Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan Feuerwehrleute aus Lübtheen zurück: „Es war die Hölle“
Mecklenburg Bad Doberan Feuerwehrleute aus Lübtheen zurück: „Es war die Hölle“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:09 03.07.2019
Die Feuerwehrleute aus Kühlungsborn, Kröpelin und Neubukow nach ihrer Rückkehr vom Feuer in Lübtheen. Quelle: Thomas Hoppe
Anzeige
Neubukow

Die Anstrengungen der vergangenen 48 Stunden sind an den 30 Feuerwehrleuten aus Kröpelin, Kühlungsborn und Neubukow nicht spurlos vorbeigegangen. Sie waren am Sonntag nach dem Großschadenslage-Alarm per Pieper um 22.09 Uhr in ihren Standorten als Mitglieder der erweiterten Unterstützungseinheiten des Landkreises Rostock ausgewählt worden, hatten sich in Neubukow gesammelt und um 22.45 Uhr ins Waldbrand-Krisengebiet bei Lübtheen aufgemacht.

Nach rund 48 Stunden sind sie zurück. Unter ihnen auch der Bürgermeister von Kröpelin, Thomas Gutteck. „Wenn meine Leute fahren, fahre ich auch mit“, sagt das aktive Mitglied der Feuerwehr.

„Man hat die Hand nicht mehr vor Augen gesehen“

„Stellenweise erwartet einen dort die Hölle“, berichtet sichtlich immer noch beeindruckt Stefan Krause von der Freiwilligen Feuerwehr Kühlungsborn über das Einsatzgebiet. „Das Rumsen war zwar ein, zwei Kilometer weg, aber das hörte man auch, wenn nebenbei eine Pumpe lief“, sagt Chris Koloska zu den Detonationen von alter Munition in dem Brandgebiet.

Ein erneutes Feuer auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim) hält die Region in Atem.

„Man hat die Hand nicht mehr vor den Augen gesehen, das war nicht mehr normal“, ergänzt der Kühlungsborner Mario Garkisch und der Berufsfeuerwehrmann Florian Koziolek aus Neubukow bestätigt auf Nachfrage, dass wegen des starken Qualms zeitweise Schutzmasken getragen werden mussten.

Peter Schübe aus Kühlungsborn erläutert kurz: „Wir wechselten uns an den Schläuchen ab – das ging reihum.“ Erde musste von den Kameraden aber nicht bewegt werden, dafür waren Räumpanzer der Bundeswehr im Einsatz.

„Wir haben den Wald nass gemacht“

Auf die Frage nach Verletzungen oder Blessuren antwortet Richard Morgenstern ganz locker: „Wir sind Feuerwehrmänner!“ – und hat die zustimmenden Lacher auf seiner Seite.

„Wir haben den Wald nass gemacht“, ergänzt trocken der Zugführer dieser Truppe, Christian Wohrow aus Neubukow. Damit das Feuer nicht mehr überspringen konnte. Es hatte sich wohl stellenweise sogar schon bis auf 50 Meter an Ortschaften herangewütet.

Am Montag waren alle am Wald vor Alt Jabeler Wohnhäusern im Einsatz, am Dienstag in Volksrade beim Befüllen von Großtankfahrzeugen und Wasserwerfern der Polizei. Darunter ein 12 000-Liter-Flugfeldlöschfahrzeug der Berliner Flughafenfeuerwehr: „Das war schon interessant, die hatten mit uns im Einsatzabschnitt gestanden“. Wasserquellen sind bei Lübtheen überall Tiefbrunnen und normale Unterflurhydranten – die extra wegen der Nähe eines großen Truppenübungsplatzes eingerichtet worden waren. „Da sind die eigentlich ganz gut aufgestellt“, meint Christian Wohrow. „Einige Bewohner durften in Begleitung der Polizei zu Hause ihre Tiere füttern, ansonsten war da niemand“, berichtet er weiter und ist davon überzeugt, dass dort die von Feuerwalzen bedrohten Wohnhäuser wirksam geschützt werden könnten.

„Pro Minute flossen 400 Liter Wasser bei uns durch das Strahlrohr“, sagt dazu Heiko Garkisch aus Kühlungsborn und seine Kameraden werfen ein. „Bei fünf bis sechs Bar Druck“.

Einsatz bis in die frühen Morgenstunden

Seinen Wehrführer in Neubukow, Ralf Winter, hatte Christian Wohrow stets auf dem Laufenden gehalten und der weiß nun zu ergänzen, dass die 29 Kameraden und Kameradin Natascha Unverzagt aus Kühlungsborn am Montag ab halb fünf im Einsatz waren. Auch am Dienstag wurde demnach bereits um halb vier geweckt, um vier gab es Frühstück und wiederum halb fünf hatte die Gruppe des Landkreises Rostock bereits den Einsatzort übernommen. Untergebracht waren alle in der Hagenower Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne – geschlafen wurde auf Feldbetten.

Mit den Angehörigen zu Hause, die ja auch Sonntagnacht noch nicht wissen konnten, wie lange der Einsatz läuft, sei er per Whatsapp in Verbindung geblieben, verrät Marcus Niemann und ein Kamerad wirft frotzelnd ein: „Das wurde doch per Rauchzeichen gemacht!“

Als Neubukows Wehrführer am Dienstagabend im Gerätehaus die Verdienstausfallbestätigungen für seine Kameraden ausfüllt, die in Lübtheen geholfen hatten, bekommt er einen Anruf vom Amtskollegen der Partnerfeuerwehr aus Reinfeld, Gerd-Heinrich Riemann. Der bietet für den Fall der Fälle den Kameraden aus der Partnerstadt Neubukow personelle Unterstützung an. „Wie vor zwölf Jahren zum G8-Gipfel in Heiligendamm“, freut sich Ralf Winter und erinnert daran, dass damals vier Schleswig-Holsteiner die Mecklenburger freiwillig unterstützten.

Über seine zurückkehrenden Kameraden sagt Ralf Winter dann noch: „Die werden jedenfalls heute schön schlafen, in ihrem eigenen Bett“.

Mehr Infos zum Waldbrand in Lübtheen

Liveticker: Größter Waldbrand in der Geschichte des Landes

Welle der Hilfsbereitschaft für die Helden von Lübtheen

Satellitenfoto: Waldbrand in Lübtheen ist aus dem Weltall zu sehen

Landrat: Waldbrand in Lübtheen wurde wohl an drei Stellen gelegt

Bergepanzer und Helikopter: Bundeswehr unterstützt bei Waldbrand in Lübtheen

Brand: Tiere bleiben im Flammen-Inferno zurück

Löscharbeiten: Jetzt sollen acht Hubschrauber das Feuer eindämmen

Waldbrand in Lübtheen: Die dramatische Flucht vor der Feuerwalze

Feuerwehr-Chef: „Wir brauchen mehr Löschhubschrauber“

Exklusives Interview mit Till Backhaus: „Ich bete zum lieben Herrgott, dass er uns Regen schickt“

Zeugenaufruf: Polizei sucht die Brandstifter von Lübtheen

Lungenexperte: Waldbrand ist für Lunge „gigantische Belastung“

Droht MV wieder ein Feuer-Sommer? Juli und August könnten noch trockener werden als 2018

Erstmeldung zum Waldbrand bei Lübtheen: Waldbrand bei Lübtheen: Dörfer werden evakuiert

Kommentar: Retter brauchen mehr Unterstützung

Thomas Hoppe

Das hochsommerliche Wetter lockt Tausende Sportbootkapitäne, Segler und Angler auf die Gewässer. Nicht jeder hält sich an die Regeln. Heiße Tage für die Wasserschutzpolizei.

03.07.2019

Das neue Löschgruppenfahrzeug für die Feuerwehr Admannshagen-Bargeshagen ist bereits bestellt. Auch die Finanzierung steht. Das Land beteiligt sich mit 137000 Euro. Doch der Schuh der Kameraden drückt auch noch an anderer Stelle.

02.07.2019

Der bedeutendste Milchviehbetrieb der Vereinigten Arabischen Emirate, Al Rawabi Dairy, besiegelt den Bau der ersten Biogasanlage in Dubai. Ende Juni wurden die Verträge unterzeichnet. Maßgebliche Unterstützung zur Umsetzung der Biogasanlage kommt aus Hohen Luckow in Mecklenburg Vorpommern.

02.07.2019