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Bad Doberan Eine Tonne Lebensmittel für Bedürftige aus Bad Doberan
Mecklenburg Bad Doberan Eine Tonne Lebensmittel für Bedürftige aus Bad Doberan
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17:00 29.01.2019
v.l.: Erika Mahnke, Thomas Löffler, Solveig Bannasch, Ramona Käther und Manuela Ruwoldt sorgen für einen reibungslosen Ablauf der Lebensmittelausgabe in Bad Doberan. Quelle: Moritz Naumann
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Bad Doberan

Eine Tonne Brot, Gemüse und Co.: So viel Lebensmittel sammelt die Bad Doberaner Tafel auf einer Tour bei den Supermärkten der Umgebung ein. Dank vieler Kooperationen und zahlreicher Spender wird nun seit knapp zwei Jahren drei Mal in der Woche eine Ausgabe für Bedürftige in Kröpelin und Bad Doberan organisiert. Die OSTSEE-ZEITUNG hat den gemeinnützigen Verein einen Tag lang bei seiner Arbeit begleitet.

„Ich war aufgeregt“, sagt Rüdiger Rossmann während er den 3,5-Tonnen-Transporter der Doberaner Tafel nach Kröpelin fährt. Er arbeitet erst seit zwei Wochen als Fahrer und ist das erste Mal mit Ramona Käther unterwegs, die den Job schon zwei Jahre macht. „Man weiß ja nicht, wie man sich versteht“, sagt Rossmann, der bis vor einem halben Jahr noch Leiter der Doberaner Kläranlage war.

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120 Kilometer für 30 Rampen

Rüdiger Rossmann und Ramona Käther fahren mit dem Tafel-Transporter 120 Kilometer um Lebensmittel von 30 Händlern aus der Umgebung zu erhalten. Quelle: Moritz Naumann

„Um 8 Uhr geht es immer los“, sagt Ramona Käther, die sowohl für die Teamleitung der Doberaner als auch Kröpeliner Tafel zuständig ist. Sie begleitet Rossmann, hilft bei der Sortierung der Lebensmittel und redet mit den Händlern. Die Tour startet in Sievershagen und führt die Beiden über die Laderampen von Edeka, Aldi oder Netto. Auf einer Tour hält der Transporter bei etwa 30 Händlern, fährt 120 Kilometer und sammelt im Schnitt etwa eine Tonne Lebensmittel, die sich für den regulären Verkauf nicht mehr eignen.

Um 15 Uhr, nach etwa sieben Stunden, kommt der Transporter an der Buchenbergschule an. In der dortigen Mensa findet Mittwochs und Freitags die Lebensmittelausgabe statt. „Heute ist es nicht so viel – etwas mehr 100 Kisten vielleicht“, sagt Thomas Löffler, der auf der Ladefläche die Kisten bereitstellt. Drinnen wartet schon Solveig Bannasch darauf, die Waren zu sortieren. „Ich bin heute etwas fertig, hing heute morgen am Tropf“, sagt die 40-Jährige, die wegen eines Brustkrebs gerade eine Chemotherapie macht. Warum die gelernte Friseurin hilft? „Mir fällt sonst die Decke auf den Kopf. Hier kann ich was gutes tun“, sagt sie mit einem Lächeln.

Tafel-Tisch oder Hänger?

Alle Lebensmittel werden verwertet: Jede Tomate, jede Weintraube oder Gurke wird genau inspiziert, bevor sie entweder den Weg auf den „Tafel-Tisch“ oder in den Hänger vor der Mensa antritt. „Den Hänger holt sich dann ein Bauer für sein Vieh“, sagt Ramona Käther. Immer mehr Helfer kommen in die Mensa – unter ihnen auch Reinhard Firzlaff. Der ehemalige Berliner Bauingenieur engagiert sich aus Idealismus: „Ich kann hier Lebensmittel retten, Menschen helfen und außerdem meint meine Frau, dass ich eine Beschäftigung brauche“, sagt Firzlaff und lacht.

Ab 17 Uhr sammeln sich schon die ersten Menschen vor der Tür. Doch wer zuerst kommt, ist nicht automatisch als erstes dran. Denn jeder, der bei der Tafel einkaufen darf, ist mit einer Nummer registriert. „Jede Woche beginnen wir mit einer anderen Nummer. So ist jeder Mal Erster“, sagt Katrin Stracke, Koordinatorin der Tafel. In Bad Doberan seien etwa 80 Lebensgemeinschaften gemeldet, die berechtigt sind, bei der Tafel einzukaufen.

Zwei Euro pro Beutel

„Heute beginnen wir mit den Vierzigern“, sagt Ursula Reiter. Die 78-Jährige sitzt am Eingang und streicht auf der vorgefertigten Liste die Namen und Nummern der Einkaufenden ab. Draußen herrschen Minusgrade. Martina Haye wartet wie jede Woche vor der Mensatür. „Ich bin eine 80ér- Nummer“, sagt die 55-Jährige, die mit 600 Euro im Monat auskommen muss.

18 Uhr ist es dann soweit: Die Tür öffnet sich. Innerhalb einer halben Stunde werden die etwa zwanzig bis dreißig wartenden Personen durch die Mensa geführt – immer in Gruppen von maximal zwei bis vier Leuten. „Ich hoffe, es bleibt noch Wurst übrig, denn die ist oft schnell vegriffen“, sagt Martina Haye.

Für vier Euro erhalten Bedürftige zwei Beutel voller Lebensmittel, die sonst womöglich im Müll landen würden. Quelle: Moritz Naumann

Ihre zwei Stoffbeutel lässt sie sich von den Ehrenamtlichen befüllen. Damit soll verhindert werden, dass eine Person etwa den gesamten Wurstvorrat mit sich nimmt. Butter, Öl, Pudding, Kartoffeln und Wurst: Am Ende sind beide Beutel von Martina Haye prall gefüllt. „Zwei Euro pro Beutel“, sagt Ursula Reiter und kassiert ab. „Im regulären Einkauf zahlt man für die Menge bestimmt 60 Euro“, sagt die 78-Jährige. Für größere Beutel, wie etwa die großen Taschen von Ikea, würden etwa vier Euro anfallen.

Lebensversicherung: Transporter

Aufräumen, Kisten packen, Wischen: Etwa um 20 Uhr ist in der Mensa nichts mehr von der Tafel zu sehen. Bei dem was an Waren übrig bleibt, dürfen sich die Ehrenamtlichen bedienen. „Meist bin ich um 21 Uhr zuhause. Da ist man dann aber auch sehr geschafft“, verrät Ramona Käther. Am Ende des Abends befinden sich in der Kasse etwas mehr als 100 Euro. „Mit diesen Einnahmen finanzieren wir den Transporter, Wasser und Strom. Das reichtgerade um die Kosten zu decken“, sagt Katrin Stracke. Was passieren würde, sollte etwa der Transporter mal ernsthaft kaputt sein? „Dann würde die Tafel vor dem Aus stehen.“

Die Doberaner Tafel in Zahlen

Insgesamt rund 160 Lebensgemeinschaften in Bad Doberan und Kröpelin versorgt die Tafel jede Woche. Etwa 65 bis 70 Prozent der Kunden sind Rentner, die von ihren Bezügen nicht leben können. Bei 30 Prozent handelt es sich um Familien mit Kindern und fünf Prozent sind Asylbewerber. Derzeit sind bei der Tafel acht Festangestellte und etwa 30 Ehrenamtler aktiv. Lebensmittel bei der Tafel darf jeder beziehen, der als Geringverdiener (Einkommen unter 1070 Euro) gilt. Spendenkonto: IBAN: DE2113050000 0201 0701 11 / BIC: NOLADE21ROS

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Moritz Naumann