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Bad Doberan Rettungsboot in Kühlungsborn trägt zwei Namen
Mecklenburg Bad Doberan Rettungsboot in Kühlungsborn trägt zwei Namen
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19:12 19.04.2019
Rainer Kulack (l.), Vormann der Seenotretter Kühlungsborn, und Wolfgang Wohlers, ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, enthüllen das Namensschild. Quelle: Anja Levien
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Kühlungsborn

An der Wand im Zuhause von Wolfgang Wohlers in Wuppertal klafft ein weißer Fleck. Hier hing zuletzt das Namensschild des einstigen Kühlungsborner Seenotrettungsbootes „Butt“. Der 60-Jährige hat es am Donnerstag zurück ins Ostseebad gebracht.

Das nach 25 Jahren außer Dienst gestellte Boot, das seit vergangenem Jahr als Denkmal vor dem Seenotrettungsschuppen in Kühlungsborn-West steht, trägt jetzt seine beiden Namen. Das ist vor allem dem Engagement von Rainer Kulack zu verdanken.

Das außer Dienst gestellt Seenotrettungsboot trägt auf der einen Seite den Namen „Wuppertal“, auf der andere Seite den Namen „Butt“. Quelle: Anja Levien

„Die Kühlungsborner haben von unserem Rettungsboot gesprochen“, erinnert sich Rainer Kulack, Vormann der Kühlungsborner Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), an das vergangene Jahr, als der Seenotretter zurück an seinen Ursprung kehrte. Von 1993 bis 2002 war er hier im Einsatz – es war die erste von drei Stationen.

„Aber ob beim Einkaufen oder in der Gaststätte. Immer fragen mich die Leute, warum das Boot nicht ,Butt’ heißt.“ Also hat Rainer Kulack sich auf die Suche nach dem Originalschild begeben und es bei Wolfgang Wohlers in Wuppertal gefunden.

Umbenennung des Boots als Dank für Engagement

Der Journalist ist ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der DGzRS. Er mache die Idee der Seenotrettung im Binnenland bekannt.

Wuppertal sei schon lange mit der Seenotrettung verbunden, es sei eine 150-jährige Geschichte, sagt Wohlers. Die heute zu Wuppertal zählenden Bezirke Barmen und Elberfeld waren früher selbstständige Städte, nach denen Ruderrettungsboote der Seenotretter benannt waren. So fanden Wolfgang Wohlers und weitere Ehrenamtliche die Idee nicht abwegig, ein RettungsbootWuppertal“ zu nennen.

Durch ihr Engagement und eine Spendensumme von 55000 Euro, die die Wuppertaler für die Arbeit der DGzRS sammelten, habe es dann die Chance gegeben.

„Das Herz von Rainer Kulack schlägt für die Butt“

Im September 2012 als die „Butt“ in Maasholm stationiert war, wurde sie in „Wuppertal“ umgetauft. Für sein Engagement erhielt Wohlers das Namensschild, eines verblieb in der Station in Maasholm. „Es fällt mir nicht leicht, das Schild abzugeben. Es ist etwas besonderes ein Originalbootsschild zu haben“, sagt Wohlers. Aber er habe gemerkt: „Das Herz von Rainer Kulack schlägt für die ,Butt’.“

„Ich war so stolz, als wir das Boot nach der Wende bekommen haben“, sagt Kulack. Damals habe es viele Unfälle mit Wassersportlern gegeben. „Wir haben viele Menschenleben gerettet. Das war möglich, weil wir die medizinische Versorgung an Bord hatten und nautische Geräte.“ Denn vorher seien die Seenotretter mit offenen Ruderbooten auf die Ostsee.

Das Boot trägt ab sofort zwei Namen. Christoph Müller (vl.), Rainer Kulack, Wolfgang Wohlers und Jörg Jaeger freuen sich darüber. Quelle: Anja Levien

Doch nicht nur Rainer Kulack verbindet viel mit der „Butt“. Christoph Müller hat seine ersten Erfahrungen in der Seenotrettung auf dem Einsatzboot gemacht. Hier begannen seine Anfänge als Maschinist, erzählt der 40-Jährige.

180 Einsätze sind die Kühlungsborner Seenotretter zwischen Ostseebad Nienhagen und der Halbinsel Wustrow sowie auf dem Salzhaff mit dem Seenotretter „Butt“ gefahren. 320 Menschen wurden gerettet.

Zehn Aktive, 60 Einsätzen im Jahr

Heute rücken die zehn Aktiven im Jahr im Schnitt zu 60 Einsätzen aus, sagt Kulack. Bis Mitte Juni sei es am schlimmsten. Dann gerieten viele Segler und Freizeitskipper in Seenot, weil sie ihre Boote nicht pflegten. „So wie sie das Boot nach dem letzten Turn an Land geholt haben, starten sie nach dem Winter mit dem Boot wieder“, so Kulack.

370 Einsätze in 25 Jahren

1993 wurde das Seenotrettungsboot „Butt“ auf der Fassmer-Werft in Berne/Unterweser gebaut und am 14. April 1993 in Zingst als eine von vier gleichen Rettungseinheiten getauft.

Bis 2002 in Kühlungsborn stationiert, folgten von 2002 bis 2010 Zinnowitz und 2010 bis 2018 Maasholm.

827 Menschen wurden in den 25 Jahren bei 370 Einsätzen gerettet.

Das Bootsschild „Wuppertal“ kann Wolfgang Wohlers übrigens mit nach Hause nehmen, damit der weiße Fleck an der Wand verschwindet. Und Rainer Kulack hofft, dass die Kühlungsborner sich jetzt mit ihm freuen und er wieder in Ruhe einkaufen kann.

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