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Bad Doberan Extra-Ferien an Doberaner Hochwasser-Schule: „Die Jungs daddeln an der Playstation“
Mecklenburg Bad Doberan Extra-Ferien an Doberaner Hochwasser-Schule: „Die Jungs daddeln an der Playstation“
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11:05 14.08.2019
Das Friderico Francisceum Gymnasium wurde durch das Unwetter in Doberan stark beschädigt, so dass kein Unterrichtet stattfinden kann. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Bad Doberan

Reges Treiben in der Aula des Neubaus vom Gymnasium Friderico-Franicsceum Bad Doberan. Dort, wo im Alltag 934 Schülerinnen und Schüler zwischen Klassenräumen, Bibliothek und Kantine herumwuseln, sind Bauarbeiter und eine Handvoll Zwölftklässler aktiv. Die Gymnasiasten sind aktuell diejenigen, die ein wenig die „A-Karte“ an der Schule haben. Fast 800 Schüler haben wegen des Wasserschadens, den das Unwetter am 31. Juli in der Bad Doberaner Schule angerichtet hatte, bis auf Weiteres frei.

Die 141 Schüler des Abi-Jahrgangs müssen zum Unterricht. Für sie wurden Räume im ehemaligen Amtsgericht am Netto-Markt in der Innenstadt freigeräumt. Damit sie im Jahr vor den Abi-Prüfungen keinen Stoff verpassen. Schulleiterin Birgit Hacker sagt: „Es war uns von Anfang an wichtig, dass die Zwölftklässler weiterhin Unterricht haben.“

„Für uns ist es gut, dass Unterricht stattfindet.“

Und nach dem Unterricht ist Bücher-Schleppen angesagt. Die Lehrer haben ihre Abiturienten gefragt, wer helfen würde, Schulbücher aus der Bibliothek im Erdgeschoss des Neubaus zu sichern. Freiwillig natürlich. Nun laufen die 17- bis 19-Jährigen durch die Aula und schleppen die Schulbücher für die Siebtklässler, die neu an der Schule sind, in den alten Ziegelbau. „Kein Problem, machen wir gern“, sagt Jan Stewe (18) aus Benitz. Man habe Anwesenheitspflicht und außerdem wollen die Abiturienten keinen Stoff verpassen. „Von daher ist es für uns gut, dass Unterricht stattfindet“, meint er.

Ole Tummoscheit, Constantin Fritzsch, Tim Walther, Jan Stewe und Hannes Wicklein (v. l./alle 18) tragen die Bücher für die Siebtklässler aus der Bibliothek ins alte Schulgebäude. Quelle: Dietmar Lilienthal

Abi sei Abi, auch wenn die anderen Schüler länger Ferien haben. Dafür geht es ruhiger zu an der Schule. Ole Tummoscheit, Constantin Fritzsch, Tim Walther aus Bad Doberan, Jan Stewe und Hannes Wicklein aus Benitz (alle 18) tragen mit anderen Zwölftklässlern Bücherstapel durch die Aula über den Hof, während nebenan gehämmert und gesägt wird.

Bildergalerie: So schlimm war das Hochwasser in Bad Doberan:

Starker Regen hat am Mittwochabend für chaotische Verhältnisse in Bad Doberan gesorgt. Die Feuerwehr musste etliche Keller auspumpen, Straßen waren überflutet.

„Wir schotten den Trocknungsbereich der Klassenräume ab.“

Bjarne Michelsen (21) von der Rostocker Firma OS Dienstleistungen Schulze sägt im Auftrag der Firma Siccum Dachlatten für die Raumabschottung in der Aula zurecht. „Wir schotten den Trocknungsbereich der Klassenräume ab“, sagt Vorarbeiter Max Prust (31). Dort stehen die Entlüfter.

Instandsetzungsarbeiten am Friderico Francisceum Gymnasium nach dem Unwetter. Vorarbeiter Max Prust (31) von der Firma Siccum aus Rostock beim Abkleben der Raumabschottung. Quelle: Dietmar Lilienthal

Um die Feuchtigkeit aus dem Estrich zu bekommen, wurden Löcher hineingebohrt. Die Trocknungsanlage rattert vor sich hin. „Das dauert vierzehn Tage, bis die Feuchtigkeit aus dem Boden ist“, sagt Prust. Michelsen zeigt auf den Fußboden: „Hier vorne ging es, da lag Teppich. Aber in den hinteren Räumen lag schönes altes Stäbchenparkett. Das wird teuer.“ Er nimmt ein quadratisches Teil des Parketts und bricht es in der Mitte durch. Weich wie Toastbrot ist das Holz.

„Manche treffen sich mit Freunden, andere daddeln mehr an der Playsi.“

Der Unterricht wird nun peu à peu wieder anlaufen. Wenn auch in Ausweichräumen. Die Zwölftklässler gehen im alten Amtsgericht zur Schule. Ab Donnerstag werden die Elftklässler in der Berufsschule im Stülower Weg beschult. Und ab Freitag, 16. August sind auch für die Schüler der zehnten Klassen die Ferien vorbei. Sie müssen in den sechs Schulräumen des alten Gebäudes, die im Laufe der Woche freigeräumt wurden, zum Unterricht.

Dann fehlen nur noch die Siebt- bis Neuntklässler, die etwas länger ausschlafen dürfen. Für die Schüler kein Problem. Eine 14-Jährige aus dem Ostseebad Nienhagen sagt: „Tja, alle schlafen länger, manche treffen sich mit Freunden in der Stadt und die Jungs daddeln halt mehr an der Playsi. Je nach Geschlecht.“ Auch die meisten Eltern sind entspannt, da es sich bei den Kindern ja nicht um Grundschüler handelt, die tagsüber betreut werden müssen.

Corinna Schmidt aus Nienhagen, deren Tochter in die achte Klasse geht, meint: „Höhere Gewalt – da kann man nichts machen. Respekt, dass die Schule es geschafft hat, die Zwölftklässler unterzubringen. Wegen dieser beiden fehlenden Wochen wird von den Achtklässlern später wohl kaum einer durchs Abi rasseln.“

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