Das Gebäude hier ist doch toll. Es hat sich wirklich viel verändert. Eine Schande ist aber, dass der Fachwerkbau nebenan (die alte Remise) immer mehr vergammelt. Das Haus müsste dringend saniert werden, wenn das überhaupt noch geht“, sagte Bechtold Graf von Bernstorff.

Der heute 89-Jährige war von 1943 bis 1945 an der Bad Doberaner Schule. Er hat daran sehr gute Erinnerungen, obwohl er dann das Abitur 1949 in Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein machen musste, weil er in Mecklenburg nicht mehr zum Gymnasium gehen durfte: „Mein Vater war der Gutsbesitzer von Alt Karin. Er wurde bei der Bodenreform enteignet und Herr Herzog, wollte als Präsident des Bundesverfassungsgerichts keine Rückübertragung – wir hatten gegen die Enteignung geklagt.“ Nach dem Abitur hatte Graf von Bernstorff „zwei Jahre im Molkereifach gelernt“, bevor er zur neuen Bundeswehr ging und schließlich als Oberst pensioniert wurde. Danach war er noch viele Jahre Nigeria-Referent im Wirtschaftsverband „Afrika-Verein“: „Da warnte ich vor Betrügereien, auch manchmal die Nigerianer.“

Mia Smilla Susemihl: „Ich könnte mir vorstellen, später dem Ehemaligen-Verein beizutreten.“ Quelle: Thomas Hoppe

Solche Geschichten interessieren Mia Smilla Susemihl sehr. Die 17-Jährige war am vergangenen Freitag am sogenannten Zeitzeugentag ihres Gymnasiums mit Ute Tödter zusammengetroffen. Die 94-Jährige soll sehr anschaulich den Schülern aus ihrem Alttag berichtet, aber auch in längst vergangene Zeiten geblickt haben. „Ein solcher Kontakt mit älteren Menschen sollte viel öfter passieren“, meinte die Bad Doberanerin. „Das sind Erfahrungen, daraus können wir auch was lernen!“

Martin Mertink hatte am Freitag Eugen Mütze im zweistündigen Gespräch. „Der einstige Stettiner berichtete uns von seiner Flucht nach Kühlungsborn und von seinem Ausschluss aus der FDJ (Freie Deutsche Jugend der DDR), wonach er in den Westen ging“. Diese Möglichkeit mit lebenserfahrenen Leute zu reden, finde er „total schön“, betonte der 17-Jährige, dessen beide Großväter bereits tot sind. „Unsere Runde hätte ruhig noch eine Stunde länger gehen können“, sagte der Elftklässler und bedauerte ebenfalls, dass es diese Gelegenheit für ihn nur einmal gebe.  

Karl Mertink: „Unsere Zeitzeugen-Runde hätte ruhig noch eine Stunde länger gehen können.“ Quelle: Thomas Hoppe

Den Zeitzeugentag organisiert der derzeit 90-köpfige Verein ehemaliger Doberaner Schüler und Schülerinnen. „Diese 140 Jahre leben durch uns, durch uns Ehemalige. Wir halten die Tradition aufrecht – vor allem wir als Verein“, erklärte dazu die Vereinsvorsitzende Dr. Margot Gräfe. Und Mia Smilla Susemihl kann sich bereits vorstellen, hier einmal Vereinsmitglied zu werden: „Weil ich das einfach interessant finde.“

Thomas Hoppe

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