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Bad Doberan Empörung über Pläne für Halbinsel Wustrow: „Es geht nur noch ums Geld“
Mecklenburg Bad Doberan Empörung über Pläne für Halbinsel Wustrow: „Es geht nur noch ums Geld“
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18:24 30.09.2019
Ruinen aus den 1930er-Jahren auf der Halbinsel Wustrow vor Rerik. Quelle: Frank Söllner
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Rerik

Hitzige Empörung und eisernes Schweigen. Viel gegensätzlicher könnten die Reaktionen auf die Berichterstattung der OSTSEE-ZEITUNG über die Bebauungspläne auf der Halbinsel Wustrow nicht sein. Die Kölner Fundus-Gruppe um Investor Anno August Jagdfeld möchte dort 550 Ferienhäuser, Eigentumswohnungen und ein kleines Hotel bauen.

Während sich sämtliche offizielle Stellen in komplettes Schweigen hüllen, gehen die Meinungen bei in den Sozialen Netzwerken durchweg in eine Richtung: Empörung! Der Bürgermeister von Rerik, Wolfgang Gulbis, Landrat Sebastian Constien (beide SPD) als auch die Reriker Kurverwaltung, das Schweriner Innenministerium und die TLG GmbH, die das Gelände 1998 verkauft hat, wollen sich zu Jagdfelds Plänen nicht äußern. Dort hieß es durchweg „Kein Kommentar“ oder Anfragen blieben schlichtweg unbeantwortet. Auch der Naturschutzbund (NABU) Mecklenburg-Vorpommern war am Montag zu keiner Stellungnahme bereit.

Bildergalerie: So sehen die Pläne der Fundus-Gruppe für die Halbinsel Wustrow aus

Laut Investor Anno August Jagdfeld sollen ab 2023 auf der Halbinsel Wustrow Eigentumswohnungen, Ferienhäuser und ein kleines Hotel im Landhausstil entstehen. Für die OZ hat der Investor schon mal die Pläne seines Architektur-Büros „Duany Plater-Zyberk & Co“ aus Miami in Florida vorgestellt.

„Gier frisst Hirn!“

Auf der Facebook-Seite der OZ sieht das anders aus. 133 überwiegend negative Kommentare hat die Berichterstattung seit Samstag hervorgerufen. Manuela Kaminskysagt: „Ernsthaft? Lasst doch bitte ein wenig von der schönen Natur an unserer so wunderschönen Küste.“ Michaela Boddin befürchtet: „Angesichts des steigenden Meeresspiegels bestimmt eine super Idee, dort zu bauen. Von den Tieren, die ihren Lebensraum verlieren, mal ganz zu schweigen.“

Auch Hartmut Broseist entgeistert: „Immer weniger Natur. Es geht nur noch ums Geld. Bei diesem Gedanken wird mir übel.“ Patricia Ehlert moniert das aus ihrer Sicht rein finanzielle Interesse auf Wustrow: „Es geht immer nur ums Geld. Traurig, aber wahr.“ Solveig Piechowskimachen die Pläne sprachlos: „Vor 20 Jahren stand das doch schon mal im Raum. Wurde das nicht abgelehnt? Ich bin einfach nur sprachlos.“

„Es wird keine Natur zerstört.“

Positive Reaktionen sind auf Facebook so gut wie keine zu finden. 133 Kommentare und nur ein einziger zeigt sich positiv. Enrico Mädlinschreibt: „Leute hallo! Erstmal den Artikel lesen und nicht nur die Überschrift. Es wird keine Natur zerstört, weil es in der Gartenstadt keine Natur gibt. Dort gibt es nur Ruinen und belastete Böden. Gesamt-Rerik wird von dieser Baumaßnahme profitieren.“

550 Ferienhäuser, Eigentumswohnungen und ein Hotel

Die Fundus-Gruppe um Anno August Jagdfeld hat 1998 die Halbinsel Wustrow von der TLG für 12,5 Millionen Mark gekauft. Seitdem ist nichts passiert. Jetzt will Fundus bauen. 550 Ferienhäuser, Eigentumswohnungen und ein Hotel seien geplant, verriet Jagdfeld. Im November sollen die Pläne der Stadt vorgestellt werden. Mehrere 100 Millionen Euro will Fundus im vorderen Teil der Insel auf 100 Hektar investieren. 900 Hektar Naturschutzgebiet sollen unberührt bleiben. Fundus rechnet mit einer Mehrbelastung von 1000 Autos täglich für Rerik.

Dietmar Großhingegen findet drastische Worte: „Gier frisst Hirn! Das Maß ist voll.“ Manuela Wittsieht den Erholungseffekt für Urlauber in Gefahr: „Also wir als Stadtmenschen kommen wegen der bezaubernden Ruhe und Natur. Um mal die Massen von Menschen und Autos aus Kopf und Seele zu bekommen. Lasst es lieber bleiben, sonst ruf’ ich nach Greta!“

„Genial, ihr erschafft ein zweites Venedig.“

Ilka Pinskezeigt sich ironisch: „Ja genial, ihr erschafft ein zweites Venedig. Lasst nur das langfristige Denken sein, das ist nicht wirtschaftlich.“ Eva-Maria Großmannerinnert sich: „Jagdfeld hatte schon vor vielen Jahren mal im Interview geäußert, dass er so lange wartet, bis die Zeit für ihn arbeitet. Das scheint ja nun wohl so zu sein.“ Auch Sabine Dörwald ist entsetzt: „Typisch. Hauptsache, Geld kommt in die Kasse. Da werden halt Gesetze geändert. Überall das Gleiche!“

„Kann ein Herr Jagdfeld das Waldgesetz einfach umgehen?“

Marian Fritzsieht die Verkehrsbelastung als zentrales Problem an: „Na klar, noch mehr Urlauber. Die Straßen sind ja so im Sommer nicht schon voll genug.“ Susann Never schreibt: „Was ist bei einer Bebauung von 550 Ferienhäusern, Eigentumswohnungen und einem Hotel eine kleinteilige Bebauung? Wieso kann ein Herr Jagdfeld sich anmaßen, zu entscheiden was für eine zusätzliche Belastung an PKW für Rerik verkraftbar ist? Eine Bebauung kann auf der Fläche von 100 Hektar gar nicht erfolgen, da mittlerweile ca. 63 Hektar davon Wald sind. Kann ein Herr Jagdfeld das Waldgesetz einfach umgehen?“

80 Jahre Wustrow in Bildern:

So sieht Wustrow heute aus. Nachdem die Nazis die Halbinsel militärisch als Flakschule des Dritten Reichs nutzten, war sie nach dem Krieg kurz Unterkunft für Flüchtlinge und anschließend 45 Jahre militärische Liegenschaft der Roten Armee der Sowjetunion. Nach der Wende wurde Wustrow 1998 an die Kölner Fundus-Gruppe verkauft. Sie ist weiterhin Sperrgebiet. Die Gebäude verfallen, die Natur holt sich ihr Reich zurück. Eine Kutschfahrt über die Halbinsel.

Alle Beiträge zu Teil 3 der OZ-Serie „Wem gehört das Land“: Halbinsel Wustrow

Große Pläne:
550 Ferienhäuser sollen auf Naturschutzinsel Wustrow entstehen

Langer Streit:
Das vergiftete Verhältnis zwischen Wustrow-Investor und den Rerikern

Interview mit Investor:
„Auf Wustrow entsteht kein zweites Heiligendamm

Reportage:
Eine Kutschfahrt über Wustrow als Zeitreise durch die deutsche Geschichte

Historie:
Geschichte der verbotenen Halbinsel Wustrow von 1932 bis heute

Kommentar:
Rerik sollte ausgestreckte Hand annehmen

Von Michael Meyer

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