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Bad Doberan Nach Wasserschaden am Doberaner Gymnasium: Die Normalität kehrt zurück
Mecklenburg Bad Doberan Nach Wasserschaden am Doberaner Gymnasium: Die Normalität kehrt zurück
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06:37 20.09.2019
Detlef Wolff plant die Vertretungen am Gymnasium in Bad Doberan. Das Organisieren des Unterrichts an vier Standorten war für den Chemielehrer eine Herausforderung. Quelle: Anja Levien
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Bad Doberan

Seit Montag ist wieder etwas Normalität im Schulalltag des Gymnasiums Bad Doberan eingekehrt. Alle Klassenstufen sind zurück am Hauptstandort am Alexandrinenplatz und im Nebengebäude an der Verbindungsstraße.

Mit Einschränkungen müssen Schüler und Lehrer aber wegen des Wasserschadens im Erdgeschoss noch mindestens bis Februar rechnen. Hinter Schulleiterin Birgit Hacker und Detlef Wolff, der die Vertretungspläne schreibt, liegen aufregende Wochen. Räume mussten gefunden, Fahrdienste geklärt und Unterricht an vier Standorten organisiert werden.

„Was machen wir und wo bekommen wir Räume her?“, waren die Gedanken von Birgit Hacker nach dem Starkregen am 31. Juli, als das Wasser bis zu 20 Zentimeter hoch im Erdgeschoss des Anbaus stand und klar wurde, dass zum Schulstart am 12. August im Gymnasium kein Unterricht stattfinden kann. Für 930 Schüler in 26 Klassen und 16 Tutorkursen sowie etwa 75 Lehrer musste eine Lösung her.

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„Hilfe kam von allen Seiten“

„Alle haben Ruhe bewahrt und an einem Strang gezogen“, sagt Detleff Wolff. „Es bringt nichts, hektisch zu werden. Wir haben das gemacht, was wir machen konnten. Die Hilfe kam von allen Seiten“, fügt Birgit Hacker hinzu. Eltern, Schulamt, Landkreis – alle hätten Rückendeckung gegeben.

Starker Regen hat am Mittwochabend für chaotische Verhältnisse in Bad Doberan gesorgt. Die Feuerwehr musste etliche Keller auspumpen, Straßen waren überflutet.

Für die Lehrer lag die Priorität darin, dass zuerst für die Oberstufen Räume gefunden werden mussten. Aber: „Wir konnten uns nicht zu sehr verteilen.“ Schnell sei klar gewesen: Ein Standort, eine Klassenstufe. Innerhalb von Wochen ergaben sich die Ausweichquartiere: Die Zwölftklässler konnten ins Haupthaus, die siebten Klassen wurden im Nebengebäude unterrichtet. Für die zehnten und elften Klassen wurden die Räume in der Beruflichen Schule in Bad Doberan bereitgestellt, die Neuntklässler kamen in Kröpelin unter. Die Achtklässler hatten keinen festen Standort, nutzen Räumen, wenn andere Klassen Sportfest hatten oder unterwegs waren. Sie bekamen tageweise Aufgaben mit nach Hause.

In Kröpelin normaler Stundenplan nicht möglich

Mit den drei Standorten in Bad Doberan habe das Organisieren des Unterrichts noch gut geklappt, erzählt Detlef Wolff. Die Lehrer konnten hier schnell wechseln. „Fast alle Kollegen unterrichten in allen Jahrgangsstufen“, sagt Hacker. Und nicht nur der Unterricht musste sichergestellt sein, auch die Pausenaufsicht war zu klären.

Am 27. August begann dann auch das Schuljahr für die Neuntklässler in Kröpelin. „Mit Kröpelin war für die neunten Klassen eine normale Stundentafel nicht mehr möglich“, sagt Wolff. „Da haben wir den Unterricht so zusammengestellt, dass die Lehrer, wenn möglich, nur einmal am Tag pendeln mussten.“ So hätten dann eben auch mal vier Stunden eines Faches hintereinander stattgefunden. Den Unterricht hier zu organisieren, sei der größte Spagat gewesen.

„Für uns war das alles Neuland“, sagt Wolff. Die Situation hätte das Kollegium aber noch enger zusammenrücken lassen. Die Schüler hätten alles gut aufgenommen. Am 4. September war dann klar: Die Gymnasiasten können in ihr Gebäude zurück. Im Anbau können die oberen Geschosse genutzt werden.

Räume in Beruflicher Schule als Sicherheit

In der Beruflichen Schule wird das Gymnasium weiterhin drei Räume behalten. „Das ist eine Sicherheit, die wir nutzen“, sagt Birgit Hacker beispielsweise. Denn die Räume im Erdgeschoss, darunter zwei Chemie- und ein Geografieraum können wegen Schimmelbefall nach wie vor nicht genutzt werden. Das Erdgeschoss bleibt abgeschottet und wird saniert.

Das Foyer des Gymnasiums Bad Doberan ist gesperrt, die Räume sind abgedichtet. Grund ist Schimmelbefall im Erdgeschoss. Gerade wird getrocknet. Quelle: Anja Levien

Der Chemieunterricht findet zum Teil in den Biologieräumen statt, wenn experimentiert werden soll. „Wir haben auch Hilfsangebote aus Groß Lüsewitz und von der Universität Rostock, dort Labore zu nutzen“, sagt Chemielehrer Detlef Wolff. Gerade für die Schüler, die ihr Abitur in dem Fach ablegen, sei das eine Möglichkeit.

Hochwasser am 31. Juli und die Folgen

Am 31. Juli verursachte Starkregen Überflutungen in Bad Doberan. 80 Keller liefen voll.

Betroffen war die Filiale der Ostseesparkasse am Markt.

Auch am Friderico-Francisceum waren die Folgen lange zu spüren. Der Anbau des Gymnasiums lief voll Wasser. Raummessungen haben ergeben, dass dieses mit Schimmel befallen ist. Die Schüler wurden in verschiedenen Ausweichquartieren untergebracht. Anfang September kam dann die Nachricht: Alle Gymnasiasten können zurück in ihre Schule.

Bad Doberans Bürgermeister Jochen Arenz hat eine Expertenrunde zum Hochwasserschutz einberufen. Bei dieser ist das Hochwasserschutzkonzept für die Stadtbäche Bad Doberans vorgestellt worden, das 20 Vorhaben umfasst. Die Wasserverbände machten im Vorfeld deutlich: So ein Ereignis wie am 31. Juli lässt sich nicht beherrschen.

Von Anja Levien