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Bad Doberan Den Waldtherapeuten in Bad Doberan fehlt der Heilwald
Mecklenburg Bad Doberan

Heilwald in Bad Doberan: Waldtherapeuten warten auf Projektstart

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09:00 22.07.2020
Peggy Hennig und Birgit Allwardt sind Physiotherapeutinnen an der Moorbadklinik in Bad Doberan und haben sich jetzt zur Waldtherapeutin ausbilden lassen.
Peggy Hennig und Birgit Allwardt sind Physiotherapeutinnen an der Moorbadklinik in Bad Doberan und haben sich jetzt zur Waldtherapeutin ausbilden lassen. Quelle: Anja Levien
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Bad Doberan

Peggy Hennig und Birgit Allwardt sind die ersten Waldtherapeutinnen in Bad Doberan. Die beiden Physiotherapeutinnen der Dr. Ebel Fachklinik Moorbad Bad Doberan haben ihre Weiterbildung jetzt abgeschlossen. Kurios: Eigentlich haben sie diese gemacht, um mit den Patienten im Heilwald zu arbeiten. Doch die Umsetzung des Landespilotprojektes, das 2018 fertig sein sollte, verzögerte sich immer wieder.

Auf 38 Hektar soll der Heilwald westlich der Moorbadklinik entstehen. Vorhandene Wege sollen erweitert und beschildert, Aussichtspunkte und Ruhezonen geschaffen, Brücken erneuert und Bewegungselemente aufgestellt werden. Im September soll es jetzt mit dem Bau losgehen. Das Projekt in Bad Doberan ist eines von mehreren im Land. Um das Potenzial des Waldes für die Gesundheit des Menschen zu nutzen, wurden in den vergangenen 14 Monaten parallel die ersten Waldtherapeuten in Mecklenburg-Vorpommern ausgebildet.

Patienten fokussieren sich nicht mehr auf den Schmerz

„Ich habe selbst immer positive Erfahrungen im Wald gemacht und möchte das an andere weitergeben“, nennt Peggy Hennig den Grund für die Entscheidung zur Weiterbildung. Der Gang durch den Wald wirke sich positiv auf die Patienten aus, das beobachteten beide Frauen immer wieder. „Die Patienten schalten ab und setzen den Fokus nicht mehr auf den Schmerz“, beschreibt Peggy Hennig.

Doch die Voraussetzung für die Weiterbildung – ein Heilwald direkt an der Klinik – ist noch nicht erfüllt. „Das ist jetzt schwierig“, sagt Birgit Allwardt. Die Wege sind noch nicht gemacht, die Geräte zum Üben von Koordination und Gleichgewicht fehlen, ebenso die Entspannungszonen oder Bänke. Dennoch nutzen die beiden Frauen den Wald jetzt schon, indem sie Walking und Nordic Walking anbieten. Mit frisch operierter Bandscheibe sollen die Patienten lernen, Wege zurückzulegen. Durch die Unebenheiten im Gelände würde das Gleichgewicht geschult.

„In Hinblick auf die Umsetzung des Bad Doberaner Heilwaldes freuen wir uns, dass wir nun zwei Kolleginnen in unserem Team haben, die die Weiterbildung zum Waldtherapeuten erfolgreich abgeschlossen haben“, teilt Rainer Grimm, Direktor des Moorbades Bad Doberan, mit. „Gerade als Alleinstellungsmerkmal kann der Heilwald zukünftig zu einem relevanten Wirtschaftsfaktor im Gesundheits- und Tourismusland MV für die Region und Bad Doberan werden, was zu begrüßen wäre.“

Projektstart für den Heilwald in 2017

Im März 2017 hatte Landwirtschaftsminister Till Backhaus den Förderbescheid in Höhe von 281 000 Euro für den Heilwald bewilligt. Die Planungen starteten. Im April 2019 stellte Planerin Henriette Runge von Planakzent das Projekt im Ausschuss vor, nachdem mit Forstamt und Moorbadklinik alles abgestimmt worden war. Dann wurden die Kosten erneut geschätzt.

Kur- und Heilwälder in MV

3 fertige Kur- und Heilwälder gibt es in Mecklenburg-Vorpommern. 2017 wurde der erste Kur- und Heilwald im Seeheilbad Heringsdorf ausgewiesen. Aktuell wird hier der erste Kinder-Heilwald umgesetzt. In Graal-Müritz gibt es einen Kurwald, der sich in einen Aktivwald mit einem Trimm-Dich-Pfad seit 2016 und einen Entspannungswald seit 2018 aufteilt. In Plau am See wurde der Heilwald im November 2019 fertig.

In Planung sind Heilwälder in Bad Doberan, Klink und Ostseebad Ückeritz sowie Kurwälder im Ostseebad Göhren, Ostseebad Sellin, Krakow am See, Malchow, Putbus, Waren (Müritz) und Ostseebad Wustrow.

Stadtvertreter müssten über höhere Kosten entscheiden

„Statt 300 000 Euro wird er jetzt 900 000 Euro kosten“, informiert Bürgermeister Jochen Arenz. Zwar habe das Land die Fördermittelzusage erhöht, der Eigenanteil der Stadt liege aber bei 250 000 Euro. Das Geld sei in der Summe nicht in den Haushalt eingestellt. „Damit müssten wir noch mal in die Stadtvertretung.“

Bürgermeister Jochen Arenz würde sich in dieser Hinsicht auch eine finanzielle Beteiligung der Moorbadklinik wünschen. „Die profitieren ja vom Heilwald“, sagt er. Das sei, auch nach der Kostensteigerung, bisher kein Thema, sagt Ronald Wick, stellvertretender Klinikleiter. „Die Mittel kommen vom Land. Wir unterstützen das Projekt mit unserem Know-how.“ So hätten sich die Sporttherapeuten mit dem Planungsbüro über die aufzustellenden Geräte ausgetauscht.

Heilwald als Alleinstellungsmerkmal

Annette Rösler, Geschäftsführerin des Bäderverbandes Mecklenburg-Vorpommern: „Der Heilwald ist für alle und wäre ein Alleinstellungsmerkmal des Ortes, auf das er stolz sein kann.“ Quelle: Anja Levien

Annette Rösler, Geschäftsführerin des Bäderverbandes Mecklenburg-Vorpommern, der die Kur- und Heilwälder initiiert hat, bedauert es, dass das Projekt in Bad Doberan so lange braucht. „Hier sieht man, was passiert, wenn das Projekt nicht das einzige in der Stadt ist.“ Dabei sieht sie im Heilwald viel Potenzial. „Das ist ein Produkt des Ortes mit Alleinstellungsmerkmal, auf das Bad Doberan stolz sein kann.“

Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten im künftigen Heilwald beginnen. Der Brückenbau ist für Anfang September geplant.

Von Anja Levien