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Bad Doberan Wie wird Doberans Innenstadt attraktiver?
Mecklenburg Bad Doberan Wie wird Doberans Innenstadt attraktiver?
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11:31 10.11.2018
Bad Doberan von oben: Derzeit wird diskutiert, wie die Innenstadt attraktiver werden könnte. Quelle: Manfred Sander
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Bad Doberan

Es sind alarmierende Zahlen: „Über das Jahr gesehen verlieren wir rund 60 Prozent unseres Umsatzes ans Internet“, sagt Gert Schöll. „Weihnachten sind es sogar bis zu 90 Prozent.“ Der Online-Faktor werde im Einzelhandel die Zukunft bestimmen, ist der Inhaber des Schreibwaren- und Spielzeuggeschäftes „Schatzinsel“ im Einkaufszentrum Am Handelspark überzeugt. Wie die Kunden dennoch den Weg in die Läden vor Ort finden können – darüber diskutierten jetzt rund 30 Einzelhändler bei einem Workshop im Doberaner Rathaus.

Dabei müsse der Fokus nicht in erster Linie auf den Einheimischen liegen, machte Mark Hädicke deutlich. Der Projektleiter bei der Hamburger Gesellschaft „Cima Beratung + Management“ entwickelt aktuell gemeinsam mit der Stadt ein zukunftsträchtiges Einzelhandelskonzept. „Auch die Touristen sind ein wichtiger Aspekt – die wollen nicht im Internet fündig werden, sondern eher in der Stadt bummeln und einkaufen.“ Ein Manko: „Es gibt im Zentrum keine größeren Läden“, so Hädicke. „Oftmals ziehen solche Magneten aber auch die Leute an.“

Doch genau das brauche Bad Doberan eben nicht, ist Claudia Timm überzeugt: „Gerade diese Kleinteiligkeit macht unsere Stadt doch aus“, meinte die Inhaberin des Schuhhauses Boock am Kamp. „Das kann auch eine Chance sein – die Menschen haben die Massen-Geschichten satt.“ Einen größeren zentralen Punkt gebe es aber doch, sagte Norbert Sass, Leiter im Amt für Stadtplanung: „Das Einkaufszentrum mit dem Netto-Discounter an der Verbindungsstraße hat in der Innenstadt das größte Entwicklungspotenzial – der Bebauungsplan macht so viel mehr möglich als das, was wir hier aktuell vorfinden.“ Deshalb appelliere er an den Eigentümer, das gesamte Areal zu überdenken, so Sass: „Wir sind für jeden Vorschlag offen – die Stadt ist bereit zu folgen.“

Unlogische Wege, zu wenig Parkplätze

Ob attraktiv oder nicht – „das gesamte Gebiet ist doch relativ versteckt“, meinte Gert Schöll. „Vor allem die Wegeführung dorthin ist nicht logisch.“ Man sollte die Fläche als Ganzes sehen und entwickeln – „auch zur Severinstraße hin“, schlug der Unternehmer vor. So könnte hier etwa künftig der Eingang zu einem modernen Einkaufszentrum sein: „Dann wäre auch die Baulücke sinnvoll geschlossen – und wir hätten doch einen attraktiven Magneten.“

Ebenfalls ein großer Aspekt: „Unsere Kunden bemängeln immer wieder die schlechte Parkplatz-Situation“, sagte Claudia Timm. „Und die Situation wird ja nicht besser – durch bauliche Veränderungen fallen ganz leise immer mehr Stellflächen weg.“ Eine Telefon-Befragung von 400 Haushalten in Bad Doberan sowie dem Nahbereich hätte hier vor einigen Wochen etwas anderes ergeben, entgegnete Mark Hädicke: „Demnach gibt es nicht zu wenig Parkplätze – sondern man findet sie einfach schlecht.“ Möglicherweise würde hier ein Leitsystem Abhilfe schaffen, erklärte der Projektleiter. „Dazu muss auch die Parkpalette attraktiver werden – unter anderem könnte man über eine bessere Beleuchtung nachdenken.“

Auffällig: „Als die Autos auf dem Parkdeck noch kostenlos stehen konnten, war es hier immer voll“, sagte Norbert Sass. „Seit einiger Zeit muss man 50 Cent bezahlen – und das Deck ist nur noch spärlich belegt.“ Und das, obwohl schon Dauerparker die Hälfte der Palette nutzten, so Sass: „Am Wochenende ist es hier so leer, dass man locker Fußball spielen kann.“

Aktuelle Konzepte sollen gemeinsam bewertet werden

Für Doberans Einzelhändler seien die Tagestouristen entscheidend, machte Lutz Hinze deutlich: „Deshalb kann es beispielsweise auch nicht sein, dass in der Mollistraße die Müllautos vorfahren, wenn die Gäste mittags auf den Terrassen sitzen“, sagte der Betreiber von „Edda’s Tee-Lädchen“. Auch das Be- und Entladen von Transportern müsse besser koordiniert werden, ist Hinze überzeugt: „Deshalb sollten das Tourismus-, Verkehrs- und Einzelhandelskonzept zusammen bewertet werden.“

Bestes Beispiel: „Wenn die Klinik-Patienten am Wochenende frei haben und in die Stadt wollen, gibt es keinen öffentlichen Nahverkehr.“ Auch Besucher aus dem Umland kämen dann nicht per Bus ins Zentrum, so Hinze. In diesem Zusammenhang sollten die Händler auch über die Öffnungszeiten am Samstag nachdenken, erklärte Mark Hädicke: „Nach Messungen sind etwa im Rostocker KTC oder im Ostseepark Sievershagen die Stoßzeiten um 16 Uhr – dann haben in Bad Doberan die Läden aber schon geschlossen.“ Potenzielle Kunden würden sich deshalb gar nicht erst auf den Weg in die Münsterstadt machen, meinte der Cima-Projektleiter.

Kulturelles Potenzial mehr in den Fokus rücken

Dass die Innenstadt auch außerhalb von Laden-Öffnungszeiten für Besucher attraktiv sein könnte – davon ist Gert Schöll überzeugt: „Der Hunger der Leute nach Kultur ist da – warum gibt es nicht regelmäßige Kunsthandwerker-Märkte auf dem Kamp oder dem Markt, warum hören wir keine Straßenmusik?“ Selbst ein gut organisierter Trödelmarkt könne charmant sein, so Schöll: „Es muss nur jemand den Hut aufhaben.“

Ihr sei die Stadt insgesamt viel zu grau, bemängelte einmal mehr Karin Schwede, die an der Severinstraße einen Presseshop betreibt: „Es fängt bei den hässlichen grauen Pflanzen-Kübeln auf dem Markt an, das Rathaus ist kein Hingucker, die neuen Fahrradständer am Alexandrinenplatz sind unter aller Würde – und auch der Kamp könnte viel schöner aussehen.“ Um hier wieder mehr Farbe ins Spiel zu bringen, brauche es eine Person im Amt, die auch mal raus gehe und nicht nur hinter dem Büroschreibtisch sitze, machte Schwede deutlich: „Es fehlt in Doberan ein gutes Aufenthaltsgefühl – genau hier müssen wir ansetzen.“

Lennart Plottke

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