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Bad Doberan Eltern für fünf Tage: Doberaner Schüler üben das Leben mit Baby
Mecklenburg Bad Doberan Eltern für fünf Tage: Doberaner Schüler üben das Leben mit Baby
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06:21 19.06.2013
Mütter und Väter für eine Woche: Die Teilnehmer des Projektes „Babybedenkzeit“ waren Tag und Nacht für „ihr“ Kind verantwortlich. Dabei wollte der Nachwuchs auch während der Schulzeit im Doberaner Gymnasium versorgt werden. Quelle: Emely Schmidt
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Bad Doberan

Was ist geschehen, wenn Neuntklässler des Doberaner Gymnasiums morgens noch verschlafener als sonst zur Schule kommen? Nein, eine Party am Vorabend ist nicht der Grund — sondern ein sogenannter Babysimulator. Kernfrage hierbei: Können fünfzehn- und sechzehnjährige Schüler Verantwortung für einen Säugling übernehmen? Antworten hierauf will das Projekt „Babybedenkzeit“ finden — ins Leben gerufen vom „Mobilen Aufklärungsteam zu Sexualität und Aids in Mecklenburg-Vorpommern“.

Auch das Doberaner Friderico Francisceum macht hier regelmäßig mit, um jungen Leuten zu demonstrieren, wie schwierig der Alltag für Eltern sein kann. Knapp eine Woche lang bekamen acht Schüler der 9. Klassen sowie und zwei Jugendliche aus höheren Stufen des Gymnasiums jetzt die Chance, Mama und Papa zu spielen — entweder als reines Mädchenteam oder als Gruppe, bestehend aus Junge und Mädchen.

Es gab aber auch die Möglichkeit, sich ganz allein um das „lebendige“ Püppchen zu kümmern.

Dabei konnte aus männlichen oder weiblichen, hell- oder dunkelhäutigen Simulatoren gewählt werden — abgestimmt auf die Bedürfnisse der Jugendlichen. Jeder Teilnehmer bekam dazu auch die entsprechende Grundausrüstung für den Knirps — unter anderem Tragetasche, Nuckelflasche, Baby-Card, Decke fürs Kind und Body.

Um die Klamotten für den Säugling musste sich jeder selbst kümmern. Außerdem war es möglich, die Schwierigkeitsstufe des Kindes festzulegen. Alle Schüler entschieden sich für die mittlere Stufe — nur eine Teilnehmerin traute sich und ließ sich auf den höchsten Schwierigkeitsgrad ein.

Anmelden an „ihr“ Kind konnten sich Mutter und Vater mithilfe eines Chips, den jedes Elternteil um den Arm trug. Der Simulator füllte alle Funktionen eines „richtigen“ Babys aus. Wenn die Puppe quengelte oder schrie, musste der Säugling gewickelt, gefüttert oder geschaukelt werden.

Dabei wurden Alltagssituationen so lebensecht wie möglich simuliert: Wie bei einem richtigen Kind jammerte das Püppchen auch zu unerwarteten Zeitpunkten — unter anderem in der Nacht, auf dem Schulweg und im Unterricht.

„Bis auf ein oder zwei Ausnahmen waren alle Lehrer sehr tolerant und verständnisvoll“, sagte Nele Ziemß, Schülerin der Klasse 9d. „Es war schon sehr amüsant, die erstaunten Gesichtsausdrücke der Lehrer zu sehen.“ Sie sei froh, diese Erfahrung gemacht zu haben: „Es waren zwar keine normalen Bedingungen, und mit der Schule war es etwas schwierig — aber ansonsten bin ich vollkommen zufrieden.“

Eher „spaßig als abschreckend“ fand Madita Wiebke aus der 9b die anspruchsvolle „Elternzeit“. Einziger Kritikpunkt: „Mich haben die Geräusche des Simulators gestört“, erklärte Till Frömmel, Klasse 9d. „Die waren immer gleich.“Als eine „nützliche Erfahrung für uns alle“ bezeichnete Nele Ziemß die Zeit mit dem Babysimulator. „Wir sind jetzt zwar alle ziemlich erleichtert, endlich wieder eine ganze Nacht durchschlafen zu können“, gab Lynn Behrend aus der 9b zu, „aber gleichzeitig auch traurig, dass das Projekt jetzt schon endet.“

Zum Start der mehrtägigen Elternzeit bekamen die Schüler eine kleine Einführung und wurden darüber hinaus mit dem Umgang des Simulators vertraut gemacht. Jeder Teilnehmer war in der Pflicht, ein „Babytagebuch“ zu führen, in dem alle Erlebnisse und Erfahrungen festgehalten werden sollten. Am Ende des Projekts erhielten alle jungen Eltern ein Zertifikat — für spätere Bewerbungszwecke sicher nicht von Nachteil.

„Ich würde es jederzeit wieder machen“, sagte Madita Wiebke — und sprach damit ihren Mitstreitern aus der Seele. Und auch das Doberaner Gymnasium bleibt am Ball: Das Projekt geht in den kommenden Jahren weiter.

Das Projekt „Babybedenkzeit
Das Projekt „Babybedenkzeit, initiiert vom „Mobilen Aufklärungsteam zu Sexualität und Aids in Mecklenburg- Vorpommern“, ist ein Elternpraktikum, eingebettet in die Themen Partnerschaft, Lebensformen, Familienplanung, Schwangerschaft und Elternschaft.

4 Tage und drei Nächte erhalten Schüler die Möglichkeit, ein „RealCare-Baby“ zu versorgen. Dadurch erleben die Jugendlichen und jungen Erwachsenen den „Alltag als Mutter/Vater“.

13-jährige und auch ältere Jugendliche können sich so intensiver mit den Themen Körperwissen, Verhütung, Einfluss von Alkohol, Tabak und Drogen in der Schwangerschaft, elterliche Aufgaben und Handlungsalternativen bei Überforderung, Babypflege und Lebensplanung auseinandersetzen.

Mit dem Elternpraktikum sammeln die jungen Teilnehmer lebensnahe Erfahrungen, durch die sie die Vorstellungen ihrer Familienplanung überprüfen können.

Wir sind alle ziemlich erleich- tert, endlich wie- der durchschla- fen zu können.“Lynn Behrend (9b)

Emely Schmidt

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