Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan Fast ein ganzes Leben in Mechelsdorf
Mecklenburg Bad Doberan Fast ein ganzes Leben in Mechelsdorf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:00 15.03.2019
Adolf und Monika Steinmeier mit Enkelin Julia auf ihrem Anwesen in Mechelsdorf. Quelle: Wilma Welzel
Anzeige
Mechelsdorf

„Hier im Ort bin ich mit meiner Familie am 16. Februar 1946 nach der Flucht aus dem heutigen Polen angekommen, vier Jahre alt war ich damals“, erzählt Adolf Steinmeier (77). „Im damaligen Gutshaus, in dem die Russische Kommandantur eingerichtet war, wurden wir einquartiert. Drei Familien in einer Wohnung. Mein Vater war leider im Krieg geblieben. Deshalb hatte es meine Mutter nicht leicht. Der Ort ist für mich Heimat geworden.“

Nach der Aufsiedlung des Gutes damals bekam die Familie Steinmeier mit weiteren 43 Familien eine Siedlung. Mit viel Kraft und Fleiß bauten sie sich ein neues Leben auf. Das habe ihn geprägt, so der Senior. Auch heute findet er immer Arbeit auf seinem großen Anwesen, das sich in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Gutshauses befindet. „Links und rechts der Straße, die zum Gutshaus führt, befanden sich die Ställe und Wirtschaftsgebäude des Gutes. Sie wurden zum großen Teil bereits in den 1950er Jahren abgerissen sowie auch das baufällige Gutshaus“, erzählt der Mechelsdorfer. „Dort entstanden nach und nach neue Häuser. Und wir haben den ehemaligen Schafstall zu Wohnungen ausgebaut. So ging es langsam voran.“

Die alte Dorfstraße mit den ehemaligen Landarbeiterkaten Quelle: Wilma Welzel

Gern erinnert er sich an seine Kindheit im Dorf: die vielen Kinderfeste, das Spielen in der Sandkuhle, das Schlittschuhlaufen im Winter auf dem Dorfteich, das Baden im Teich und im Bach, Ballspiele. „Wir Kinder hatten viele Freiheiten zum Toben. Gern denke ich auch an unseren Lehrer Otto Trögler zurück. Er war ein guter Lehrer, immer fröhlich, er lachte viel, aber er konnte auch streng sein, und ab und zu rutschte ihm mal die Hand aus, wenn einer von uns sich nicht gut benahm“, erzählt der Senior schmunzelnd.

„Für einen Lehrer war es damals nicht leicht, mit etwa 30 bis 40 Kindern der Klassenstufen 1 bis 8 in einem Raum fertig zu werden. Aber ihm nahm das niemand übel. Wir mochten ihn. Liebevoll wurde er von den Mechelsdorfern Ottchen genannt. Viel Spaß hatten wir, wenn er mit uns Laienspiele einübte, die dann aufgeführt wurden.“

Damals großer Zusammenhalt im Dorf

Mit der Gründung der LPG Bastorf „Der Leuchtturm“ im Jahr 1961, in der Adolf Steinmeier arbeitete, wurde das Leben etwas leichter. „1965 habe ich mein erstes Auto gekauft, den Kaufvertrag habe ich noch“, erklärt er. „In dieser Zeit habe es einen großen Zusammenhalt im Dorf gegeben. Die Frauen trafen sich zum Spinnen, zum Federn schleißen, das bedeutet: Bei den Gänsefedern wurde der Flaum vom Kiel gezogen, mit dem Flaum wurde ein Federbett gefüllt. Und die Männer klönten abends bei Bier und Köm.“

Heute jedoch sei es ruhiger geworden, so der Senior, jeder habe mit sich zu tun. „Aber die Dorffeste auf der Wiese am Teich, den die jungen Leute organisieren, bringen ja wieder ein geselliges Leben in unseren Ort.“

Und Leben hat Adolf Steinmeier auch zu Hause. Von seinen sieben Kindern sind drei Söhne im Dorf geblieben, Sohn Sven bewohnt mit seiner Familie die linke Seite des Elternhauses, Steffen und Falko haben ihr Haus in Sichtweite gebaut.

Ehefrau Monika Steinmeier (77) kam nach der Hochzeit im Jahr 1962 aus Kägsdorf nach Mechelsdorf. „Das war hier ein kleines, verträumtes Dörfchen, Herzhäuschen auf dem Hof. Eine Schmiede gab es, einen Hofgarten sowie eine Wassermühle, die Strom erzeugte“, erzählt sie. „Schnell bin ich heimisch geworden. Gern haben wir Frauen uns zum Plaudern getroffen im Konsum, der in der Schule eingerichtet war. Wie schön konnte man mit der damaligen Leiterin Lisbeth Welzel erzählen.“ Heute gebe es leider keine Einrichtung mehr im Dorf, da müsse man schon mobil sein.

Heute helfen die Großeltern gern den Kindern. So freut sich Enkelin Julia, die in Rerik die 9. Klasse besucht, über den zeitweiligen Fahrdienst der Großeltern zur Schule. „Es ist schön, auf dem Dorf in einer Großfamilie zu leben. Einer hilft dem anderen“, sagt sie. „Hier möchte ich bleiben, und wenn ich Stadtluft brauche, kann ich ja hinfahren.“

Wilma Welzel

In der Kühlungsborner Kunsthalle eröffnet am 16. März die Ausstellung „Farbspiele“ mit Werken der Sanitzer Hanka und Frank Koebsch. Sie zeigen Aquarelle mit Reise-Impressionen, Tieren, aus der Musikszene und mehr.

15.03.2019

Das Verkehrskonzept für Bad Doberan sieht eine Verbindung von Althof zur B105 vor. Die Stadt prüft jetzt die Wirtschaftlichkeit dieser Trasse, erstellt eine Verkehrsprognose. Anwohner mehrere Wohngebiete wehren sich gegen die neue Straße, befürchten mehr Verkehr.

15.03.2019

Streit um Hochhaus und Bürgerbegehren: Das Oberverwaltungsgericht Greifswald hat in einem Beschluss der Gemeinde Börgerende-Rethwisch recht gegeben.

14.03.2019