Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan Ein sportliches Leben fürs Ehrenamt
Mecklenburg Bad Doberan Ein sportliches Leben fürs Ehrenamt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:07 25.01.2019
Jede Menge Pokale, Bälle, Fotos und andere Andenken: Klaus Düsing vor seiner "Sport-Ecke". Quelle: Lennart Plottke
Anzeige
Bad Doberan

Moin Peter!“, „Tag Uli!“, „Hallo Gerd!“ Wenn Klaus Düsing durch die Doberaner Mollistraße geht, kommt er aus dem Grüßen gar nicht mehr heraus. Ein Winken hier, ein Kopfnicken da – der 71-Jährige ist in der Münsterstadt offenbar bekannt wie ein bunter Hund. Kein Wunder – nimmt er doch seit Jahrzehnten aktiv am gesellschaftlichen und sportlichen Leben teil. Ein Engagement, was auch Manuela Schwesig nicht verborgen geblieben ist: Die Ministerpräsidentin zeichnete Klaus Düsing jetzt mit der „Ehrennadel für besondere Verdienste im Ehrenamt in Mecklenburg-Vorpommern“ aus. „Dass ein Urgestein unserer Stadt so gewürdigt wird – darauf können wir als Doberaner schon stolz sein“, meint Bürgermeister Thorsten Semrau (parteilos). „Ein bisschen haben wir das ja auch mit initiiert – um einfach mal Danke zu sagen.“

„Dass ein Urgestein unserer Stadt so gewürdigt wird – darauf können wir als Doberaner schon stolz sein.“ Bad Doberans Bürgermeister Thorsten Semrau Quelle: Anja Levien

Denn Düsing sei immer an vorderster Front aktiv, immer unterwegs, so Semrau: „Und das vor allem auch im Sportbereich.“ Kann Andreas Jahncke nur bestätigen: „Klaus ist sich keiner zusätzlichen Aufgabe zu schade“, sagt der Vorsitzende des Doberaner Fußballclubs. „Der Verein hat mit ihm seit vielen Jahren einen verlässlichen, leidenschaftlichen und liebenswerten Sportfreund in seinen Reihen.“

Anzeige

Beim Doberaner FC Mann für alles

Ob als Betreuer der DFC-Altherrenmannschaft Ü50, Kassierer bei Heimspielen oder beim Budenzauber und Sommerfest –Düsing ist immer mittendrin, statt nur dabei. Für den so hoch Gelobten eine Selbstverständlichkeit: „Beim Sport bin ich mit vielen Leuten zusammen, es ist immer was los – das ist mir sehr wichtig.“

1958 begann der heute 71-Jährige bei der BSG Lok Bad Doberan mit dem Fußball spielen. Nach einem Sportunfall zehn Jahre später musste er die Fußballschuhe schon wieder an den Nagel hängen – und blieb dem Sport dennoch in vielen Bereichen treu. Zunächst als Betreuer einer Betriebsmannschaft, übernahm Düsing auch nach der Wende im damals neu gegründeten Doberaner Sportverein Verantwortung. „Für Klaus war es selbstverständlich, mit viel Leidenschaft und Engagement montags, mittwochs und freitags für seine Altherren-Teams da zu sein“, erinnert sich Andreas Jahncke. „Und als sich 2011 der Doberaner Fußballclub gründete, hat er uns gerade in den ersten Jahren der Eigenständigkeit enorm geholfen.“

Schwere Zeit in den 1990er-Jahren

Dabei gab es im Leben des umtriebigen Mannes nicht nur Sonnentage. „Zwischen 1993 und 1998 musste ich viele Schicksalsschläge verkraften – ich konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht viel machen“, sagt Klaus Düsing. „Und als 1999 meine Frau und mein Bruder gestorben sind, hatte ich die Wahl: Entweder nur noch vor dem Fernseher sitzen und zur Flasche greifen – oder kämpfen und weitermachen.“

Er hat sich für die zweite Variante entschieden – und das nicht nur im sportlichen Sinne. „Als Mitglied im Bund der Ruhestandsbeamten, Rentner und Hinterbliebenen war ich hier bis zur Auflösung 2017 als Unterkassierer im Einsatz“, so Düsing. Eine Aufgabe, die ihm nicht fremd war – denn schon zu DDR-Zeiten hatte der gelernte Heizungs- und Lüftungsmonteur in der Revisionskommission des Bezirksvorstandes der IG Bau-Holz Rostock mitgearbeitet.

„Dazu war ich als Gewerkschaftsmitglied seit den 1970er-Jahren für den Sport im Betrieb verantwortlich“, sagt Düsing, der ein Vierteljahrhundert im Doberaner Betriebsteil des IHB Wismar tätig war. Dabei heimste er schon damals diverse Auszeichnungen ein – etwa den Orden „Banner der Arbeit“ sowie mehrere Verdienstmedaillen und Bestenabzeichen.

Gruppenbild mit Ministerpräsidentin: Klaus Düsing (r.) bei der Ehrung im Neustädtischen Palais in Schwerin. Quelle: Staatskanzlei MV

„Sport-Ecke“ mit Pokalen und vielen Erinnerungen

Heutzutage finden sich in Düsings Wohnung andere Schätze: In seiner „Sport-Ecke“ stehen jede Menge Pokale, Erinnerungsfotos oder besondere Bälle – darunter ein Lederball von Hansa Rostock: „Den haben sie vor Jahren mal auf die Tribüne geschossen – und ich habe ihn tatsächlich gefangen.“ Seit etlichen Jahren ist Klaus Düsing Hansa-Fan und -Mitglied – und hat dennoch in dieser Saison noch kein Live-Spiel im Ostseestadion gesehen. „Seit einem halben Jahr schlage ich mich mit den Folgen einer Hüft-OP herum“, erklärt der sonst so aktive Mann. „Deshalb bin ich auch noch auf Krücken angewiesen.“

Für Düsing eine große Einschränkung – ist er doch normalerweise leidenschaftlicher Radfahrer: „Ich habe mir vor einiger Zeit sogar ein E-Bike zugelegt – hoffentlich kann ich das bald wieder nutzen.“ Auch, wenn er im Moment sehr eingeschränkt ist – seine Doberaner Fußball-Mannschaft hat er trotzdem im Blick: „Ich suche noch Ü50-Spieler, die vernünftig kicken können – vielleicht finden sich ja in den neuen Wohngebieten ein paar Mitstreiter.“

Jetzt muss Klaus Düsing aber weiter. Sein Stammtisch hinten rechts in der Stadtbäckerei am Markt wartet. „Hier treffen sich jeden Tag fünf, sechs Leute zu ihrer Frühstücksrunde“, erklärt der 71-Jährige. „Unter Menschen sein, die morgendlichen Gespräche, der Trubel – ich brauche das. Das ist mein Leben.“

Lennart Plottke