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Bad Doberan „Grillgermanen“ zu Gast in Boldenshagen
Mecklenburg Bad Doberan „Grillgermanen“ zu Gast in Boldenshagen
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17:00 06.05.2019
Marko Bosse (l.) und Dennies Deutschmann riefen die WhatsApp-Gruppe für die „Grillgermanen“ ins Leben.
Marko Bosse (l.) und Dennies Deutschmann riefen die WhatsApp-Gruppe für die „Grillgermanen“ ins Leben. Quelle: Sabine Hügelland
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Boldenshagen

Wenn diese 48 Männer einen Kurzurlaub planen, dann haben sie schweres Gerät im Gepäck: Die „Grillgermanen“ trafen sich das zweite Mal auf dem Ferienhof & Heuherberge Poggendiek, um ihrer Leidenschaft zu frönen und sich kulinarisch auszutauschen. Schwaden verschiedenster Gerüche umgaben die Männer.

Gegessen wurde in den vier Tagen eigentlich immerzu: vom Grillkäse, über Fisch bis zum feinsten Steak und als Nachtisch selbst gemachtes Eis in einer halben Orange mit gegrilltem Baiserschaum. Kalorien zählen blieb an diesen Tagen außen vor. „Vor vier Jahren hatten Dennies Deutschmann und ich die Idee, nach Gleichgesinnten zu suchen, mit denen wir uns über Grill-Rezepte austauschen können“, sagte Organisator Marko Bosse.

Seminare für bessere Grilltechnik

„Ein Jahr später riefen wir unsere WhatsApp-Gruppe ins Leben.“ Die Männer im Alter von 25 bis 57 Jahren stammen aus MV, Schleswig-Holstein, Baden Württemberg, Finnland, Schweden und der Schweiz. „Und wir laden uns gern Fachleute ein, von denen wir in Seminaren lernen können“, so der 39-jährige Koch, der im Café Honig in Schwerin arbeitet.

Die „Grillgermanen“ sind keine wilden Teutonen, die gierig ein ganzes Schwein vertilgen. Es sind Gourmets mit dem Hang, immer besser in ihrer Grilltechnik und vor allem bei der Zubereitung zu werden.

So stellte der Geschäftsführer vom Hof Ostermühlen in Schleswig Holstein, Jan Tillmann, einige Hof-Produkte vor: „Wir legen Wert auf einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren Tieren und allen Ressourcen.“ Die Männer genossen die Delikatessen und ließen sich über die Herstellung aufklären.

„Einen Pizza-Workshop absolvieren wir auch schon. Davon profitiert vor allem die Familie“, so Bosse, der lieber Roastbeef isst. „Verköstigt haben wir auch Bier von Tim Hennings aus Leezen sowie Spirituosen von Steffen Brinkmann“, sagte er. „Interessant war auch das Seminar ,Krut un Smook’ aus Hamburg. Da ging es um feine Gewürzmischungen für ein authentische BBQ, und das macht echt was aus“, erklärte Bosse.

Timo Gerkens (v.l.), André Betina und Sandor Drews beim Zubereiten der Fische mit Gemüsefüllung. Das zweite Mal sind die „Grillgermanen“ zu Gast in Boldenshagen. Quelle: Sabine Hügelland

Diese Männer lieben es hochwertig. So, wie sie ihre Speisen zubereiten, dürfte manch eine Frau neidisch werden: Liebe pur floss da ins Essen. Fisch – dazu gehörten Dorade, Zander und Zackenbarsch – sowie Fleisch und sogar Gemüse erhielten viel Zuwendung.

Tobias Roßmann, der Eigentümer des Hofes, ist mittlerweile selbst auf den Geschmack gekommen. „Dieses Jahr mache auch ich ein wenig mit“, sagte er.

Martin Geisler aus Schweden: „Ich vermisste in Schweden einiges, so begann ich es selbst herzustellen wie Wurst und Schinken.“ Quelle: Sabine Hügelland

Der Schwede Martin Geisler ist ein Freund des Räucherns: „In Schweden gibt es keinen Schinken, so wie ich ihn kenne, deshalb begann ich damit.“ Und Wurst herstellen, das kann er auch, wie der 49 Jahre alte Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik bewies. „Bei unseren Treffen lernt man sich mal richtig kennen, sonst chatten wir ja nur“, so Vertriebsingenieur Kay Grabowski. „Ich liebe Kurzgebratenes wie Steak, das dauert nicht so lange.“

Der 39-Jährige ist da eher die Ausnahme. „Einen guten Grillmeister macht vor allem die Leidenschaft dafür aus, und er sollte sich Zeit nehmen“, sagte Bosse. Doch bei den „Grillgermanen“ darf jeder alles, was gefällt – Hauptsache es schmeckt. „Zuhause wird viel Hühnchen gegrillt“, so Timo Gerkens aus Pinneberg.

Grillmeisterschaft gewonnen

„Im April gewannen vier von uns sogar den ersten Platz bei den Grillmeisterschaften - Monster Grill in Osterrönfeld“, sagte Marko Bosse. Zu ihnen zählten Torsten Jahn, Tobias Ohm und Fjodor Gutow und Jan Looft. „Das war einfach Glück“, sagte Torsten Jahn. Die Männer wollen ihr Wissen gern weitergeben: „Wir möchten ein Rezepte-Buch über uns schreiben“, machte Bosse neugierig. Außerdem setzten er und Dennies Deutschmann mit Steffen Brinkmann das Projekt „Grillgermanen Doppelkorn“ um. „Den gibt es im ,Tobacohouse Brinkmann in’.“

Die meisten der Teilnehmer haben Familie. Doch die bleibe zu Hause. Denn wenn Männer unter sich sein können, seien sie authentischer. Die Familie genieße dafür später das, was die „Grillgermanen“ in Mecklenburg lernten. „Wir werden auch nächsten Jahr wiederkommen. Es passt alles“, versprach Organisator Marko Bosse.

Sabine Hügelland