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Bad Doberan Erste Annäherungen im Lärm-Streit
Mecklenburg Bad Doberan Erste Annäherungen im Lärm-Streit
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14:25 09.07.2018
Im Streit um zu viel Lärm in Bad Doberan gehen Stadt und Kritiker jetzt aufeinander zu.
Im Streit um zu viel Lärm in Bad Doberan gehen Stadt und Kritiker jetzt aufeinander zu. Quelle: dpa
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Bad Doberan

Im jahrelangen Streit zwischen der Stadt Bad Doberan und dem „Aktionsbündnis gegen Lärm“ gehen die Parteien jetzt offenbar etwas aufeinander zu. „Es gibt Fortschritte“, sagt etwa Harry Klink, der als einer der Frontmänner im Bündnis aktiv ist. „Es scheint gewirkt zu haben, dass sich Bürger der Stadt gegen den hemmungslosen Gebrauch von elektronischen Schallverstärkern und akustische Übergriffe in die Privatsphäre gewandt haben.“

Einer der Haupt-Brennpunkte: der Sportplatz des Doberaner FC am Busbahnhof. Hier gab und gibt es immer wieder Differenzen zwischen Anwohnern, Stadt und Verein. An zwei Wochenenden im Juni hatte der DFC sein Sommerfest gefeiert – mit jeweils rund 500 Sportlern und Betreuern auf dem Platz. „Wir haben die Beschwerden ernst genommen und versucht, hier zu vermitteln“, erklärt Gerhart Kukla, Leiter des Doberaner Bürgeramtes. „Als eine Maßnahme wurden etwa die Lautsprecher etwas anders ausgerichtet – das hat schon erste Wirkung gezeigt.“

Hat auch Harry Klink festgestellt: „Immerhin haben wir bei geschlossenen Fenstern und Balkontüren kaum noch was gehört“, sagt der Anwohner. „Wir nähern uns langsam der Freizeitlärmrichtlinie MV an.“ Ein Umstand, der auch Andreas Jahncke freut. „Ist doch gut, wenn das so wahrgenommen wurde“, sagt der DFC-Chef. „Vielleicht war die Anlage tatsächlich auch ein bisschen leiser - oder der Wind stand günstiger.“ Der Verein stehe im Vorfeld solcher Veranstaltungen regelmäßig mit der Stadt in Kontakt, stellt Jahncke klar.

Dennoch gebe es viele unausgeschöpfte Reserven zur Lärmminderung, ist Harry Klink überzeugt: „Denn die Messwerte liegen immer noch weit über den gesetzlichen Vorgaben.“ Grundsätzlich habe er für den Ärger einiger Anwohner sogar Verständnis, macht Gerhart Kukla deutlich: „Beim Sommerfest sind die ersten Leute ab 8 Uhr auf dem Platz – das kann am Wochenende schon belastend sein.“

Offenbar so belastend, dass beim Verwaltungsgericht in Schwerin in den vergangenen Monaten bereits drei „Lärm-Klagen“ aufgelaufen sind. „Zum einen ging es mit Blick auf öffentliche Veranstaltungen um eine grundsätzliche Lärm-Reduzierung in ganz Bad Doberan“, erklärt Bürgeramtsleiter Kukla. „Zudem musste das Gericht beurteilen, ob es im Parkdeck an der Verbindungsstraße zu laut ist.“

Diese beiden Verfahren seien bereits entschieden worden, sagt Gerichtssprecherin Stefanie Hahn: „Der Antrag wurde jeweils abgelehnt.“ Stimmt nicht so ganz, erklärt Harry Klink: „Das eine Verfahren wurde wegen fehlender Zuständigkeit eingestellt – und mit Blick auf die generelle Lärm-Problematik hat das Gericht empfohlen, dass sich Vertreter der Stadt und des Aktionsbündnisses mal zusammensetzen und ein paar Dinge klären sollten.“ Auf eine Einladung von Bürgermeister Thorsten Semrau warte er allerdings bereits seit einem halben Jahr vergebens, so Klink.

In einem dritten Verfahren gehe es darum, dass die Nutzung des Sportplatzes nach Auffassung des Klägers nicht den Richtlinien des Bebauungsplanes entspricht, sagt Gerhart Kukla: „Nach seiner Ansicht ist das ein Platz für den Schulsport und zum Üben für Vereine – ein Punktspiel- und Turnierbetrieb dürfe hier nicht stattfinden.“

Stadt und Pächter – der Doberaner FC – widersprechen dieser Auffassung. Auch der Landkreis Rostock stellte bereits in einem Schreiben 2015 an das Aktionsbündnis klar: „Im B-Plan 8 der Stadt Bad Doberan ist der Bereich des besagten Sportplatzes als öffentlicher Sportplatz festgesetzt. (. . .) Insofern ist grundsätzlich die Nutzung des Sportplatzes auch außerhalb des Schulsportes durch andere Vereine möglich (. . .).“

Plottke Lennart

09.07.2018
09.07.2018