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Bad Doberan Doberaner wehren sich gegen neue Straße
Mecklenburg Bad Doberan Doberaner wehren sich gegen neue Straße
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17:00 03.02.2019
Die Straße Am Fuchsberg ist in schlechtem Zustand und für Gegenverkehr nicht ausgelegt. Adelheid Kunas (l.), Karin und Detlev Westendorf wollen mehr Verkehr im Wohngebiet verhindern, den sie mit dem Neubau der Straße erwarten.
Die Straße Am Fuchsberg ist in schlechtem Zustand und für Gegenverkehr nicht ausgelegt. Adelheid Kunas (l.), Karin und Detlev Westendorf wollen mehr Verkehr im Wohngebiet verhindern, den sie mit dem Neubau der Straße erwarten. Quelle: Anja Levien
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Bad Doberan

In Bad Doberan gibt es Widerstand gegen die Pläne der Stadt, eine Verbindungsstraße vom Gewerbegebiet Eikboom nach Althof zu bauen. Während der Informationsveranstaltung im Rathaus zum neuen Verkehrskonzept äußerten mehrere Anwohner der betroffenen Wohngebiete ihren Unmut. Tenor: Die Wohngebiete seien nicht für den Durchgangsverkehr ausgelegt.

Grafik für Online-Nutzung als jpg-Bilddatei. Verbindungsstraße Eikboom nach Althof für online Quelle: Arno Zill

Mit der Erweiterung des Gewerbegebiets Eikboom möchte die Stadt Bad Doberan die Eikboomstraße sowie Am Waldrand im Gewerbegebiet weiterbauen. Letztere soll östlich an den Wohngebieten Parkentiner Landweg und Fuchsberg mit Anschluss in diese entlangführen. Anders als bisher geplant, soll die Straße weiter über den Althöfer Bach bis an den Althöfer Weg gebaut werden. Der Zweck: Verkehrsberuhigung der Innenstadt und des Buchenberges.

1988 hat Detlev Westendorf im Wohngebiet Fuchsberg gebaut. Die Straße vor seiner Haustür ist im desolaten Zustand. Begegnungsverkehr ist hier kaum möglich. Wenn die neue Verbindungsstraße kommt, ist der Bad Doberaner sicher, wird es hier mehr Verkehr geben. „Wir als Bewohner der Wohngebiete Fuchsberg und Hasenberg lehnen das ab“, sagt Detlev Westendorf. „Wo ist hier die Verbesserung? Sie beruhigen nicht die Innenstadt, sondern beunruhigen die Ortsteile“, sagt er. Hinzu komme, dass die Straße Am Fuchsberg nie als Durchgangsstraße gedacht gewesen sei.

Straße muss bis Althof gebaut werden

Im Bebauungsplan sei die Verbindungsstraße vorgesehen, sagt Bauamtsleiter Norbert Sass. Sie sei notwendig, bisher gebe es nur eine Zufahrtsstraße zum Wohngebiet. Die Entlastung beziehe sich auf die Fritz-Reuter-Straße und die Buchenberg-Kreuzung. Damit es keinen Durchgangsverkehr durch das Wohngebiet Fuchsberg gebe, müsse die Straße bis nach Althof gebaut werden.

Schmal und beengt: Die Straße in Althof wird bereits jetzt als Verbindung zwischen Hohenfelde und der B105 genutzt. Quelle: Anja Levien

Dagegen wehren sich jedoch die Althöfer. „Wenn die Straße kommt, wird es einen Umgebungsverkehr durch Althof geben“, sagt Dr. Joachim Frenkel. „Zur Entlastung der Innenstadt ist das inakzeptabel. Der Straßenquerschnitt gibt das in keinster Weise her.“ Der Gehweg ist bereits Teil der Straße, zudem gibt es einige Engstellen im Ort. Und schon jetzt beschweren sich die Althöfer über den vielen Verkehr, denn Autofahrer nutzten den Weg als Verbindung von der Landesstraße 12 in Hohenfelde Richtung B 105.

„Wir wollen nicht mehr Verkehr in Althof, wir wollen keine zusätzliche Belastung“, sagt Bürgermeister Thorsten Semrau (parteilos). Die Verbindungsstraße solle nicht aus Jux und Dallerei gebaut werden. „Sie soll Verkehre abfließen lassen, den Buchenberg entlasten und wir haben einen Stadtvertreterbeschluss dazu.“

„Althof darf nicht als Verlierer dastehen“

Althof sei nicht geeignet, um Durchgangsverkehr aufzunehmen, sagt auch Bauamstleiter Norbert Sass. „Deshalb ist es unsere Aufgabe, das zu lösen. Wir sorgen dafür, dass Althof als Durchgangsort nicht missbraucht wird. Althof darf nicht als Verlierer dastehen.“

Sönke Reise, Professor für Verkehrslogistik an der Hochschule Wismar und Bad Doberaner, weist darauf hin, dass es eine Menge Möglichkeiten gebe, den Verkehr in Althof zu regeln. „Man kann die Straße in Atlhof zum Beispiel für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen sperren oder sie nur für Anwohner freigeben“, sagte er. Schon zwei Mal war versucht worden, für Althof eine Teileinziehung zu bewirken. Heißt: Die Straße wäre nur für Anwohner frei gegeben. Das war laut Bürgermeister Semrau beim ersten Mal an der Gemeinde Hohenfelde und 2014 am Landkreis Rostock gescheitert. Jetzt könnte ein neuer Anlauf gestartet werden.

Auf Nachfrage, welche Beteiligungsmöglichkeiten die Bürger jetzt noch hätten, antwortete Norbert Sass, dass das Verkehrskonzept in die Fachausschüsse gehe und dann von der Stadtvertreterversammlung beschlossen werden muss.

Verkehrskonzept

Das Verkehrskonzept bezieht sich auf die Stadt Bad Doberan sowie die Ortsteile Heiligendamm, Vorder Bollhagen und Althof. Es betrachte, wie der Verkehr künftig geregelt werden kann, wo Temporeduzierungen sinnvoll sind, wo es im Radwegenetz Verbesserungsbedarf gibt oder wo weitere Bushaltestellen empfehlenswert sind.

Hinweise und Anregungen, die Bürger bis zum 30. Juni 2018 einreichen konnten, sind zum Teil eingearbeitet worden. Während der Präsentation des Konzeptes wurde deutlich, dass nicht alle Hinweise Rücksicht fanden, zum Teil den Planern der von der Stadt beauftragten Firma Dorsch Consult nicht bekannt waren. So wurde beispielsweise eine Fußgängerinsel für die Kreuzung Parkentiner Weg/ B 105 noch mit aufgenommen.

Anja Levien

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