Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan Diese Kühlungsborner Unternehmen bleiben in den Familien
Mecklenburg Bad Doberan Diese Kühlungsborner Unternehmen bleiben in den Familien
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:34 16.08.2019
Albrecht (von links) und Dagmar Kurbjuhn übergeben ihr Hotel Polar-Stern in der Ostseeallee an die nächste Generation. Die Töchter Sarah und Vera sowie Schwiegersohn Christian Kerber übernehmen das Ruder. Quelle: Cora Meyer
Anzeige
Kühlungsborn

Die nächste Generation übernimmt das Steuer: In diesem Jahr wird Kai von Jutrzenka offiziell Mehrteilseigner der Firma Automobile Nord. Er übernimmt den Betrieb von seinem Vater Ulrich. Der hatte das Unternehmen in den vergangenen 20 Jahren geführt. Sohn Kai ist bereits seit langem bei Automobile Nord beschäftigt. „Im Jahr 2006 habe ich meinen Meister gemacht. Seitdem unterstütze ich meinen Vater“, sagt der gelernte Kfz-Mechaniker. „Der Übergang war ein fließender Prozess.“

So wie Ulrich von Jutrzenka müssen sich bis 2020 mehr als 10 000 Unternehmer in MV mit dem Thema Nachfolge beschäftigen, sagt Fred Schneider, Fachbereichsleiter für Existenzgründung und Unternehmensförderung an der Industrie- und Handelskammer zu Rostock. Das sei auch dem demografischen Wandel geschuldet: „Nach der Wende haben sich viele hier etwas aufgebaut. Diese Generation denkt nun an den Ruhestand.“ Ratsam sei es, so Schneider, sich rechtzeitig damit zu beschäftigen, wer den Betrieb einmal übernehmen soll.

Seit der Kindheit mit dem Hotel verbunden

Das haben auch Albrecht und Dagmar Kurbjuhn getan. Das Hotel Polar-Stern führen ihre Töchter und der Schwiegersohn. „Für mich war das relativ früh klar“, sagt Sarah Koller, die sich vor allem um Verwaltung, Buchhaltung und Personal kümmert. Sie hat Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Tourismus studiert und nebenbei eine Ausbildung zur Hotelfachfrau gemacht. 2011 stieg sie in das Hotel der Eltern ein. Ihr Schwager Christian Kerber war da bereits seit einem Jahr dabei. Er ist Quereinsteiger aus dem Marketingbereich und jetzt vor allem für Gastronomie und den Barbereich zuständig. Dafür hat der 38-Jährige bereits mehrere Fortbildungen gemacht. Seine Frau Vera, Sarah Kollers ältere Schwester, ist stellvertretende Leiterin des Frühstücksservice im Haus.

„Vor einer Übergabe an die Kinder sollten sich die Eltern genau angucken, inwiefern der Nachwuchs dafür noch fit gemacht werden muss“, sagt Fred Schneider. Ob beispielsweise Kurse belegt werden müssten, damit der Betrieb erfolgreich weitergeführt werden kann.

Ältere müssen loslassen

Ganz wichtig sei seiner Ansicht nach aber auch der emotionale Faktor: „Kann der Alte wirklich loslassen?“ Ansonsten kämen die Kinder nicht aus dieser Rolle heraus. Es müsse ein Schnitt gemacht werden: „Und das gelingt nicht immer.“

„Für meine Eltern war der Generationswechsel kein Problem“, sagt Sarah Koller. „Sie waren schon immer visionär und sind stets offen für neue Ideen.“ Aber: „Dass das Unternehmen in der Familie bleibt, war uns sehr wichtig“, sagt Albrecht Kurbjuhn, der das Hotel gemeinsam mit seiner Frau Anfang der 1990er Jahre aufgebaut hat. „Man hat natürlich ein immenses Vertrauen ineinander. Und das ist ja wichtig für einen Betriebsübergang. Da ist es perfekt, wenn es in der Familie passiert. Da sind wir total privilegiert, dass das möglich ist bei uns.“

Nicht alle finden einen Nachfolger

Das bestätigt auch IHK-Fachbereichsleiter Schneider: „Es gibt eine große Zahl von Unternehmern, die finden keinen Nachfolger.“ Oft könnten oder wollten die Kinder nicht in die elterliche Firma einsteigen – aus verschiedenen Gründen. Hinzu käme, dass von den Familienunternehmen nur 45 Prozent übergabefähig – das bedeutet für einen Käufer rentabel – seien. Dass Kai von Jutrzenka den Betrieb eines Tages übernimmt, war nicht von Anfang an geplant. „Als ich angefangen habe, zu lernen, habe ich gemerkt, dass mir der Job einfach Spaß macht. Das Weiterführen war eher so am Rande wichtig. Meine Triebfeder ist eigentlich der Spaß, den ich daran habe.“

Sein Vater und er besprächen nach wie vor alles gemeinsam: „Ich schätze seine Erfahrung.“ Die ist auch bei Familie Kurbjuhn gefragt. „Gerade was das Geld angeht, wollen meine Eltern mit einbezogen werden“, sagt Sarah Koller. Generell diskutiere der Familienrat über neue und größere Entwicklungen, um die beste Lösung zu finden. Die Eltern hätten sich immer mehr aus dem operativen Geschäft zurückgezogen: „Inzwischen sind sie kaum noch da.“

Übergabe ist schleichender Prozess

Ulrich von Jutrzenka geht immer noch jeden Tag mit seinem Sohn zur Arbeit. „Und abends machen wir gemeinsam das Licht aus“, sagt der Junior. „Das ist schon bemerkenswert, was er mit seinen 69 Jahren noch leistet.“ Die beiden kümmern sich im Unternehmen vor allem um den Service. „Wir sind die meiste Zeit in der Werkstatt. Die Organisation läuft bei uns nebenbei.“

Ändern werde sich in dem Betrieb auch künftig nicht viel. „Bisher hatte mein Vater mehr Mitspracherecht, nach dem Übergang habe ich eben mehr Mitspracherecht“, sagt Kai von Jutrzenka. Eine große Rolle spiele das aber nicht. „Wir sind uns immer einig.“

Lesen Sie auch:

Das Kaufhaus der Küste — seit 111 Jahren

Von Cora Meyer

Nach Jahrzehnten des Stillstands sind zwischen Ostsee und Rieden an der Kühlungsborner Waldstraße 28 Stadtvillen geplant. Mehr als die Hälfte der Grundstücke sind bereits verkauft. Direkt nebenan entstehen zusätzliche Ferienwohnungen.

16.08.2019

In Kröpelin begann das Schuljahr abwechslungsreich – nur ein Thema ist ganz das alte geblieben. Viele Jahre, von 2005 bis 2016, war an der hiesigen Grundschule ein Schulförderverein aktiv. In diesem Schuljahr soll so ein Zusammenschluss all jener, die an einer Entwicklung der Schule am Mühlenberg interessiert sind, neu entstehen.

15.08.2019

Seit 133 Jahren fährt die Mecklenburgische Bäderbahn von Bad Doberan nach Heiligendamm, seit 1910 bis nach Kühlungsborn. Die Schmalspurbahn ist Nahverkehr und Tourismusmagnet in der Region. „Das ist noch richtige Eisenbahn hier“, sagt Heizer Lutz Köbsch.

15.08.2019