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Bad Doberan Kröpeliner Stadtvertreter: „Ohne Ehrenamt bewegt sich nichts“
Mecklenburg Bad Doberan

Ehrenamt im Landkreis Rostock: Paul Schlutow engagiert sich seit mehr als 40 Jahren

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20:19 15.01.2020
Der Kröpeliner Paul Schlutow (73) engagiert sich seit über 40 Jahren ehrenamtlich. Quelle: Thomas Hoppe
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Kröpelin

„Bereits in jungen Jahren, in den 1970ern, habe ich ehrenamtlich im Kreistag angefangen und parallel auch als sachkundiger Einwohner, wie wir heute sagen würden, im Bauausschuss der Stadtvertretung“, blickt der gebürtige Kröpeliner Paul Schlutow – heute im 74. Lebensjahr – auf die Anfänge seiner ehrenamtlichen Arbeit zurück.

Auch wenn sich der junge Elektriker Paul Schlutow in Kröpelins Bauausschuss, dem überwiegend Handwerker angehörten, eher zurückhaltend eingebracht haben will – weil er doch großen Respekt vor den „Altvorderen der Stadt“, wie dem Dachdecker- oder dem Antennenbaumeister, hatte – durch seine ehrenamtliche Arbeit keimte bei ihm das Interesse an hauptamtlicher Tätigkeit im damaligen Rat des Kreises.

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„Ich mochte gern Rechnen und mit Zahlen umgehen“, sagt heute der einstige stellvertretende Referatsleiter „Preise“ dazu. Denn auch in den beratenden Ausschüssen waren die Haushaltspläne des Kreises bzw. der Stadt behandelt worden oder es ging um Anträge auf „einmalige finanzielle Mittel“ für kommunale Baumaßnahmen.

Antrittsrede beim Schützenverein

Doch mit dem Ehrenamt hatte auch der Hauptamtliche immer wieder engen Kontakt: ob ab 1979 als stellvertretender Bürgermeister in Neubukow, ab Oktober 1981 als dann langjähriger Satower Rathauschef, als Leitender Verwaltungsangestellter des Amtes Satow oder ab 1999 als Bürgermeister von Kröpelin: „Meine erste Bewerbungs- und Antrittsrede als Bürgermeister von Kröpelin habe ich beim Schützenverein gehalten – ich stand ihnen nah und sie mir.“

Seit dem Jahr 2004 ist Paul Schlutow Mitglied der Schützenzunft von 1673.

„Ohne Ehrenamt konnten sie nichts bewegen“ und „Vereinsarbeit ging nur gemeinsam mit der Kommune, weil die wichtige Voraussetzungen hatte“, erklärt er die beiden Seiten einer Medaille. Unvergessen ist für ihn eine Satower Karnevalvereinsaktion, als er in der ersten Hälfte der 1980er Jahre vom Präsidenten und Lehrer Klaus Hagemann ein paar extra angefertigte Schuhe überreicht bekam, deren Hacken vorn angeklebt waren: „Damit der Bürgermeister weiter glauben kann, dass es immer aufwärts geht.“

Der Kröpeliner Paul Schlutow (73) mit Schuhen, die die Hacken vorn haben. Quelle: Thomas Hoppe

Mitbegründer von Vereinen nach der Wende

Als Bürgermeister gehörte er nach der politischen Wende von 1989/90 selbst zu Mitbegründern von Vereinen, welche dann auch erst in Register eingetragen wurden. So gab es in Satow ab 1991 den „Gemeinnützigen Verein zur Umwelt-, Dorf-, Verkehrs- und Altlastensanierung“: „Dieser Verein konnte Leuten Arbeit und Brot geben, als diese große Arbeitslosigkeit in der Landwirtschaft kam.“ In Kröpelin rief Paul Schlutow 1999 gemeinsam mit Reinhard „Hoppel“ Hoffmann den Verein „Freundliche Stadt“ ins Leben, um den Weihnachtsmarkt und das Maibaumfest auf die Beine stellen zu können. 2016 löste sich der Verein aufgrund fehlender Mitglieder auf.

Doch dass die Bürger heutzutage mehr ihr Eigeninteresse verfolgen würden, könne er nicht sehen, betont Paul Schlutow und führt als Beleg seine Fraktion der Freien Wähler in Kröpelin an: „Es freut mich, dass zu uns junge Menschen kommen. Wir haben zwar nur eine Frau dabei, das tut mir auch weh, aber die jungen Männer – darunter einige Fußballer – sind alle aktiv und es macht ihnen Spaß. Das gefällt mir und macht mir ebenso Spaß.“

Noch seien auch seine Erfahrungen aus jahrelanger ehrenamtlicher Mitwirkung in der Volksvertretung gefragt. Auch wenn seine Frau immer sage, er arbeite da zu wissenschaftlich, behalte er doch zu jedem Vorgang eine detaillierte Übersicht, „von Anfang an“. Paul Schlutow ist auch bekannt dafür, dass er in öffentlichen Stadtvertretersitzungen hin und wieder mahnend auf relevante Verordnungen und Gesetze verweist.

Wunsch: Entschädigung für Feuerwehrkameraden

Warum gibt sich der seit 1968 verheiratete Vater von zwei Kindern und Opa von zwei Enkeln da solche Mühe? „Die Entwicklung der Städte Kröpelin und auch Satow hat mich immer interessiert und interessiert mich heute noch. Besonders, wenn zu erkennen ist, das was vorwärts geht. Dass sich die Infrastruktur weiterentwickelt und die Vereine erfolgreich arbeiten“, antwortet Paul Schlutow und ergänzt, dass er auch zum Kröpeliner Feuerwehrverein gehört, förderndes Mitglied des Karnevalvereins ist und überhaupt vielen Vereinen nahesteht. Für jeden Feuerwehrkameraden wünsche er sich künftig eine Entschädigung, „so, wie für das Ehrenamt uns Stadtvertretern 25 Euro gezahlt werden“: „Feuerwehrleute rücken zu Bränden aus, haben Ausbildung, halten ihre Ausrüstungen und Fahrzeuge in Schuss.“

Bisher erschienen:

Teil 1: Zwölf Frauen aus dem Landkreis Rostock für Ehrenamt ausgezeichnet

Teil 2:Stromleitung für Feste verlegt: Gorower packen selbst an

Teil 3: Jan Holze von der Ehrenamtsstiftung MV im Interview

Teil 4: Hastorferin nutzt Berufserfahrung für Ehrenamt

Teil 5: Ministerin Drese: Größerer Fokus auf das Ehrenamt

Teil 6:19-Jähriger engagiert sich für Kinder

Teil 7:Beirat in Bad Doberan engagiert sich für Senioren

Teil 8: Initiative bringt Leben nach Wichmannsdorf

Teil 9:Ehrenamt Feuerwehr: Ein ganz besonderer Einsatz

Von Thomas Hoppe

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