Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan Gefahrenquelle: 40 Jahre alte Rohrleitungen müssen raus
Mecklenburg Bad Doberan Gefahrenquelle: 40 Jahre alte Rohrleitungen müssen raus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:01 28.10.2019
Beispiel Kiebitzweg: Um Anstauungen künftig vorzubeugen, setzte der Wasser- und Bodenverband 2017/2018 in Rethwisch einen größeren Durchlass ein. Quelle: Lennart Plottke
Anzeige
Kröpelin

648 Kilometer Gewässer zweiter Ordnung gibt es im Bestand des Wasser- und BodenverbandesHellbach – Conventer Niederung“. 190 Kilometer davon sind verrohrte Gewässer – und viele Leitungen mittlerweile gut 40 Jahre alt. Das führt zu immer größeren Problemen.

In den Gewässern des Wasser- und BodenverbandesHellbach – Conventer Niederung“ liegen viele Rohrleitungen, die Jahrzehnte alt sind und immer maroder werden. Wie sieht der Ist-Zustand konkret aus?

Marco Schreiber: Fast alle Rohrleitungen stammen aus DDR-Zeiten, zwischen 1960 und 1989 gebaut. Diese Leitungen sind aber wichtige Infrastruktureinrichtungen, weil sie das Niederschlagswasser ableiten müssen. Die Probleme werden immer größer: Durch zunehmende Abflüsse aufgrund vieler Versiegelungen nach der Wende und häufigeren Starkregen werden die Rohre überbeansprucht, die Kosten für Reparaturen steigen immer mehr an. Allein 2018 hat unser Verband hier ein Plus von 112 000 Euro verzeichnet.

Wo sehen Sie die größten Schwierigkeiten?

In der DDR-Technologie wurden für verrohrte Gewässer Nut-Falz-Rohre aus Beton genutzt, die mehr oder weniger stumpf aneinander liegen, ohne wirklich verbunden zu sein. Dazu kommt, dass die Stöße nicht wirklich abgedichtet, sondern mit Teerbinden umwickelt wurden. Im Laufe der Zeit wurden die Leitungen undicht – teilweise finden sich mehrere Zentimeter breite Spalte an den Rohrstößen. Häufige Hochwassersituationen schädigen die Leitungen zusätzlich – bei starken Abflüssen werden sie überlastet, der umliegende Boden wird zerstört oder das Erdreich kubikmeterweise eingespült. Die Folge: Verkehrsflächen oder Bereiche an und unter Gebäuden sind gefährdet, dazu können Hochwasserschäden durch Abflussbehinderungen auftreten.

Und wie sehen die heutigen Leitungen aus?

Es werden sogenannte Glockenmuffenrohre aus Beton verwendet und zusammengesteckt, die sehr stabil und durch eine Gummidichtung auch absolut wasserdicht sind.

Wie wollen Sie den Missstand der alten Leitungen beseitigen?

Der Wasserverband führt in der Regel nur punktuelle Reparaturen durch, weil er lediglich für die Gewässerunterhaltung zuständig ist. Dabei wird aber nur das akute Problem behoben – eine generelle Erneuerung längerer Abschnitte ist nicht möglich, weil sich das mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln nicht bezahlen lässt und Kommunen jeweils Millionenbeträge aufbringen müssten, die sie nicht haben.

Das heißt?

Ohne Unterstützung sind die notwendigen Investitionen für die Kommunen nicht möglich. Es handelt sich hier um eine landesweite Problematik – alle 27 Wasser- und Bodenverbände in MV sind betroffen. Immerhin wurde den Gemeinden in den vergangenen Jahren langsam bewusst, dass die Rohrleitungen ihnen gehören. Seit 2017 gehen unser Landesverband, der Bauernverband sowie der Städte- und Gemeindetag gemeinsam vor – um das Problembewusstsein bei Abgeordneten und der Landesregierung zu schärfen.

Welche Schritte wurden unternommen?

Unter anderem wurde dem Landwirtschafts- und Umweltministerium von den Wasserverbänden im Juli dieses Jahres eine Bestandsaufnahme übergeben, noch Ende 2019 ist ein Bericht des Ministeriums an den Landtag geplant – danach erwarten wir eine Entscheidung der Landesregierung über eine mögliche Unterstützung der Kommunen und Wasserverbände.

Was stimmt sie optimistisch?

Minister Till Backhaus hat sich öffentlich zu den verrohrten Gewässern als wichtige Infrastruktur bekannt und versprochen, die Gemeinden mit dieser Problematik nicht alleinzulassen. Außerdem soll es künftig Fördermittel geben – allerdings sind dafür wohl in den Doppelhaushalt 2020/2021 keine Gelder eingestellt. Wir rechnen also ab dem Jahr 2022 damit.

Wie sehen die Daten für den Wasser- und BodenverbandHellbach – Conventer Niederung“ aus?

Wir haben in unserem Bereich einen relativ hohen Anteil an verrohrten Gewässern. Viele haben ein mittleres Schadensbild – es ergibt sich also auch ein sehr hoher mittelfristiger Handlungsbedarf. Abgeschlossene Erneuerungen und Entrohrungen liegen in unserem Wasser- und Bodenverband aktuell bei 7,5 Prozent – landesweit bei rund fünf Prozent. Das ist viel zu wenig.

Was hat Ihr Verband konkret getan?

Zum einen kümmern wir uns um Renaturierung: Das beinhaltet hauptsächlich den Ersatz alter Rohrleitungen durch neue, naturnah angelegte Gewässer – gefördert mit 90 Prozent bei zehn Prozent Eigenmitteln der Gemeinden. Für einen besseren Hochwasserschutz werden andererseits alte Rohrleitungen meist durch größer dimensionierte neue Leitungen ersetzt. Dazu kommen Sanierungen alter Leitungen beispielsweise durch Inlinerverfahren. Hier gibt es eine 80-prozentige Förderung bei 20 Prozent Eigenmitteln der Gemeinden.

Welche Maßnahmen stehen in den kommenden Jahren an und wie viel Geld müssen Sie dafür in die Hand nehmen?

Unser Verband rechnet in den nächsten 24 Jahren mit rund 58 Millionen Euro – wir sprechen also über einen jährlichen Bedarf von 1,7 Millionen Euro. Das Geld können Kommunen und Verbände realistisch nicht aufbringen – deshalb ist eine Landeshilfe unbedingt notwendig. Neben der laufenden Renaturierung und dem Hochwasserschutz wollen wir 2020/2021 in die Erneuerung von verrohrten Gewässern einsteigen – mit systematischen Kamerabefahrungen des Rohrleitungsbestandes. Dazu erstellt der Wasser- und BodenverbandHellbach – Conventer Niederung“ ein Rohrleitungskonzept für die Mitgliedsgemeinden, das unter anderem klärt, welche Leitungsabschnitte als Sofortmaßnahme erneuert werden müssen, entrohrt werden können oder als leistungsstärkere Rohrleitung gebaut werden müssen. Auf Grundlage dieses Konzeptes sollen die Verrohrungen mithilfe der angekündigten Fördermöglichkeiten planmäßig erneuert werden.

Lesen Sie auch:

Schutz vor Hochwasser: Es geht nur gemeinsam

Nach Starkregen in Bad Doberan: Das sagen die Wasserverbände

Von Lennart Plottke

Rostock Theaterpremiere in Papendorf Laiendarsteller begeisterten mit Komödie

Ein Jahr lang haben die Laiendarsteller des Theaterkreises Papendorf fleißig geprobt. Nun hatte die Komödie „Mein Mann, der fährt zur See“ Premiere vor ausverkauftem Haus. Neue Termine gibt es 2020.

28.10.2019

Mit „Halt' Dich fest, der Molli kommt“ schuf Heinz-Rüdiger („Enzi“) Enzmann eine über Doberans Stadtgrenzen hinaus beliebte Hymne. Jahrzehntelang war er als singender Spaßvogel an der Ostseeküste bekannt. 2017 verabschiedete er sich aufgrund einer Krebserkrankung von der Bühne.

28.10.2019
Bad Doberan Reriker Straße in Kühlungsborn So geht es weiter mit dem geplanten Radweg

Der Bauausschuss von Kühlungsborn sollte über den Vorschlag einer veränderten Strecke beschließen. In der Sitzung wurde der Antrag nach Erläuterungen der Bauamtsleiterin und kurzer Beratung jedoch zurückgezogen.

28.10.2019